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Einleitung Wie dumm sind wir eigentlich, - dass wir
uns soviel an Verrohung, Verhässlichung, Inkompetenz, Warum nehmen wir es nur leise murrend hin, dass die von uns gewählten und von unseren Steuergeldern lebenden Vertreter von dem Fach, dass sie in unserem Namen vertreten sollen, keine Kenntnisse besitzen? Warum lesen wir nicht die wichtigen Bücher, sondern plappern nach, was einer, der es in die Finger bekam, vorgeplappert hat? Wer kennt: 'Der
Kulturinfarkt', Wer kennt:
'Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land auf Spiel setzen,'
Wer kennt: 'Die
Diktatur der Dummen - Wir beklagen die Macht der Clans, die unsere Städte terrorisieren, weil für sie das Gesetz der patriarchalen Familie ü b e r unserem Grundgesetz steht. Wer hat den
Bericht des arabisch sprechenden Journalisten Konstantin Schreiber 'Inside
Islam - Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird', gelesen - Wer so wie Papageno lebt, dem Essen und Trinken und ab und zu ein Weibchen oder Männchen zum Leben genügen, der bekommt in unserer Wohlstandsgesellschaft Unterstützung genug, dazu noch Pop und Rock auf allen Wellen, riesige Arenen mit massentauglichen Festivals. Dort sollen sie stampfen und grölen soviel sie brauchen. Diese
Veranstaltungen tragen zwar zum 'Dampfablassen' bei, keineswegs aber zur
Veredlung. Also mehr privatisieren, mehr kooperieren, mehr konzentrieren. Laien mit einbeziehen, Räume öffnen. Vieles davon ist bedenkenswert, wird inzwischen auch praktiziert, aber das amerikanische System übernehmen, die Ensembles abschaffen, würde unsere Theaterlandschaft verarmen und uns heimatlos machen, denn mit Künstlern, die nur mit Stückverträgen engagiert werden, können die Opernfreunde keine innere Bindung eingehen. Da sind die Deutschen eben anders - und das ist auch gut so! Selbstbessene Regisseure dürfen uns nicht mit Billigung der Intendanten unsere Theater verekeln! Vielleicht wundern Sie sich, dass ich Ihnen über Bücher berichte. Aber das praktizierte Richard Wagner auch, der ja die 'Mitteilung an meine Freunde' erfunden hat. Und ihm darf man ja wohl nacheifern, wenn auch in aller Bescheidenheit.
Also in Deckung gehen, nicht reagieren, bis die blöden Bürger es "über kurz oder lang" aufgeben, gegen uns zu stänkern, denkt der Politiker - und die Politikerin ist auch nicht besser beim Benutzen der Tarnkappe. Kommt dann jemand aus der Bevölkerung und beschreibt das Elend auf deutschen Bühnen, wird er in die rechte Ecke gestellt. Der Deutsche Bühnenverein hält die Hand über die Exzesse und ruft: "Freiheit der Kunst!" Was verloren geht, interessiert keinen der Gewählten, keinen durch ruhiges Ersitzen Hochgeschwemmten. "Das Bisschen
Kultur schleppen wir so noch mit. Egal, was die da machen, es ist ja nur
Kultur!"
Und das ist
kein Zufall, sondern Programm.
Die Predigt
zeigt eine für uns ganz andere Welt, in der die Gläubigen mit Absicht gehalten
werden, da von der deutschen Gesellschaft ein schädlicher Einfluss ausgeht,
weil das Virus der Freiheit ansteckend ist.
●
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Die
erlittenen Grausamkeiten, das Elend von Flucht und Lager, der eiserne Wille
zur Freiheit, das organisatorische Talent, mit dem sie Kontakte im Netz und in
der Wirklichkeit geknüpft hat, verdienen höchste Anerkennung.
Sprecher
1: Stefan
Paintner: Sprecher
2:
Saudische Flüchtlinge werden
weltweit verfolgt.
Kontrolle über die Frauen
gewährt.
Ergebnisse
der Bundesvorstandsklausur
Über allem, was wir auf dieser
Klausur diskutiert haben, stehen die beiden Fragen: Deshalb haben wir bei unseren Beratungen Einigkeit über eine Vielzahl von Schritten erzielt, die wir nun gehen werden: Digitalisierung
Digitalisierung ist dabei unsere
Welt fundamental zu verändern. Obwohl es zahlreiche Ansätze, Konzepte und
Kompetenzen gibt, fehlt es der Politik in Deutschland bisher an Dynamik und
Durchsetzungskraft. Die CDU wird bis zum Parteitag im November 2019 in einer
„Digitalcharta Deutschland" ihre Visionen, Leitprinzipien und Vorschläge für
Teilhabe, öffentliche Dienstleistungen, Bildung und Wissenschaft, Gesundheit,
Infrastruktur, Arbeitswelt, Wirtschaft, Sicherheit und Demokratie
zusammenfassen. Klimaschutz
Die CDU steht zum
Klimaschutzabkommen von Paris und den dort festgelegten Zielen. Und wir stehen
für ein nachhaltig lebendes und wirtschaftendes Deutschland: Wir wollen eine
nachhaltige Soziale Marktwirtschaft. Dazu wollen wir Ziele der Klimapolitik in
unsere Wirtschafts- und Sozialpolitik integrieren. Dabei ist klar: Wir setzen
auf Innovation, technologiebasierte Lösungen und Anreize; wir setzen auf
Forschung und Entwicklung, um den Wegfall des Kohlestroms mit neuen
Technologien zu kompensieren. Zukunft der Mobilität Wir werden die laufende Diskussion zur „Zukunft der Mobilität" weiterführen und dabei den politischen Wettstreit mit anderen politischen Parteien suchen. Wir werden unsere eigenen Antworten auf der Grundlage unserer Werte und Überzeugungen erarbeiten. Der Bundesvorstand wird in seiner Sitzung am 24. Juni 2019 ein entsprechendes Konzept debattieren und hierzu einen Beschluss fassen. Energiesteuern, Energieabgaben und Umlagen Das aktuelle System der Energiesteuern, Energieabgaben und Umlagen ist über die Jahre aus unterschiedlichen Anlässen und mit unterschiedlichen Zielsetzungen entstanden. Es wirkt heute unsystematisch, sozial unausgewogen, wirtschaftlich belastend und mit Blick auf Klimazielsetzungen nicht zielführend genug. Deshalb wollen wir bis zum Herbst Vorschläge für ein modernes und wettbewerbsfähiges Steuer- und Abgabesystem vorlegen. Diese werden CDU, CSU, CDU/CSU-Bundestagsfraktion und die Fraktionsvorsitzendenkonferenz von CDU und CSU unter Leitung von den Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) und Georg Nüsslein (CSU) gemeinsam erarbeiten. Heimat und gleichwertige Lebensverhältnisse In Zeiten der Globalisierung steht uns im wahrsten Sinne des Wortes die Welt offen. Doch diese Offenheit braucht auch Anker und Orientierung. Unser Ziel ist, dass alle Menschen ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten können - und zwar an dem Ort ihrer Wahl. Sie sollen dort arbeiten und wohnen, ihre Kinder großziehen und alt werden können, wo sie es wollen. Heute stellen wir allerdings fest, dass dies nicht mehr uneingeschränkt möglich ist, weil sich Regionen sehr unterschiedlich entwickeln. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Regierungskommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse" werden wir in diesem Sommer die Debatte führen. Beteiligung Die CDU verliert wie andere Großorganisationen auch seit Jahren an Bindekraft. Wir werden unseren Status als Volkspartei dauerhaft nur erhalten, wenn wir den Anschluss an die vielen verschiedenen Lebenswirklichkeiten der Menschen in unserem Land halten und wieder zurückgewinnen. Mit dem Beschluss „Meine CDU 2017" haben wir in der Vergangenheit bereits wichtige Schritte eingeleitet. Diesen Weg werden wir aufgreifen und weiter vorantreiben. Wir werden gemeinsam mit den Vereinigungen und Netzwerken Ansätze erarbeiten, wie wir bessere Angebote für unterschiedliche Zielgruppen machen. Daneben werden wir die Arbeit von Bundes- und Landespartei besser koordinieren. Bis zum Parteitag im November wird ein Konzept für die Personalentwicklung und Personalförderung in der Partei erarbeitet. Uns allen ist klar: Wir müssen besser werden in den sozialen Medien. Wir müssen besser werden, wenn es um echten Dialog und nicht um einseitige Kommunikation geht. Wir werden in Abstimmung mit Landesverbänden, allen Gliederungen und Vereinigungen neue Fähigkeiten aufbauen und ein Gesamtkonzept für gemeinsame schnelle Verbesserungen angehen. Die Federführung zum Bereich Beteiligung wird beim Generalsekretär liegen. Europäischer Spitzenkandidatenprozess
Manfred Weber war Gast unserer
Bundesvorstandsklausur. Im Bundesvorstand war ganz klar: Die CDU steht zum
europäischen Spitzenkandidatenprozess und zur Stärkung des Europäischen
Parlaments. Wir werden gemeinsam mit der gesamten EVP darauf hinarbeiten, dass
Manfred Weber Präsident der Europäischen Kommission wird.
Vor allem aber zeigt das: Wir
haben eine Menge zu tun. Und ich lade Sie ein, sich hierbei einzubringen und
damit unsere CDU gut für die Zukunft aufzustellen.
Vor uns liegen arbeitsreiche
Wochen und Monate. Ich freue mich auf diese Arbeit, denn unsere CDU ist diese
Anstrengung in jeder Hinsicht wert. Gerne richte ich auch die Grüße unseres
Generalsekretärs aus. Paul Ziemiak ist in der vergangenen Woche zum zweiten
Mal Vater geworden. Als Familienpartei ist es für uns eine
Selbstverständlichkeit, dass er deshalb bei seiner Familie und nicht auf
unserer Klausurtagung ist. Ich bin mit ihm aber in ständigem Kontakt und freue
mich, wenn er demnächst wieder mit an Bord ist. Das Schreiben wurde wie folgt beantwortet:Zitat
Ks. Prof. Abs.: M.L. Gilles - Fehrsweg 2 - 30655 Hannover
Frau
besten Dank für die Zusendung des Rundschreibens mit der darin enthaltenen Äußerung: 'Wir haben eine Menge zu tun. Und ich lade Sie ein, sich hierbei einzubringen und damit unsere CDU gut für die Zukunft aufzustellen.’ Die von Ihnen aufgeführten Themenschwerpunkte Klimaschutz, Digitalisierung, Technologie, Innovation, Mobilität, Wohlstand, Arbeitsmarkt, Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit sind hochnotwendige Arbeitfelder. Mir, aber nicht nur mir, fehlt in der Aufstellung das Wichtigste, auf dem ein friedliches Zusammenleben beruht: Bildung und Kultur. Unerträgliche Pöbeleien und Angriffe auf Lehrkräfte, Rettungspersonal und Polizei zeugen von einer Verrohung, der die Union tatenlos zugeschaut hat, als es eben immer noch als richtig gilt, das Bildungsbürgertum und die Hochkultur zu verunglimpfen. Die deutschen Theater, so zahlreich wie nirgendwo in der Welt, überbieten sich mit Inszenierungen, die die Werke verschandeln, das gebildete Publikum vertreiben und die Jugend fehlleiten. Eine junge Juristin, deren Dissertation mit 'summa cum laude' bewertet wurde, meinte nach einer Vorstellung von 'Galileo' - „Es reicht mir, ich habe keine Lust und meine Zeit ist mir zu schade, mir den ganzen Abend einen nackten, alten Man anzusehen.“
Meine Bemühungen als Mitglied
der CDU, unsere Politiker auf diese Missstände, die auch noch aus
Steuergeldern finanziert werden, hinzuweisen, wurden in Vorzimmern abgeblockt,
von völlig fachfremdem Personal in den zuständigen Dienststellen überhaupt
nicht verstanden und kamen sie bis zur maßgeblichen Person, von dieser
beiseite geschoben, damit kein neuer Kriesgschauplatz eröffnet werde. Zitatende
Eine weitere Mail befand sich im Posteingang:
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Zitat
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Kurz kommentiert
Theater
Regensburg
Regensburg
'Vor Sonnenaufgang'
Otto Brahm, Präsident
des Theatervereins Freie Bühne, der in Berlin gerade von Theaterkritikern neu
gegründet worden war und sich der Aufführung sozialkritischer Dramen der
Naturalisten verpflichtet hatte, spielte Stücke der Zeit. Das erste war
'Gespenster' von Ibsen. 1889 folgte die Uraufführung von Hauptmanns 'Vor
Sonnenaufgang'. Brahm übernahm 1894 die Leitung des Deutschen Theaters und
machte Hauptmann zu seinem Hausdichter.
Als Gerhart Hauptmann 1912 seinen 50. Geburtstag feierte, schrieb Otto
Brahm an ihn
Zitat Otto Brahm Oskar Seidlin The German Quarterly Vol. 36, No. 2 (Mar., 1963), pp.
131-140 |
Otto Brahm verschrieb sich ganz dem Naturalismus, einer Epoche in der
Theatergeschichte,
die von Frankreich und Russland (Stanislawski war ein Vorreiter des Stils in
Russland, der sich dann in den USA im ’acting-theater’ verbreitete) ausging
und in Deutschland im Populärjargon als ein „Wie-im-Leben“-Stil
charakterisiert wurde.
Seine Berliner Bühnen führte er als Privattheater, die ohne Subventionen
auskommen mussten.
Er spielte Stücke in einer Mischung aus besonders gängigen und beim Publikum
beliebten Werken und solchen, die anfänglich Mühe hatte, sich durchzusetzen
oder dann doch vom Spielplan genommen werden mussten, weil das Publikum
ausblieb.
Er analysierte den Text eines neuen Stückes, um so die Aufführung ganz auf die
spezifischen Eigenheiten auszurichten.
Die Schauspieler wurden angehalten, nicht – wie bisher üblich – zu
deklamieren, sondern realistisch und psychologisch nachvollziehbar zu agieren.
Schauspieler zu einem natürlichen Spiel zu bringen, stellte sich als besonders
schwierig dar, da Darsteller und auch Publikum bisher das große Pathos in
Sprache und Gesten gewohnt war.
Sie hatten nun das star-mäßige Hervortreten zu unterlassen und die Gestaltung
des Wortes und damit der Rolle aus der Handlung in Gebärde, Mimik, Maske,
Haltung und Bewegung nach seinen Vorstellungen und Vorgaben als Regisseur zu
übernehmen.
Er half in den ersten Jahren, bis sein Gestaltungsstil von allen übernommen
wurde, seinen Schauspielern, indem er ihnen die Rollen vorspielte und damit so
übertrieb, dass auch die im Pathos Festgefahrendsten erkannten, dass sie so
nicht mehr in der Entwicklung des Ensembles weiter kommen würden.
Erinnert sei hier an eine Situation in Berlin, als Adele Sandrock an den
geschlossenen Vorhang trat, durch das Guckloch in den Zuschauerraum spähte,
Schnitzler, mit dem sie einmal eine Affäre hatte, entdeckte und ihr mit
höchstem Pathos und rollendem 'R' ein entsetztes "Mein Gott, ist der alt
geworden!" entfuhr.
Regensburg
folgt nun einer Mode,
in der Werke großer Könner seziert werden, bis alles Fleisch des Originals
entfernt ist, nur noch das Gerippe übrig bleibt und dann dieses mit meist
dürftiger, neuer Haut überzogen wird.
Man geht da den Weg des geringsten Widerstandes, indem das Erfolgreiche
bestehen bleibt, das auch dem Publikum mit dem großen Namen in Verbindung
gebracht wird, und ihm das Notwendige überstülpt.
Original Rollen
Zitat Handelnde Menschen
KRAUSE, Bauerngutsbesitzer
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Die sogenannte 'Baseler Dramaturgie' findet sich auch bei der Regensburger 'Sonnenaufgang'-Produktion.
Hier ist das Original-Ensemble des Stückes bei der Erstaufführung auf sieben
agierende Figuren abgespeckt.
Theater Regensburg Vor Sonnenaufgangvon Ewald Palmetshofer (*1978) nach Gerhart Hauptmann
Besetzung
Zitatende |
Bei der Uraufführung des sozialen Dramas 'Vor Sonnenaufgang' von Gerhart
Hauptmann kam es 1889 nachweislich zu einem Theaterskandal, da zum ersten Mal
in Deutschland ein soziales Drama auf naturalistische Weise präsentiert, also
auf eine zurückhaltende Aufführungspraxis verzichtet, wurde.
Eine schwangere Frau konnte damals auf der Bühne nicht gezeigt werden. Die
Rufe einer Gebärenden im Hintergrund erregten das Publikum. Über eine Geburt
durfte in aller Öffentlichkeit nicht geredet werden.
Verbote und Zensur bestimmten das Leben im Deutschen Reich.
Die von Bismarck erlassenen Sozialistengesetze verhinderten das Aufkommen
einer Opposition.
Der Kanzelparagraph verbot die Verbreitung von Meinungsäußerungen innerhalb
einer Predigt.
Der Kulturkampf war in vollem Gange.
Die deutsche Gesellschaft
befand sich in einem Umbruch, als durch die sich ausweitende
Industrialisierung Menschen aus den Randgebieten in die Großstädte zogen, um
der Verarmung auf dem Land zu entgehen. Die Konsequenz war hier Ghettobildung,
Mietskasernen mit vielfachen Hinterhöfen, in denen die Menschen in viel zu
kleinen Wohnungen hausten.
Aufgrund geringer Bildung war es ihnen auch kaum gegeben, sich sozial durch
gut bezahlte Anstellungen abzusichern.
Armut und Mangel dann auch hier in den Städten.
Angelehnt hierzu die Determinationslehre, nach der der Mensch nicht
selbstbestimmt und frei in seinen Entscheidungen und Möglichkeiten ist,
sondern entscheidend geprägt und begrenzt durch die Faktoren Vererbung, Milieu
und Erziehung wird.
Hauptmann greift auf aktuelle
Ereignisse zurück, bindet den großen Bergarbeiterstreik von 1889 und die
Verfolgung von Sozialdemokraten im Breslauer Sozialistenprozess von 1887 ein,
zeigt an der Bauernfamilie Krause, die durch Kohlenfunde auf ihrem Landbesitz
zu Vermögen kam, nun aber durch mangelnde Charakterstärke immer mehr ins Elend
abdriftet.
Da gibt es den Alkoholismus, der nach der damaligen Auffassung auf die
Nachfahren übertragen wird und zur Zerstörung der mittelbar betroffenen und
sich im unmittelbaren Umfeld befindlichen Menschen, wie Angestellte,
Hilfskräfte - früher Gesinde - beiträgt.
Nach Meinung des Theaters Regensburg - vertreten durch die Dramaturgin
Zinsser-Krys - könne man das Stück in der Originalform mit allen Facetten des
Lebens und dem Verfall einer Familie und ihrer menschlichen Umgebung in der
damaligen Zeit nicht mehr spielen, weil man es nicht aktualisieren könne.
Hier liegt nun die Fehlbewertung der deutschen Theaterbetriebe, dass man
Klassiker nur in aktualisierter Form spielen könne.
So kommt es zu den Abweichungen in der Gestaltung der Spielpläne, die Stücke
nicht mehr in der Originalform ausweisen, sondern nur - oder fast
ausschließlich - als 'nach Schiller', 'nach Kleist', 'nach Goethe' etc.
Das gilt natürlich nicht nur für das Schauspiel, sondern auch für das
Musiktheater, bei dem dann in Regensburg die 'Aida' in der Stasizentrale in
Berlin spielt oder die 'Manon' in einem U-Bahnhof oder in Hannover die 'Rusalka'
in einem Sezierraum einer pathologischen Praxis.
Die Regensburger 'Vor Sonnenaufgang'-Produktion handelt nach den Vorgaben
eines Seziermeisters Palmetshofer, der in Basel als Dramaturg sitzt und dem
Meisterwerk des Gerhart Hauptmann die neue Haut über das Gerippe des Stückes
zieht.
Die Reste des Hauptmann'schen Werkes werden von einem Herrn Teufel als
Regisseur und einem Herrn Lindner als Bühnenbildner in Szene gesetzt.
Screenshot: Foto Theater
Regensburg
Ein leerer Raum mit wenigen am
Boden abgestellten Requisiten, der nur den inneren Zirkel der Familie zeigt,
das übrige Personal - eben das Gesinde - nicht darstellt.
Es fehlt also das Aufzeigen der Gesamtsituation, so dass ein Gefälle innerhalb
der Gesamtgesellschaft zwischen up and down - hier stellt sich die Frage,
warum TV-Serien wie 'Das Haus am Eaton Place' oder 'Downton Abbey' so
erfolgreich sind - nicht erkennbar wird.
Hierin liegt aber die Spannung innerhalb des Werkes - das Oben und Unten, das
Links und Rechts.
Den Darstellern wird in dieser kastrierten Form des Hauptmann'schen Werkes die
Möglichkeit genommen, die Rollen, die Figuren so wie sie eigentlich angelegt
sind, von innen heraus zu gestalten.
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Gezeigt wird nur die innere
Rahmenkonstruktion, ohne die krassen Gegensätze der beiden Welten dem Publikum
vorzuführen, wie sie sich eben am Ende des 20. Jahrhunderts darstellten.
Hierin liegt aber die Aufgabe eines Theaters, die Situation, das Elend, die
Freude in der damaligen Zeit und der Situation zu präsentieren.
Das Original ins Heute zerren zu
wollen, entspricht nicht dem Bildungsauftrag, somit ist das Thema hier
verfehlt dargestellt und öffentliche Gelder sind verschwendet.
In dieser Form kann
man 'Vor Sonnenaufgang' auch als Hörspiel senden.
Für ein Spiel in einer Szenerie mit Kostümen auf dem Theater besteht keine
Notwendigkeit.
Die mangelnde Akzeptanz durch das Regensburger Publikum spricht für sich. Die Auslastung beträgt nur 70%. Bei der Vorstellung am 2. Juni 2019 befanden sich lediglich sieben Personen im dritten Rang, die allerdings auch nach der Pause.
Presseschau
'Lauter
Verrisse'
München: 'Salome'
27. Juni 2019 22:19 Petrenko und Petersen retten neue Münchner "Salome"
München (dpa) - Die
Münchner Opernfestspiele sind am Donnerstagabend mit einer musikalisch in
jeder Hinsicht überzeugenden Neuinszenierung von Richard Strauss' "Salome"
eröffnet worden. Das Nationaltheater erbebte unter dem Jubel für
Generalmusikdirektor Kirill Petrenko am Pult des Bayerischen
Staatsorchesters, die bravouröse Sopranistin Marlis Petersen in der
Titelrolle der Salome und Bariton Wolfgang Koch als Jochanaan.
Petrenko schien zuerst mit angezogener Handbremse zu dirigieren, steigerte
sich im Laufe des zweistündigen, pausenlosen Abends jedoch wieder zu
großer Form und rettete die eher schwachbrüstige Inszenierung vor dem
drohenden Absturz. |
Zitat
"[...] Diesmal war der Vorhang zu einer bühnenhohen, halb verfallenen
Bibliothek als Einheitsbühnenbild offen; ein im Stil „1900“ livrierter
alter Diener arrangierte im Halbdunkel nicht erkennbare Dinge; dann ging
der Vorhang zu – und als er sich wieder öffnete, saß eine gepflegt
gekleidete Abendgesellschaft im Raum und hörte Gustav Mahlers „Kindertotenlied“-„Nun
will die Sonn‘ so hell aufgehn“, gesungen von Kathleen Ferrier unter Bruno
Walter, von unsichtbaren Lautsprechern hereinklingen – Interpretations-
oder Horizont-Gewinn: Null – denn dem folgten bedrohliche Wummer-Schläge
an eine entfernte Eingangstüre, woraufhin der Gutteil der
Abendgesellschaft nach hinten in einen sich öffnenden, hellen Kachelraum
flüchtete – uneindeutig-wirre Assoziationen: also doch Nazi-Terror?
Anspielung auf ein Anne-Frank-Versteck? ein tödlicher „Dusch-Raum“? Doch
nun griff GMD Kirill Petrenko zum Dirigentenstab - der einzige Gewinn des
Abends. |
"[...] Bauchschmerzen bereitet die hinzuerfundene Rahmenhandlung. In einem
szenischen Prolog erklingt ein Kindertotenlied von Gustav Mahler von einer
Platte. Dazu machen sich im Warschauer Ghetto eingeschlossene Juden in
einer Pantomime über antisemitische Vorurteile lustig, ehe sie die
biblische Geschichte Salomes nachspielen. Am Ende bricht der Aufstand
gegen die deutschen Besatzer aus, alle begehen kollektiven Selbstmord. |
Zitat "[...] Krzystzof Warlikowski, der
„Salome“ zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele zu inszenieren
versuchte, bessert eifrig nach, was Wilde und Strauss (die er für Stümper
halten muss) versäumt hatten. |
Zitat |
"[....] Es ist erstaunlich, mit
welcher Macht szenisch befremdliches Dünnbrettbohren das Erleben einer
Salome-Aufführung beeinflussen kann. Lange wollte ich dem inhaltsarmen
szenischen Gewusel auf die Spur kommen, suchte einen Ansatz: „Wenn ich
doch nichts verstehe -bin ich oder ist das Sichtbare blöd? |
Was andere schrieben
In der Zeitschrift 'Oper und Tanz' ist in der Ausgabe 3/19 zu lesen:
Zitat Mainz: ... In seiner Mainzer Neuinszenierung hebt der andorranische Regisseur Joan Anton Recht alle erdenklichen Grenzen auf. [...]
Fokus und Ideen wechseln so schnell und häufig, dass sich sogar das Banale
nicht selbst verzerrt und der unstete Charakter der eigentlichen Handlung
wird perfekt getroffen [...]" |
.... meint
Axel Zibulski in der FAZ vom 20.05.2019.
Zur 'Hochzeit des Figaro' in Wuppertal schreibt Lars von der Gönna in der WAZ
vom 15.04.2019:
Zitat |
In der Märkischen Allgemeinen vom 8.05.2019 gibt Antje Rössler zum 'Fliegenden Holländer' folgenden Kommentar ab:
Zitat |
MICHAEL PITZ-GREWENIG kommentiert in der KREISZEITUNG am 06.05.2019
Zitat |
Und zu „DAS HOROSKOP DES KÖNIGS” in Bremen äußert sich Ute Schalz-Lurenze in der Kreiszeitung am 02.04.2019:
Zitat |
Kalenderblätter
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Bis in seine
letzten Tage schrieb er seinem Sohn Walter nach Hollywood. Der letzte Brief
ist auf den 18. Mai 1946 datiert.
Walter Slezak hatte in Amerika Karriere gemacht, drehte Filme und verdiente
gutes Geld, lebte auf einer eigenen Farm, während der Vater sich in seinem
Haus am Tegernsee zu der Zeit am Ende des Zweiten Weltkrieges nur mühsam am
Leben halten konnte.
Tochter Margarete war bei ihm und sein Schwiegersohn, der ihn mit dem
Rollwagerl durch den Ort schob, wo er Lebensmittel zusammenschnorrte.
Er, der immer gut gelebt und gegessen hatte - auch um seine 1,95 Meter
Körper-Gesamthöhe für die anstrengenden Rollen 'in Schwung' zu halten.
Als Statist begann er am Stadttheater in Brünn, sang die Chorstellen, die ihm
im Gedächtnis geblieben waren, mit. Adolf Robinson, der in der Vorstellung des
'Bajazzo' den Tonio sang, wurde sein Lehrer.
Mit 19 Jahren debütierte er in Brünn als Lohengrin. Damals glückte noch nicht
alles so, wie es sich der Lehrer vorstellte.
Schon sehr bald holte ihn
die Lindenoper nach Berlin. Da hatte er nicht viel zu singen, wurde übersehen
- allenfalls als Adolar in Webers 'Euryanthe' durfte er auftreten.
Breslau war die nächste Station, da kam er zum Einsatz und bei einem Gastspiel
von Theodor Reichmann von der Wiener Staatsoper als Hans Sachs - sang Slezak
den Walter von Stolzing.
Reichmann empfahl ihn dem Direktor der Wiener Staatsoper, Gustav Mahler, der
ihn zu einem Gastspiel auf Anstellung einlud. Allein wie Wahl der Rollen, die
man anbot, war schon eine Staatsangelegenheit.
Er suchte den Arnold in Rossinis 'Wilhelm Tell' aus, sang alles aus, auch die
hohen Cis. Als zweite Rolle den Radames und als dritte den Stolzing, den er ja
schon in Breslau gesungen hatte.
Der Erfolg war groß, die Anstellung sicher und so sang Leo Slezak -
unterbrochen von vielen Gastspielen weltweit - bis zum Jahr 1934 an der Wiener
Staatsoper.
Er verabschiedete sich dort mit dem Canio im 'Bajazzo', der Oper, in der er
damals in Brünn als Statist Aufmerksamkeit bei Adolf Robinson erlangte.
Leo Slezak war ein
humorvoller Mensch, der sich durch seine komödiantischen Talente sehr gut im
neuen Medium Film zeigen konnte.
'Freut euch des Lebens'
'Die Vier Gesellen'
'Die Herren vom Maxim'
'Golowin geht durch die Stadt'
'Es war eine rauschende Ballnacht'
'Münchhausen'
Seine Bücher verstärkten noch seine Popularität, so dass viele Fans auch noch
heute sich gern an den großen Sänger, Filmschauspieler und Autor erinnern.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44419897.html
Leo Slezak
sang die großen Partien des Tenorfachs - deutsches Fach wie der Tamino oder
das italienische Fach bis hin zum Otello.
Für das französische Fach ließ er sich speziell von Jean de Reske in Paris
ausbilden.
Aufgrund dieser Vielfalt bei der Möglichkeit der Besetzung von Rollen, wurde
Caruso gewarnt als Slezak in New York sein Engagement an der Metropolitan
Opera antrat:
“Caruso hüte dich, Slezak kommt!“
Neben den großen Opernpartien sang Leo Slezak gerne und mit viel Erfolg
weltweit vornehmlich aus seinem Repertoire das 'Deutsche Lied'.
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Unter
https://www.capriccio-kulturforum.de/index.php?thread/1651-gottlob-frick/
…. gibt
es eine Reihe von Einträgen, in denen unmittelbar an Gottlob Fricks
Sängerleben Beteiligte ihre persönlichen Eindrücke weitergeben.
Stützt man sich nur auf Daten aus dem Netz, dann kann es passieren, dass
folgender Eintrag übernommen wird:
"Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Gottlob
Frick am 26. Januar 1985 im Rahmen eines Konzertes im
Schießhaus
in
Heilbronn,
in dem er die Hallenarie aus der
Zauberflöte sang."
Richtig dagegen zitiert die Meinung von Karl Schumann mit:
"Das hochaufgerichtete, massige Mannsbild, das durch
seine ernste Miene und seine nachtschwarze Stimme wirkt wie ein Dämon aus
einem mythologischen Wald oder wie ein von Alfred Kubin gezeichneter
Elementargeist zwischen Hochwald und Wolfsschlucht."
1906 als 13. Kind - 11 Brüder, 1 Schwester - einer Försterfamilie geboren,
studierte er Gesang am Stuttgarter Konservatorium, das Geld hier verdiente er
sich als Chorist an der dortigen Staatsoper.
Biografie
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Zitat |
Quellen: |
Mitteilungen von Edelgard Säuberlich und Ruth Wessel, Ölbronn-Dürrn |
Horst Ferdinand (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, Seite 90-92
Jürgen Kesting, der
allwissende Sängerkritiker schreibt:
Zitat Eine der größten Leistungen Fricks auf Platten ist sein Osmin in der Aufnahme der 'Entführung' unter Sir Thomas Beecham. Zwar singt er die Musik des Haremswächters nicht so geschmeidig und elegant wie Kurt Moll, aber sein Portrait hat insgesamt mehr Gesicht, mehr Verve, mehr zappelnd-aufgeregte Boshaftigkeit. Mit seinen Auftritten als Komtur in Giulinis Aufnahme des 'Don Giovanni' macht er den Atem stocken: Man hört in der Tat die dröhnende Stimme einer überlebensgroßen Statue. Hingegen durchwandert seine Stimme in Klemperers Aufnahme der 'Zauberflöte' tonliches Niemandsland - der damals 58-Jährige war zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht in bester Form. Wie souverän er die Arien singen konnte, verraten die Aufnahmen unter Schüchter und Grüber von 1954. Rocco hat er unter Furtwängler und Klemperer gesungen, beide tadellos. Seine Verdi-Aufnahmen, darunter der Philipp-Monolog, sind nicht idiomatisch, aber vokal imponierend. In einer Klasse für sich einige seiner Wagner-Aufnahmen: Daland in der Konwitschny-Aufnahme mit Fischer-Dieskau in der Titelpartie und der unsicheren Senta von Marianne Schech; Landgraf unter demselben Dirigenten, Hopf als Tannhäuser, Grümmer als Elisabeth, Fischer-Dieskau als Wolfram und Wunderlich als Walther; König Heinrich in den Aufnahmen unter Schüchter und, vor allem, unter Kempe; Pogner unter Kempe, mit Frantz als Sachs, Grümmer als Eva, Unger als David (superb) und Schock als Walther; Hunding unter Solti und unter Furtwängler (1953); endlich Hagens Ruf in der Aufnahme unter Konwitschny, auch noch in späteren Solti-Aufnahme: Es liegt eine Kraft, Energie, Sicherheit und Zuversicht diesem Singen, über die nur ein Meistersänger gebietet. Zitatende Jürgen Kesting - Die großen Sänger - Cormoran-Verlag 1993 |
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Zitat "[...] Hofmann besaß früher einmal ein Schloss, er fuhr teure Autos, kassierte als Sigmund oder Lohengrin höchste Gagen. Er ist ein Beispiel dafür, wie tief der Fall sein kann, wenn man in guten Zeiten nicht aufpasst, wohin das Geld fließt. Als Ursache für die Verarmung nennt Hofmanns Bruder Fritz gegenüber „Bild“ zwei Gründe. Wegen seiner
Krankheit habe er seit 15 Jahren so gut wie nicht mehr arbeiten können.
Dadurch seien die Ersparnisse aufgebraucht. Außerdem hätten ihn seine
beiden Scheidungen um ein Vermögen gebracht, vor allem die mit der
US-Sängerin Deborah Sasson, mit der er 1983 bis 1990 verheiratet war. 24.07.2006, 00:00 Uhr
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Zitat Nach Parkinson-Krankheit Heldentenor Peter Hofmann gestorbenEr wurde als Parsifal in Bayreuth gefeiert, sang in den Metropolen der Welt und gab 300-mal das "Phantom der Oper". Der blondgelockte Tenor scheute sich nicht, auch Rockmusik zu singen. Nun ist Peter Hofmann im Alter von 66 Jahren gestorben - nach langer, schwerer Parkinson-Krankheit. Er galt als "schönster Lohengrin aller Zeiten", wurde als Siegmund in der "Walküre" bejubelt, gastierte in der New Yorker "Met". Peter Hofmann, der als Jugendlicher mehrfach hessischer Zehnkampfmeister wurde, war mit seinen blonden Locken und seinem eindrucksvollen Körper ein Mann, dessen Charisma nicht auf die Welt der Oper beschränkt bleiben konnte. Also nahm er Alben namens "Rock Classics" auf, warb für American Express; der SPIEGEL nannte ihn 1984 einen "putzmunteren Springinsfeld zwischen abendländischem Tongut und kandiertem Pop". Doch in den letzten Jahren war über Peter Hofmann weniger in den Feuilletons als in den bunten Seiten zu lesen - er erkrankte, wie im August 1999 bestätigt wurde, an Parkinson; es gab Berichte über finanzielle Nöte und Existenzangst. Im März 2007 heiratete er seine Lebensgefährtin Sabine Zimmerer, mit der er eine gemeinsame Tochter hatte. Aus Hofmanns erster Ehe stammen zwei Söhne. Nun ist Hofmann im Alter von 66 Jahren in einem Klinikum im oberfränkischen Selb gestorben. "Ich denke, es war eine Erlösung für ihn", sagte sein Bruder Fritz Hofmann gegenüber der Nachrichtenagentur dapd. Der Künstler sei nicht an seiner langjährigen Parkinson-Erkrankung, sondern an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Ein Freund der Familie sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Er ist ganz friedlich eingeschlafen." Allerdings habe niemand mit seinem Tod gerechnet. Peter Hofmann, 1944 im
böhmischen Marienbad geboren und in Hessen aufgewachsen, begann seine
Gesangskarriere als Gitarrist und Sänger einer Rock'n'Roll-Band. Gegen Ende der
achtziger Jahre wurde er für stimmliche Schwächen mehrfach scharf
kritisiert, musste große Auftritte gar abbrechen - die "Welt" sprach von
einer "Sängertragödie von beinahe griechischem Ausmaß". Doch als "Phantom
der Oper" in der Hamburger Aufführung des Musicals genoss er wieder den
Applaus des Publikums.
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Er hatte etwas 'Vernünftiges'
gelernt.
Nach dem Abitur studierte er Chemie und hätte nach dem Abschluss als Ingenieur
in entsprechenden Fachfirmen arbeiten können.
Schon während des Studiums nahm er Musikunterricht und hatte damit begonnen,
seine Stimme ausbilden zu lassen.
Während eines Urlaubs in Schwerin kam er mit dem dortigen Theater in
Verbindung und fand Gefallen an dem Leben in Vorpommern. In Neustrelitz sang
er 1921 den Don José in 'Carmen'. Nach Zwischenstationen 1922 bis 1924 in
Altenburg, dann Basel und Köln kam er 1929 an die Staatsoper Berlin und 1930
an die Wiener Staatsoper, der er bis 1957 angehörte.
Zitat |
Seine stimmlichen und
rollengestalterischen Möglichkeiten reichten vom Tamino, Hüon, Florestan von
1932 bis 1939 bei den Salzburger Festspielen bis zum Parsifal in den Jahren
1934 und 1936 in Bayreuth.
1933 trat er, trotz der Tatsache, dass er Ausländer war, in Graz der NSDAP
bei, wo er sich bereits 1934 für Propagandaveranstaltungen einspannen ließ.
1935 war er Gast bei Görings Hochzeit mit Emmy Sonnemann.
Gegenüber dem Preußischen Ministerpräsidenten und Reichsjägermeister kündigte
Roswænge 1938 an, eine 'Oper im nationalsozialistischen Sinn herauszubringen',
die auf der Erzählung 'Der Schwur von Alrekstad' basieren sollte. Die Oper
wurde unter dem Titel 'Königsballade' mit Musik des Aachener Kapellmeisters
Rudolf Wille 1939 an der Wiener Staatsoper uraufgeführt, konnte sich jedoch
nur kurz auf dem Spielplan halten.
Roswænge beteiligte sich auch später an NS-Kulturveranstaltungen, etwa bei
Kameradschaftsabenden für Alte Kämpfer. 1944 wurde er von Hitler auf die
Gottbegnadeten-Liste der unentbehrlichen Künstler gesetzt, was ihn vor einem
Kriegseinsatz bewahrte.
Sein Haus in Berlin wurde 1945 von den Russen besetzt. Als Däne wurde er unter
dem Vorwand, nach Dänemark abgeschoben zu werden, von den Besatzern in das
Lager Krasnogorsk nach Moskau deportiert, von dort transportierte man ihn nach
einigen Monaten über Leningrad nach Helsinki und dann nach Stockholm.
Als Kollaborateur mit Nazi-Deutschland fand er in seiner Heimat keinen Boden
mehr für seine Kunst.
1946 brach er zu den Kanarischen Inseln auf, wo er sein 25-jähriges
Bühnenjubiläum mit dem Turiddu in der 'Cavalleria rusticana' feierte. Er
reiste weiter nach Vigo, kehrte zu seinem ursprünglichen Beruf zurück und
entwickelte Schiffsanstrichfarben, die Algenbesatz verhindern sollten, sowie
sein auf Kartoffelmehl basierendes HeRos-Brot. Seine Arbeit als Chemiker
setzte er bis 1948 fort. Dann reiste er in die Schweiz und kehrte auf die
Opernbühne zurück.
Dem Trend, Opern nur noch in ihrer Original-Sprache aufzuführen, folgte
Roswænge nicht. Er sang alle Rollen (wie früher üblich) auf Deutsch, alle
Texte neu lernen müssen, lehnte er ab und zog sich zurück.
Zu triumphalen Erfolgen wurden von vier Stehplatzbesuchern (!) der Wiener
Staatsoper organisierte Gala-Konzerte (1958–1961) im Großen Musikvereinssaal
zu Wien. Eines davon (1959) ist auch als Mitschnitt bei Preiser Records
erschienen.
Es folgten noch Operetten-Tourneen, Fernsehauftritte, Lieder- und Arienabende
(1963/64) in New York (Carnegie Hall), aber auch Auftritte in
Opernaufführungen, wie beispielsweise 1963 bei den Freilichtspielen
Tecklenburg, wo er den Canio in Leoncavallos 'Bajazzo' sang.
1962 veröffentlichte er ein weiteres Buch: 'Mach es besser mein Sohn!'.
Noch wenige Wochen vor seinem Tod trat er am Münchner
Gärtnerplatz-Theater auf.
https://www.spiegel.de/sptv/reportage/a-204921.html
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Er war nach Richard Tauber einer der populärsten Tenöre des mittleren und
ausgehenden 20. Jahrhunderts.
1932 begann seine Karriere als Chorist am Theater in Duisburg.
1937 erster Solovertrag am Theater in Braunschweig.
Von 1939 war er als Soldat bis zum Ende des Krieges eingezogen.
1946 erhielt er einen Vertrag an das Opernhaus Hannover, wo ihn der Chef von
Electrola - Walter Legge - als Hans in der ’Verkauften Braut’ hörte und ihn
für Schallplattenaufnahmen verpflichtete.
1948 stieg er in eine für Tauber geplante Tournee durch Australien ein und
konnte dann bis in die 50er Jahre hinein die Partien seines Fach, des
lyrischen Tenors, singen: Ferrando, Belmonte, Tamino - der Ehrgeiz - ein Buffo
will Lyrischer, ein Lyrischer will Held sein - führte ihn dann an Partien, für
die seine Stimme nicht oder nur bedingt geeignet waren.
In Düsseldorf sang er so Mitte der 50er Jahre Karlos und dort auch Manrico.
Wieland Wagner hatte mit ihm in Hamburg Don José gemacht und ihn zu den Wagner
Festspielen eingeladen. Dort sang er den Stolzing.
Ein Beispiel wie Intendanten bei der Beurteilung von Stimmen irren können.
Glücklicherweise konnte er schon Mitte der 50er zur Schallplatte ausweichen.
Dort spielte er - häufig mit Josef Metternich als Bariton-Partner - Partien
ein, die er auf der Bühne nicht sang und die ihn verständlicherweise, da nur
Takes aufgenommen wurden, nicht so sehr strapazierten wie ein durchgehaltener
Life-Opern-Abend.
Sein foto- und telegenes Aussehen, sein selbstverständliches Spiel schufen ihm
Möglichkeiten, sich in Eleganz und Natürlichkeit der Operette zu widmen, im
Film aufzutreten und damit dem breiten Publikum bekannt zu werden, was durch
geschicktes Management unterstützt wurde.
Nach einem Herzinfarkt, den er beim Joggen auf Sylt erlitt, widmete er sich
publikumswirksam dem Breitensport - auf Wandertouren durch Deutschland, die
mit Aufnahmen von Wanderliedern - häufig mit den Schaumburger Märchensängern -
vermarktet wurden.
Rudolf Schocks Bruder war als Tenor im Chor des Theaters Regensburg engagiert.
Er machte hunderte von Aufnahmen, die in großer Zahl bei JPC erhältlich sind.
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Zitate “[...] Wenn dem
Verfasser die ebenso unleidliche wie unvermeidliche Frage gestellt werden
sollte, wer der "größte" italienische Tenor nach dem Kriege war, so fiele
die Entscheidung nicht für del Monaco, nicht für di Stefano, nicht für
Corelli, nicht für Pavarotti, nicht für Domingo aus, sondern für den
Amerikaner, der in der unteren New Yorker East Side aufgewachsen ist und
als Kantor begonnen hatte …“ (Jürgen
Kesting) Zitatende |
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Aus Bessarabien stammten die
Eltern, die 1911 in die Vereinigten Staaten von Nordamerika einwanderten.
In Brooklyn aufgewachsen, sang er schon früh als Knabenalt in der Synagoge,
bis Paul Althouse, der selber als Wagner-Tenor große Erfolge in Amerika hatte,
sich der Ausbildung des inzwischen 27-Jährigen neben anderen Schülern wie
Eleanor Steber, Astrid Varnay, and Léopold Simoneau annahm.
Durch die eigene Erfahrung konnte Althouse dem jungen Kollegen beibringen, wie
man haushält und wie man die Stimme nicht durch Brüllen überfordert.
Dieses ökonomische Einsetzen der stimmlichen Möglichkeiten bewies eine lange
Karriere mit den Fächern des italienischen Tenors.
1945 wollte die Met 'La Gioconda' wieder aufnehmen und suchte für die Rolle
des Enzo einen Sänger. Bei einem Vorsingen konnte Tucker überzeugen und bekam
die Rolle, die er auch zwei Jahre später neben Maria Callas in der Arena von
Verona sang.
Toscanini nahm die 'Aida' auf Schallplatte auf, zeigte dabei dem noch
unerfahrenen Sänger, wie man Text gestaltet und auf tenorale Mätzchen
zugunsten der Wahrheit des Werkes verzichtet.
Damals litt er schon darunter, dass bei anderen Schallplattenaufnahmen sein
Schwager Jan Peerce - auch von Toscanini - bevorzugt wurde. Auf lange Sicht
musste das zu einer Entfremdung der beiden Tenöre in einer Familie führen.
Nach der Arbeit mit Toscanini begann eine Weltkarriere, die ihn auch nach
Europa führte. 1960 debütierte er in London, Mailand und Wien.
Nach Deutschland kam er nie.
Die Behandlung der Juden seit 1933 hatte er Deutschland nie verziehen.
Anfänglich hatte er auch Ressentiments gegenüber Josef Metternich, der als
einer der wenigen deutschen Sänger sehr früh nach dem Krieg an die Met
verpflichtet wurde.
1955 sangen dann beide dort im 'Maskenball' - Richard Tucker den Richard,
Josef Metternich den René. Zinka Milanow war Amelia und Roberta Peters der
Page Oscar.
600 Vorstellungen sang er an der Met in dreißig großen Rollen. Mit seiner
Tenorstimme, die besonders in hohen Lagen leuchtete, war er besonders im
italienischen Fach führend.
Es gibt bei JPC viele Aufnahmen
mit Richard Tucker, die das ganze italienische Repertoire eines Tenors
umfassen.
Die Suche nach "richard tucker" ergab 528 Treffer.
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Nach einer internationale
Karriere trat er im Oktober 2000, im Alter von 71 Jahren, beim 1.
Herbert-von-Karajan-Gedächtniskonzert unter der Leitung von James Allen Gähres
in Ulm auf, wo er gemeinsam mit Mirella Freni in Opernarien und Duetten von
Cilea, Tschaikowsky und Verdi zu hören war.
1935 begann er als Knabensopran in seiner Heimatstadt Welingrad in den
sonntäglichen Gottesdiensten, was aber mit Einsetzen der Pubertät sein Ende
fand. Singen fand er nicht mehr so toll, lieber Klarinette oder Trompete
blasen. Größer aber war das Schauspiel der Wunsch für die Zukunft.
Als Jugendlicher war er Cavaradossi in einer Sardou-'Tosca'-Schüleraufführung.
Nach dem Stimmbruch und während der Militärzeit sang er in einem Soldatenchor.
Man entdeckte das Material und ein Bariton der Oper Sofia bestätigte die
Möglichkeiten, unterrichtete ihn, beschränkte sich aber auf das Trainieren der
Stimme, ohne Rollen abzuverlangen.
Eine bulgarische Kommission sandte ihn dann nach Moskau zum eigentlichen
Studium.
Waarlam und Pimen im 'Boris' waren die Anfängerpartien in Moskau, dann aber
schon der Ramphis in 'Aida' in Wien und der Mephisto in Gounods 'Margarete' in
Bologna.
Es folgten 1958 das Moskauer Bolschoi-Theater, 1959 die Mailänder Scala, 1961
Verona, 1962 London und 1965 die New Yorker Metropolitan Opera.
1965 sang er bei den Salzburger Festspielen den Boris, mit dem er seine
Paraderolle gefunden hatte.
Dann kam unter Klemperer der 'Giovanni', und gleich drauf als Mittdreißiger
der Philipp an der Mailänder Scala neben Martti Talvela der Großinquisitor.
Mit seiner großdimensionierten Bassstimme und seinen starken
Ausdrucksmöglichkeiten gestaltete er u.a. Massenets 'Don Quichotte', Gremin im
'Onegin', Pater Guardian in Verdis 'Forza', Banquo in Verdis 'Macbetto' und
immer wieder den Boris - allein dreimal auf Schallplatte unter Karajan.
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Das deutsche
Fach einer Koloratursopranistin war ihre Domäne:
Konstanze, Königin der Nacht, Zerlina, Despina und in der Operette z.B. die
Adele.
Dann kamen auch Rollen im italienischen Fach hinzu. Die ganz großen und auch
stimmlich schweren Rollen wie die Norma, in die zur gleichen Zeit die Callas
einstieg, ließ sie beiseite.
In Darmstadt geboren kam sie früh mit der Musik in Kontakt und nahm
Gesangsunterricht. Der Krieg verhinderte einen schnellen Einstieg in den
seriösen Sängerberuf, so blieben Auftritte in Bars oder bei Volksfesten.
1947 gewann sie einen Wettbewerb und wurde daraufhin an das Pfalztheater
Kaiserslautern engagiert. Dann kam 1950 Karlsruhe, wo sie vom musikalischen
Chef des Hauses - Otto Matzerath - sehr gefördert wurde.
Schon 1953 ging sie an die Bayerische Staatsoper, wo sie bis 1978 zum Ensemble
gehörte.
Zu der Zeit gab es einen Wandel, da Erna Sack und Erna Berger ihre Karrieren
beendeten und Erika Köth und Anneliese Rothenberger in dieses Vakuum vorstoßen
konnten.
Parallel zum Engagement in München kamen Gastspiele in Wien und in Mailand
hinzu. Berlin gab ihr einen Vertrag.
1955 Salzburger Festspiele, 1961 große Russland-Tournee.
Bei der Eröffnung der Deutschen Oper im September 1961 war sie beim 'Giovanni'
innerhalb eines Starensembles mit dabei:
Don Giovanni – Dietrich
Fischer Dieskau, Bariton
Komtur – Josef Greindl, Bass
Donna Anna – Elisabeth Grümmer, Sopran
Don Ottavio – Donald Grobe, Tenor
Donna Elvira – Pilar Lorengar, Sopran
Leporello – Walter Berry, Bass
Masetto – Ivan Sardi, Bass
Zerline – Erika Köth, Sopran
Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin
Leitung: Ferenc Fricsay
Ihr Koloratursopran von höchster technischer Virtuosität und Klangschönheit
kam natürlich besonders in den reinen Koloraturpartien wie Zerbinetta, die
Gilda, die Lucia, die Rosina zur Geltung. Später erweiterte sich dann das
Repertoire.
So kam sie in der Bohème von der Muzetta zur Mimi. Später auch noch die
Butterfly.
Auch auf der Leinwand konnte man sie bewundern, so in Robert A. Stemmles
Schlagerstreifen 'Ein Herz voll Musik' (1955), in Karl Hartls 'Mozart' 1955,
auch "Reich mir die Hand, mein Leben") mit Oskar Werner als Mozart hatte sie
einen Gastauftritt mit ihrer Paraderolle der Königin der Nacht und in der von
Helmut Weiss inszenierten musikalischen Romanze 'Mein ganzes Herz ist voll
Musik' (1958) spielte sie an der Seite von Wolf Albach-Retty eine Frau, die
ein seltsames Doppelleben führt.
Nach der Karriere als Sängerin war Erik Köth viele Jahre damit beschäftigt,
ihr Wissen und Können an Jüngere weiterzugeben.
Sie lebte auf ihrem Weingut in der Pfalz bei Neustadt an der Weinstraße.
In vielen Aufnahmen ist die Gesangskultur von Erika Köth erhalten.
https://www.jpc.de/ff/erika+koeth/B6th
Richtigstellung
In der Ausgabe Nr. 25 hatten wir folgenden Hinweis gegeben:
Nur mit Vorbehalt darf man
Ausführungen anderer verwenden, zumal dann, wenn man Fehler entdeckt, die das
ganze Papier infrage stellen.
Hier nur prima vista einige Details:
Seite 5 - Hermann statt richtig Joseph Goebbels
Seite 86 und auch an anderem Ort - Christine Hamann statt richtig Brigitte
Seite 178 - Reichstagsbrand März 1933 statt richtig
27. auf den 28. Februar
1933
Seite 248 - 249 - Hans statt richtig Heinz Tietjen
Seite 289 – Fußnote, Franz Beider statt richtig Beidler
Seite 290 - Reaktion Cosima Wagners statt Winifred Wagners
Die Fehler fanden wir im Buch:
Ludwig Hertel, ’Zum
Wagnerkult im Nationalsozialismus’ –
Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte – 2015 – Pro Business Verlag - Berlin
Es handelt sich also
nicht um Irrtümer, die der verehrte Herr Kammersänger Bernd Weikl verursachte,
sondern so im erwähnten Buch vorkommen.
Wir bitten ihn um
Entschuldigung, falls sich hier ein falscher Eindruck ergeben konnte.
Deutschlandfunk
’Kultur heute’
16.6.2019
Zitat
Sprecherin
“Seit fast dreißig Jahren gibt es das Impulse-Theater-Festival, das zu den
wichtigsten für die freie Theaterszene gehört.
In diesen 30 Jahren hat sich vieles geändert u.a. die Standorte aber auch das
Theater selbst.
Heute müssen sich immer Bühnen- und Theatermacher mit Angriffen von rechts
auseinandersetzen.
Beim Impulse-Festival, das in Köln, Düsseldorf und in Mühlheim an der Ruhr
stattfindet, bittet man deswegen dieses Jahr die Impulse-Akademie dem Thema
Kunst unter Druck.
Schauspieler, Regisseure, Veranstalter diskutieren und tauschen ihre
Erfahrungen aus.
Am ersten Tag sollte es um Strategien gegen den Rechtsruck gehen.
Christoph Ohrem berichet.“
Sprecher
“Welche Strategien kann man gegen den zunehmenden Druck von rechts entwickeln?
[...]
In Ländern mit stark autokratischen Tendenzen wie Ungarn können
systemkritische Künstler drauf bauen, für ihre Arbeit subventioniert zu
werden.
Sie müssen sich deshalb in meist sehr prekären Verhältnissen selbst
organisieren, um überhaupt ein Publikum selbst anzusprechen.
Doch selbst in Ländern, in denen es Förderstrukturen noch gibt, finden
Angriffe auf die Kunstfreiheit statt.
[...]
Neben der Benennung dieser allgemeinen strukturellen und schon länger
bekannten Probleme wurden auch einige Fallbeispiele vorgestellt, wo vermehrt
rechte Gruppierungen Aufführungen von Performances stören, die nicht ihrem
Weltbild entsprechen.
Es wurde etwa diskutiert, dass die rechte identitäre Bewegung in Deutschland
flashmobartig versuchte, die im öffentlichen Raum stattfindende Performance
Gala-Global von Turbo Pascal in Berlin zu sabotieren, indem sie ein Banner
entfalteten das die Nation als Heimat pries.“
[...]
Zitatende
Zitat
Was konnte denn die
Jahrestagung der Handreichung noch hinzufügen? |
Tagesthemen
Mailänder Scala am
03. August 1778 eröffnet
War ihr weltliche Musik und das Spiel der Menschen mit- oder gegeneinander
wichtiger als die Musik in den Kirchen?
Man weiß es nicht, nahm aber zur Kenntnis, dass Maria-Theresia als Herrscherin
über Österreich-Ungarn und die Lombardei bestimmte, die Kirche Santa Maria
alla Scala in Mailand abreißen zu lassen, um an der Stelle ein Opernhaus zu
errichten.
Giuseppe Piermarini erhielt den Auftrag und baute die neue Oper für Mailand in
weniger als zwei Jahren.
Eröffnet wurde sie mit Antonio Salieris Oper ’L’Europa riconosciuta’.
Auch nach der großen Renovierung und wichtigen Umbaumaßnahmen spielte man am
7. Dezember 2004 wieder dieses Werk.
Im Krieg war das Haus 1943 schwer beschädigt worden, so dass ein Spielbetrieb
nicht möglich war.
Man wollte in Mailand aber nicht auf die Oper verzichten, baute eiligst wieder
auf und kehrte z.B. den Schutt der zerstörten Gebäudeteile in den
Orchestergraben!!!
Der bei der Wiedereröffnung des Hauses am 11. Mai 1946 in Benutzung genommen,
stellte sich das Haus als wenig brauchbar heraus, da der Schutt die Akustik
beeinträchtigte.
Also musste umgebaut werden, was allerdings die Bevölkerung auf den Plan rief,
die mit dem teilweisen Abriss des Gebäudes nicht einverstanden war. Trotzdem
wurde entkernt und eine Neugestaltung in Angriff genommen.
Seit 07. Dezember 2004 spielt das Haus wieder.
Erste
Salzburger Festspiele
... am 22. August 1920
Es war der Tag für den ersten 'Jedermann' - Hugo von Hofmannsthal hatte ihn
verfasst - auf der Basis des englischen Schauspiels.
Ehe es dazu kam, waren verständlicherweise verwaltungsrechtliche Verfahren zu
beachten - glücklicherweise waren honorige Menschen der damaligen deutschen
wie österreichischen Szene an der Gründung beteiligt.
1910 begann man mit Musikfesten und wollte nun das Programm um Schauspiele
erweitern.
Schon 1917 schlug Max Reinhardt der Salzburger Verwaltung vor, die Stadt zu
einem Zentrum der Kultur zu machen.
Hugo von Hofmannsthal gab dann 1919 einen eigenen Entwurf für ein Festspiel
ab, der die Ideen von Reinhardt unterstützte und Richard Strauss als weiteren
Promotor - ihm aus seiner Arbeit an 'Elektra' und 'Rosenkavalier' verbunden -
einschaltete.
Franz Schalk kam als Dirigent, Alfred Roller als Bühnenbildner hinzu.
Seit mehr als 80 Jahren spielt man nun in Salzburg ein besonderes
Sommertheater mit großer Vielfalt, Konzert, Oper, Schauspiel, das nur in der
Hitler-Zeit Einschränkungen im Spielplan - Stücke jüdischer Autoren durften
nicht gezeigt werden - hinnehmen musste.
Bayreuth führte damals wie heute nur Wagner auf, der sich mit seiner zweimal
herausgegebenen Schrift, 'Das Judentum in der Musik' besonders hervorgetan und
den Nazis damit hilfreich zur Seite gestanden hatte.
Dass Bayreuth so viel Wirbel um die paar jährlichen Vorstellungen im Juli und
August macht, ist schwer nachzuvollziehen, sieht man dagegen die Menge der
erstklassigen Produktionen, die in Salzburg gezeigt werden.
Hinzu kommt, dass man Wagner heute in jeder Kleinstadt spielt und BT damit
völlig überflüssig ist.
'Das
Rheingold' am 22. September 1869 uraufgeführt
In Tribschen ging es hoch her in diesem Sommer - gerade war Siegfried geboren
worden, da bahnte sich in München eine Katastrophe an.
Der König von Bayern, dem Richard Wagner die Partitur von 'Rheingold' und
'Walküre' geschenkt hatte, befahl die Aufführung.
Was am 25. August 1869 zwei Tage vor der geplanten Hauptprobe der Uraufführung
auf der Bühne des Hoftheaters in München zu sehen war:
Eine phantasielose Götterburg, der Regenbogen aus Sperrholz, keine Kostüme für
die Rheintöchter - alles ''absurd, lächerlich, unmöglich'' erfuhr Wagner in
Tribschen.
Telegramme gingen hin und her, Hans Richter der vorgesehen Dirigent drahtete,
der König habe die Premiere zwar verschoben, aber e r sei gefeuert worden.
Der König schlug um sich, ob der Kritik aus seiner Hofoper über die
Unmöglichkeit der Vorbereitungen der Aufführung, das Theatergesindel müsse zur
Unterwerfung gebracht werden. Franz Betz, der den Wotan singen sollte hatte
sich weit aus dem Fenster gelehnt, hatte aber gute Karten, denn sein Vertrag
lief nur bis zum 31. August 1869 - so reiste er einfach ab.
Dafür eilte Wagner nach München.
Ein neuer Dirigent musste gefunden werden. Der vom Hofopernintendanten von
Perfall vorgeschlagene Münsteraner Franz Wüllner, Chordirektor an der Hofoper,
wurde von Wagner mit den Worten: "Hand weg von meiner Partitur! Das rat ich
ihnen, Herr; sonst soll Sie der Teufel holen!" strikt abgelehnt.
Es kam dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Der Darmstädter
Maschinenmeister Karl Brandt leistete unerhörte Dinge, die Wagner Gefallen an
ihm finden ließ und er auf weitere Zusammenarbeit hoffte.
Die Zeitungen konnten das Werk, losgelöst aus dem 'Ring', kaum einordnen, die
eine schrieb über die Rheintöchter-Szene, es handle sich um ein
'Huren-Aquarium' und die andere, die Verwendung von Rauch und Feuer sei nur
dazu gut, die Zuschauer an den Brand der Dresdener Semper-Oper zu erinnern,
die am Tag vorher in Flammen aufgegangen war.
Kommentar
Zitat Premiere Fidelio, Oper Chemnitz, 25.05.2019 Bislang dachte man ja, einfältig wie man ist, dass im Mittelpunkt der Oper "Fidelio" die Titelfigur, also Leonore und die Absage an die Tyrannei stehen würden. Robert Lehmeier hat uns mit seiner Inszenierung an der Oper Chemnitz die Augen geöffnet: Marzelline und die ewig Enttäuschten sind nämlich die Hauptpersonen! Alle Dialoge wurden in dieser Fassung gestrichen und durch den Bericht einer alten Frau ersetzt, die aus dem Off zum Zuschauer in der Ich-Form spricht. Schnell wird klar, dass es sich um Marzelline handelt, die – um auch von allem berichten zu können – bei allen Szenen, also auch in der Kerkerszene, anwesend ist. Ungläubig erfährt sie dort, dass Fidelio kein Mann ist, kann es aber immer noch nicht fassen. Erst in der anschließenden Szene vor dem Vorhang, während die Ouvertüre Leonore III zauberhaft aus dem Orchestergraben kommt, begegnen sich Fidelio und Marzelline. Fidelio entledigt sich der Wärteruniform und nun muss auch Marzelline erkennen, dass es sich wahrhaftig um eine Frau handelt. Ein inniger Kuss beendet diese Szene. Robert Lehmeier zeigt uns Leonore/Fidelio auch keineswegs als die zum äußersten Entschlossene, sondern als eine ewig Zweifelnde. Florestan singt zwar "Mein Weib, mein Weib an meiner Brust", aber so viel Nähe wird vom Regisseur zu keinem Zeitpunkt zugelassen, denn Florestan ist auch in dieser zentralen Kerkerszene mehr an seinen Tagebüchern und Memoiren als an seiner Frau interessiert. Dass er knapp dem Tod entronnen ist, hat er offenbar gar nicht mitbekommen... Noch unsinniger wird das letzte Bild: Don Fernando und Florestan tragen von Anfang an die blauen Anzüge der Politikerkaste, Pizarro kauert unter einem Gartentisch. Der ganze Chor ist mit Perücken, Gestik und Kleidung zu Doubeln von Angela Merkel mutiert. Quasi nur für die Kameras legt Fernando seinem Freund noch einmal die Handschellen an, damit diese dann medienwirksam von Leonore gelöst werden können. "Wer ein solches Weib errungen" ist dann auch mehr als Metapher gedacht denn als Loblied auf Leonore, denn Florestan hat erkennbar nur seine künftige Karriere im Blick. Vielleicht wird aus Marzelline und Leonore am Ende doch noch ein Paar? Robert Lehmeier hinterlässt ein ratloses Publikum. Musikalisch könnte der Kontrast kaum größer sein. GMD Guillermo Garcia Calvo führt gekonnt und spannungsreich durch die Partitur. Pauliina Linnosaari ist stimmlich eine überragende Leonore. Viktor Antipenko als Florestan lohnt, dass man überhaupt aus der Pause noch einmal zurückkehrt. Guibee Yang spielt sich als Marzelline die Seele aus dem Leib und Siyabonga Maqungo als Jaquino hat einen wunderbaren Tenor, aber leider aus Konzentration auf seine richtigen Töne die Grillwürstchen (Namensfest des Königs = Gartenparty) anbrennen lassen, was zu einer Überlagerung der Sinne führte: Die Ohren freuten sich und die Nase wurde gerümpft und das bei geschlossenen Augen, weil man so viel Unfug auf der Bühne nicht immer ertragen kann. Von den weiteren Darstellern sind vor allem die beiden Gefangenen Edward Randall und André Eckert lobend hervorzuheben. Ab 08.09.2019 steht Fidelio wieder auf dem Spielplan der Oper Chemnitz. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild! Matthias Ries-Wolff, Chemnitz Zitatende |
Auszug aus der NMZ - Ausgabe Juli – August 2019 - Seite 26
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Bemerkungen zur Neuinszenierung
'Tannhäuser'
am 'Theater für Oberfranken' ab 25. Juli 2019
Richard Wagners Elternhaus war geprägt
von Literatur, Musik und Malerei. bleibende Eindrücke hieraus paarten sich mit
seinen Talenten.
Der nach dem frühen Tod des Vaters Friedrich Wagner als Stiefvater die
Erziehung der Kinder übernehmende Ludwig Geyer, der “[...] als Schauspieler
des sogenannten Charakterfaches [...] bei dem neu errichteten Dresdener
Hoftheater eine vorteilhafte, ehrende und dauernde Anstellung .[...]” (Richard
Wagner - 'Mein Leben' - nachfolgend unter 'ML' veröffentlicht, hier S. 10)
erhielt, machte sich einen Namen und beeinflusste durch diese seine Tätigkeit
die Erziehung Richard Wagners entscheidend. Hinzu kam, dass er in diesem
Umfeld ständig mit dem Theater, der Musik und auch mit Dichtungen in Berührung
kam, zumal Ludwig Geyer, dem “[...] auch dichterisches Talent [...] zueigen
war; nach manchen in oft sehr zierlichen Versen verfassten Gelegenheitsstücken
[...] auch mehrere Lustspiele.[...]” schrieb, “[...] von denen eines, der
Bethlehemitische Kindermord, in gereimten Alexandrinern, häufig gegeben ward,
gedruckt erschien und von Goethe freundlichst gelobt wurde. .[...]” (ML S. 10)
Die frühe Erziehung Richard Wagners wurde auch von der übrigen Familie
geprägt, zumal Geschwister selber eine Theaterlaufbahn einschlugen und damit
für ihn der Umgang mit der Bühne weiter vertieft wurde, oder die Schwestern in
die angesehene Buchhändler-Familie Brockhaus und Avenarius einheirateten, oder
eine Ehe mit Sängern eingingen.
Im Familienkreise wurden Theateraufführungen “[...] zu gegenseitiger
Überraschung oft mit großen Vorbereitungen [...] ” veranstaltet und er “[...]
in einer Parodie der Grillparzerischen Sappho, in welcher ich selbst im Chor
der Gassenbuben vor dem Triumpfwagen Phaons mitwirkte.[...]” (ML S. 19)
Richard Wagner suchte sich “[...] diese Erinnerungen [...]“ durch ein schönes
Puppentheater aufzufrischen und er beabsichtigte die Familie “[...] durch eine
glänzende Aufführung auf diesem Theater zu überraschen.[...]” So ging er
“[...] an die Abfassung eines Ritterstückes, dessen Rollen ich mit meinen
Puppen einstudieren wollte [...]”. (ML S. 19)
In der Schule erweckte er Aufsehen und er wurde - durch seine philologischen
Kenntnisse – bevorzugt gefördert und sein Lehrer Sillig “[...] erlaubte mir,
ihn öfter zu besuchen und ihm meine Arbeiten, die in metrischen Übersetzungen
sowie in eigenen Gedichten bestanden, mitzuteilen.[...]” (ML S. 21) Besonderen
Eindruck machte Richard Wagner bei den Deklamationsübungen, dass der Lehrer
“[...] den damals 12-jährigen Knaben veranlasste, nicht nur Hektors Abschied
aus der Ilias, sondern selbst den berühmten Monolog des Hamlet vom Katheder
herab zu rezitieren. [...]” (ML S. 21)
Die ersten Anfänge einer dichterischen Tätigkeit zeigten sich beim Abfassen
eines Gedichtes auf den Tod eines Mitschülers, das zur Trauerfeier gedruckt
und in “[...] zahlreichen Exemplaren verteilt wurde.[...]” (ML S. 22)
Allerdings gab es zwangsläufig - aufgrund des Alters und der nicht vorhandenen
Erfahrung - auch Fehlschläge und schlechte Leistungen in der Schule, die ihn
aber nicht entmutigten, sondern im Gegenteil, aus dieser Empfindung heraus
begann der Fünfzehnjährige mit der Abfassung einer Dichtung “[...] zu welchem
Shakespeare hauptsächlich durch »Hamlet«, »Macbeth« und »Lear«, Goethe durch
»Götz von Berlichingen« beigetragen hatten.[...]”
(ML S. 32)
Er verwendete alles und “[...] weder was aus Rittergeschichten mir bekannt
war, noch was aus Lear und Macbeth mir vertraut geworden, hatte ich ungenutzt
gelassen, um mein Drama mit reichsten Situationen auszustatten.[...]”
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass er bereits damals eine Vertonung des
Stückes plante und er meinte, dass das “[...] Werk erst richtig beurteilt
werden könnte, wenn es mit der Musik versehen sein würde, welche ich dazu zu
schreiben beschlossen hatte.[....]”. (ML S. 34)
Bereits sehr früh kommt diese Arbeitsmethode zur Anwendung, als Richard Wagner
die Einheit von Text und Musik bereits im ersten schöpferischen Vorgang
verwirklicht.
Nicht mehr feststellbar ist
der genaue Zeitpunkt, ab dem sich Richard Wagner mit dem 'Tannhäuser'
beschäftigte.
Nach seinem bis dahin beruflich beschwerlichen Weg von Leipzig 1833 nach
Würzburg als Chorleiter, 1835 nach Magdeburg als Dirigent und auch als solcher
1837 nach Königsberg und Riga hoffte er nun als 'Rienzi'-Textdichter und
-Komponist ab 1839 in Paris endlich den Erfolg zu haben, der Meyerbeer -
kürzlich gerade mit 'Robert der Teufel' und den 'Hugenotten' - fortwährend
gegeben war.
Ihm las er den Text seines 'Rienzi' vor, Meyerbeer wiederum machte freundliche
Miene zu allem und versprach, sich für Wagner bei der Pariser Großen Oper
einzusetzen.
In Paris, das er voll Überschwang ob der nun von Meyerbeer zugesagten
Unterstützung am 17. September 1839 erreichte, erhielt er anfänglich
finanzielle Zuwendungen von Eduard Avenarius, ab 5. März 1840 dann sein
Schwager - er heiratete Wagners Schwester Cecilie - der in Paris die Filiale
von Buchhandlung und Verlag Brockhaus & Avenarius leitete. Er scharte hier
junge Deutsche um sich, die sich in dieser vorrevolutionären Zeit in Paris
aufhielten. Zum Bekanntenkreis gehörten Heinrich Heine und Heinrich Laube.
Als Cecilie ihrem Mann Eduard nach Paris folgte, gab es bald Unstimmigkeiten,
denn die Schwester wollte es nicht akzeptieren, dass Bruder Richard - trotz
der 350 Francs, die er schon schuldete - immer wieder um Geld bat, statt sich
eine feste Anstellung zu beschaffen, und nicht in der Stadt umherzulaufen, um
den 'Rienzi' anzubieten.
Während der Pariser Zeit von eben diesem 17.9.1839 bis zum 7.4.1842 lernte er
durch die Buchgeschäfte des Schwagers Heine, Anders und Lehrs kennen. Der
Philologe Samuel Lehrs, eigentlich Samuel Levi, geboren 1806 in Königsberg in
Preußen, gest. 13.4.1843 in Paris, war durch Gottfried Engelbert Anders,
.“[...] einem an der Bibliothèque royale für die Abteilung der Musik
angestellten Deutschen [...]” (ML S.180) mit Richard Wagner bekannt gemacht
worden.
Anders schaffte “[...] den Philologen Lehrs herbei und verschaffte mir dadurch
eine Bekanntschaft, welche bald zu einem der schönsten
Freundschaftsverhältnisse meines Lebens führte.” [...] “Wir wurden bald so
vertraut, dass ich ihn fast alle Abende regelmäßig mit Anders bei mir
eintreten sah.[...]” (ML S. 181 / 182)
1841 brachte Lehrs Richard Wagner einen Beitrag in den Jahresheften der
Königsberger Deutschen Gesellschaft “[...] in welchem Lukas den Wartburgkrieg’
kritisch näher behandelte [...]” als Lektüre.
Hier noch kann Richard Wagner den Stoff nicht näher für sich einordnen,
allerdings kommt er auf diese Weise mit einer Zeit näher in Kontakt, denn
“[...] zeigte er mir doch das deutsche Mittelalter in seiner prägnanten Farbe,
von der ich bis dahin keine Ahnung erhalten hatte.[...]” (ML S. 315)
Aus seiner Zeit in Leipzig wusste er um 'Die Serapionsbrüder' von E.T.A.
Hoffmann mit der Erzählung 'Der Kampf der Sänger' die 1819 im Verlag seines
Schwagers Brockhaus herauskam.
Dieser Text von Hoffmann enthielt schon die Figuren aus seiner späteren
großen romantischen Oper.
Am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen fanden sich um das Jahr 1208 zu
einem Wettsingen ein: Walther von der Vogelweide, Reinmar von Zweter, Heinrich
Schreiber, Johannes Bitterolff, aus der Schweiz Wolfram von Eschenbach und
Heinrich von Ofterdingen aus dem dann Wagners
'Tannhäuser'
wird.
Heinrich Heine hatte 1837 im dritten Band von seinem 'Salon' den Text 'Der Tannhäuser - Eine Legende' veröffentlicht - im ersten Band fand Wagner den Text vom 'Holländer' - wobei Heine behauptete, eine neuere Fassung des Tannhäuserliedes zu besitzen. Eine gewagte Aussage, denn das Thema war auch bei Arnim, bei Brentano in seinem 'Wunderhorn' und durch die Sagen der Brüder Grimm in die Öffentlichkeit gelangt, aus der Ludwig Bechstein 1835 für seinen 'Sagenschatz des Thüringer Landes' die Sage vom Venusberg übernahm, die Heine dann mit der Figur der Venus weiterführte.
Zitat Ihr guten Christen laßt Euch nicht Von Satans List umgarnen! Ich sing’ Euch das Tannhäuserlied Um eure Seelen zu warnen. Der edle Tannhäuser, ein Ritter gut, Wollt’ Lieb’ und Lust gewinnen, Da zog er in den Venusberg, Blieb sieben Jahre drinnen. Frau Venus, meine schöne Frau, Leb wohl, mein holdes Leben! Ich will nicht länger bleiben bey dir, Du sollst mir Urlaub geben. Zitatende Heinrich Heine - 'Der Tannhäuser' - Hoffmann und Campe - 1844 - S. 113 |
Die Lektüre der beiden Stränge
Tannhäuser - alias Heinrich von Ofterdingen mit dem Sängerkrieg - und die
Texte um den Venusberg führte Wagner ab 1842 zusammen. Während der Reise von
Paris nach Dresden am 7. April 1842 sieht er den Rhein und später die
Landschaft um Eisenach.
Zitat “Meine direkte Reise nach Dresden führte durch das thüringische Thal, aus dem man die Wartburg auf der Höhe erblickt.“ Zitatende [Sämtliche Schriften und Dichtungen: Vierter Band, S. 473. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 2057 (vgl. Wagner-SuD Bd. 4, S. 273) |
Hier die Hörselberge mit der Wartburg
und das Tal unterhalb der Burg als perfekte Szenerie für seine neue Oper.
Am 9. Juni 1842 fährt er mit Minna und Mutter nach Teplitz-Schönau, um sich
vor den Vorbereitungen für die geplante 'Rienzi'-Uraufführung in Dresden zu
erholen.
Er macht Ausflüge in die Umgebung und auf dem Schreckenstein bei Aussig
beginnt er mit der Niederschrift der ersten Skizzen seiner neuen Oper 'Der
Venusberg'.
Danach
20. Oktober 1842 Uraufführung 'Rienzi'
02. Januar 1843 Uraufführung 'Der fliegende Holländer'
02. Februar 1843 Ernennung zum Königlich Sächsischen Hofkapellmeister
22. Mai 1843 Fertigstellung des Textbuches 'Tannhäuser'.
Während des Jahres 1844 entsteht die musikalische Ausarbeitung des Werkes, am
29. Dezember 1844 sind alle drei Aufzüge für das Orchester skizziert.
Die Monate des Frühjahrs und des Sommers 1845 sind ausgefüllt mit der
Instrumentation und Fertigstellung der Partitur.
Zitat "[...] So begann denn nun, als mit September unsere Sänger alle wieder eingetroffen waren, das Studium des »Tannhäuser«, welches mich bald wieder ernst und immer ernster stimmte. Die Proben gediehen bald bis dahin, daß die Aufführung, soweit sie durch musikalische Studien vorzubereiten war, in nahe Aussicht gerückt wurde. [...]" Zitatende [Richard Wagner: Mein Leben: Zweiter Teil: 1842-1850, S. 194. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 31476 (vgl. Wagner-Leben, S. 316)] |
Nach der Uraufführung der Ur-Fassung des 'Tannhäuer' am 19. Oktober 1845 -
hier endete die Rolle der Venus zum großen Verdruss der Wilhelmine
Schröder-Devrient, die für diese Rolle vorgesehen war und sie dann auch sang -
im ersten Aufzug nach dem
Nie wird
Vergebung dir zuteil, -
Kehr wieder, schließt sich dir das Heil!
Es könne doch
nicht sein, meinte sie, dass eine Hauptfigur nur am Anfang einer Oper zu sehen
und zu hören sei.
Wagner änderte daraufhin diese Ur-Fassung und gab der Venus im dritten Aufzug
für die nächsten Aufführungen einen weiteren Auftritt
VENUS
Willkommen, ungetreuer Mann!
Schlug dich die Welt mit Acht und Bann?
Und findest nirgends du Erbarmen,
suchst Liebe nun in meinen Armen?
Dass dieser
nochmalige Auftritt eine zusätzliche Schwierigkeit aufzeigt, lässt sich leicht
nachvollziehen, wenn die Sängerin nach dem ersten Teil des ersten Aufzuges
abgeht, dann den Rest des ersten Aufzuges, die Pause zum zweiten Aufzug, den
zweiten Aufzug, die Pause zum dritten Aufzug und zweidrittel des dritten
Aufzuges – insgesamt drei Stunden warten muss, bis sie noch einmal aufzutreten
hat.
Zum Ende der Oper ließ Wagner nun den Sarg der verstorbenen Elisabeth auf die
Bühne tragen, um für das Publikum sichtbar zu machen, dass hier ein Sühneopfer
für den sündigen Tannhäuser dargeboten wurde.
Von hier an betritt der Trauerzug die Tiefe des Tales, die älteren Pilger voran; den offenen Sarg mit der Leiche Elisabeths tragen Edle, der Landgraf und die Sänger geleiten ihn zur Seite, Grafen und Edle folgen
Das Werk hielt sich in dieser Dresdener Fassung mit diesem geänderten Schluss
des 3. Aufzugs bis 1848 am Spielplan in Dresden, die weitere Verbreitung aber
gestaltete sich als schwierig.
Wagner selbst griff ein, versuchte aufzuklären und schrieb 1852 einen Text
'Über die Aufführung des Tannhäuser' und ließ Bühnenbildentwürfe an die
Theater schicken.
Wie problematisch die Besetzung der 'Tannhäuser'-Rollen schon damals war,
zeigt der Ausschnitt eines Briefes von Wagner an Franz Liszt aus Zürich vom 29
Mai 1852.
Zitat "[...] Nun aber zur Hauptsache! d.i. - das große Adagio des zweiten Finales!! Als ich in Dresden nach der ersten Vorstellung des Tannhäuser den Strich in diesem Adagio machte, war ich in der vollsten Verzweiflung, und strich in meinem Herzen überhaupt all meine Hoffnungen auf den Tannhäuser durch, weil ich sah, daß Tichatschek ihn nicht begreifen konnte und somit noch weniger ihn darzustellen vermochte! Daß ich diesen Strich machen mußte, hieß für mich soviel als überhaupt der Absicht, meinen Tannhäuser zu einem innigen Verständnisse zu bringen, entsagen! - Ich bitte Dich, liebster freund, sieh Dir die gestrichene Stelle einmal genau an, und überzeuge Dich von Dem, was sie enthält! Nachdem zuvor Alles um Elisabeth, die Mittlerin, sich gruppirte, sie den Mittelpunkt einnahm und Alle nur auf sie hören oder ihr nachsprechen und singen, stürzt Tannhäuser, der sich seines furchtbaren frevels inne wird, in die furchtbarste Zerknirschung zusammen, und - als er wieder worte des Ausdruckes findet, die ihm zunächst noch versagen, weil er wie bewußtlos am boden liegt, - wird er plötzlich zur einzigen hauptperson, und Alles gruppirt sich nun so um ihn, wie zuvor um Elisabeth. Alles übrige tritt zurück, Alles begleitet gewissermaaßen nur ihn, wenn er singt: »Zum heil den sündigen zu führen, die gottgesandte nahte mir: doch ach! sie frevelnd zu berühren hob ich den lästerblick zu ihr! O du, hoch über diesen Erdengründen, die mir den engel meines heil's gesandt: erbarm' dich mein, der ach! so tief in sünden, schmachvoll des Himmels mittlerin verkannt!« In diesem Verse und in diesem Gesang liegt die ganze bedeutung der Katastrophe des Tannhäuser, ja, das ganze wesen des Tannhäuser, was ihn mir zu einer so ergreifenden Erscheinung machte, liegt einzig hierin ausgesprochen. Sein ganzer Schmerz, seine blutige bußfahrt, alles quillt aus dem Sinne dieser Strophen: ohne sie hier, und gerade hier, so vernommen zu haben, wie sie vernommen werden müssen, bleibt der ganze Tannhäuser unbegreiflich, eine willkürliche, schwankende - erbärmliche figur. (der anfang seiner erzählung im letzten akte kommt zu spät, um das zu ersetzen, was hier wie ein Gewitter in unser Gemüth dringen muß!) Nicht nur der Schluß des 2ten Aktes, sondern der ganze dritte Akt, ja – in einem gewissen Sinne - das ganze Drama, wird nur nach seinem wahren inhalte wirksam, wenn der Mittelpunkt des ganzen Drama's, um den sich dieses wie um seinen Kern entwickelt, in jener stelle deutlich und klar zur erscheinung kommt. - Und diese Stelle, den schlüssel zu meinem ganzen Werke, mußte ich in Dresden streichen, - warum? - weil es sich hierbei gerade herausstellte, daß Tichatschek keine Ahnung von seiner Aufgabe als dramatischer Darsteller hatte, sondern die ganze partie nur als - stimmbegabter Sänger aufgefaßt hatte. Grade hieran zeigte es sich aber, wie ohnmächtig der wahrhaften dramatischen Aufgabe gegenüber der bloße besitz materieller Mittel macht, denn diese ließen den Sänger da im stich, wo er einzig nur auf sie sich angewiesen fühlte. Weil Tichatschek diese stelle (schon vermöge seines unnatürlich kleinen Oberschädels!) nicht verstehen und ihren inhalt nicht darstellen konnte, konnte er sie auch nicht - singen! Die Stimme verließ ihn da, wo er nur mit der kraft einer ganzen Menschennatur hätte wirken können, die sich - unbekümmert ob durch Gesang oder sonst wie? - aus sich heraus stürzt, um im Ausdrucke eines übermannenden gefühles sich zu entladen. Freund Tichatschek, der mit gutmüthigem Schafsgesichte verwundert in die Lampen hineinblickte, und dazu (mit weicher, zärtlicher Stimme) den achten part eines Vokaloctettes sang, konnte auf »erbarm' dich mein« die Note A nicht herausbringen!! Ich hab' nicht den 100sten theil von seiner stimme, bringe dieß A aber ganz famos heraus! Natürlich will dieß »A« aber nicht »gesungen« werden, sondern mit allen nerven der brust muß es hervorgeschleudert werden, wie ein schwert, mit dem sich Tannhäuser ermorden will. - Alles parlamentiren hierüber mit meinem Dresdener Tenor war unnütz: er wußte nicht worauf es hier ankäme, und behauptete immer nur, die stelle würde ihm schwer, er spüre es zu sehr in der kehle! - Nun, da schonte ich denn seine kehle, und strich die stelle, weil so - wie Tichatschek sie vortrug - kein mensch errathen konnte, was hier vorgehe; jeder hörte hier nur den Tannhäuser eine »Mittelstimme« singen, die an und für sich - als notenreihe - nicht weiter in das ohr fällt; die musikalische umgebung wurde zur hauptsache - und das ganze erschien so als eine länge, die füglich gekürzt werden konnte, was ich schon deswegen that, weil ich mir nicht die pein machen konnte sie - so vorgetragen - anzuhören. - Aber - das erkläre ich nun: keine Aufführung des Tannhäuser entspricht meiner Absicht, sobald diese Stelle weggelassen werden muß! Um ihretwillen willige ich zur Noth dann in den Sprung im Allegro des Finales, wo das ausbleibt, was eigentlich die fortsetzung jener Stelle ist, nämlich: wo Elisabeth das H-dur-thema als canto fermo aufnimmt, und Tannhäuser dazu in wilder Verzweiflung seine leidenschaftlichen Ergüsse losläßt. Sollte mir eine Vorstellung dieser Oper einst ganz genügen, so müßte Tannhäuser auch diese stelle so vortragen, daß sie - nicht als Länge erschiene. - Fragst Du mich nun, was zu thun sei? soll man einem geringeren Sänger Das zumuthen können, was ein Tichatschek nicht herausbrachte? - Darauf sage ich Dir, daß gerade Tichatschek, bei der obstination seines wesens und der kleinheit seines Gehirnes, trotz seiner stimme überhaupt Vieles nicht herausbrachte, was viel unbemittelteren Sängern möglich war, wenn sie eben begreifen konnten, um was es sich handelt. In der Tannhäuserprobe, der ich in Weimar beiwohnte, hat der ganz invalide Götze stellen herausgebracht, und intentionen verständlich gemacht, die mir Tichatschek stets schuldig blieb. Dieser hat nämlich nur glanz oder milde in seiner stimme, nicht aber einen einzigen wahren Schmerzensaccent. Der hiesige Sänger des fliegenden Holländers hat mir bei weitem mehr geleistet, als der Dresdener und Berliner, trotzdem jene bessere stimmen hatten. - Versuche Du's nun auch mit Herrn Beck, und macht ihm dazu klar, um was es sich handelt. - Gelingt diese Stelle, so wird das Weimarer publikum erst sehen, was hier los ist! - (Noch eine technische bemerkung hierzu: - wenn in dieser Stelle der Sänger seiner sache sicher wird, so laß ihm das tempo frei, alle müssen mit ihm gehen, - er herrscht allein!) Soll eine Aufführung des Tannh. ganz vollendet sein, so müßte auch der letzte Schluß der Oper vollständig so gegeben werden, wie er in der neuen Ausgabe des Klavierauszuges steht, mit dem Gesange der jüngeren Pilger. - Doch nun genug hiervon! Dir wird der Kopf schon warm geworden sein! [...]" Zitatende [Sämtliche Briefe: Bd. 4: Briefe Mai 1851 bis September 1852, S. 648. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 10378 (vgl. Wagner-SB Bd. 4, S. 380)] Anmerkung: Die orthografischen Fehler der Originalschrift wurden nicht verbessert. |
Erst 1849 wurde der 'Tannhäuser' an einer Bühne außerhalb Dresdens aufgeführt.
Franz Liszt dirigierte das Werk in Weimar, 1853 brachte Kassel das Werk unter
der Leitung von Louis Spohr.
Es folgten 1855 Hannover und Karlsruhe (hier Leitung Eduard Devrient) und
München.
Dann 1856 Berlin und 1857 und 1859 Wien.
1861 kam es dann zur
Aufführung des 'Tannhäuser' in Paris, die von Napoléon III. befohlen worden
war.
Zitat Nach einer Rheinreise mit Minna, zu der Wagners Beziehungen höchst wechselvoll, aber doch fast immer bitter egoistisch sind, fährt er wieder nach Paris, wo die sehr einflußreiche Gattin des österreichischen Botschafters, die Fürstin Metternich, Kaiser Napoleon III. dazu gebracht hat, eine Aufführung des „Tannhäuser" in der Großen Oper anzuordnen. Deren Direktion unterrichtet Wagner, daß jedes hier gespielte Werk ein Ballett zu enthalten habe. Wagner fügt sich zähneknirschend und erweitert die Anfangsszene im unterirdischen Liebesreich der Venus zu einem „Bacchanal" (anstatt vielleicht den Einzug der Gäste auf die Wartburg im zweiten Akt zu einer großen höfischen Tanzszene auszubauen). Er ließ Albert Niemann, den besten deutschen Heldentenor jener Zeit, kommen, der die Titelrolle verkörpern sollte. Die Vorkommnisse um die Aufführungen im März 1861 sind als beschämendes Kapitel in die Operngeschichte eingegangen. Der von langer Hand vorbereitete Skandal machte es dem Dirigenten - es war der gleiche Kapellmeister Dietsch, dem man seinerzeit Wagners Textbuch zum „Fliegenden Holländer" zur Vertonung übergeben hatte - fast unmöglich, das Werk zu Ende zu führen. War es eine nationalistische Kundgebung? Ein Protest gegen „moderne" Musik? Eine Kundgebung gegen das eigene Regime, das diese Aufführungen angeordnet hatte? Oder einfach die Abneigung gegen ein Werk, das es sich erlaubte, das vorgeschriebene Ballett in die erste halbe Stunde zu verlegen, bevor die „vornehmen" Mitglieder des Jockey-Clubs zu Ende diniert hatten und im Theater erschienen waren? Die Sänger kämpften weiter, Niemann allerdings schleuderte einmal, auf dem Höhepunkt des Sturms, seinen Hut ins Parkett, was zu verdoppeltem Toben Anlaß gab. Nach drei derart schmachvollen Abenden zog Wagner das Werk zurück und reiste ab. Zitatende Kurt Pahlen - Die große Geschichte der Musik - in Zusammenarbeit mit Rosemarie König, Cormoran Verlag |
Ein Werk, das den Vorstellungen in seiner 1845-ger-Fassung aus Dresden dem
Pariser Theaterleuten schon bei der Planung der Produktion nicht gefiel.
Es musste geändert werden, die Theaterdirektion und das Publikum erwarteten
ein großes Ballett.
Zitat "Wirklich reizte mich sogar die Aufgabe, hier einer unverkennbaren Schwäche meiner früheren Partitur abzuhelfen, und ich entwarf einen ausführlichen Plan, nach welchem diese Scene im Venusberge zu einer großen Bedeutung erhoben werden sollte. Diesen Plan wies nun der Direktor entschieden zurück und entdeckte mir offen, es handele sich bei der Aufführung einer Oper nicht allein um ein Ballet, sondern namentlich darum, daß dieses Ballet in der Mitte des Theaterabends getanzt werde; denn erst um diese Zeit träten diejenigen Abonnenten, denen das Ballet fast ausschließlich angehöre, in ihre Logen, da sie erst sehr spät zu diniren pflegten; ein im Anfange ausgeführtes Ballet könne diesen daher nicht genügen, weil sie eben nie im ersten Akte zugegen wären. Diese und ähnliche Erklärungen wurden mir später auch vom Staatsminister selbst wiederholt, und von der Erfüllung der darin ausgesprochenen Bedingungen jede Möglichkeit eines guten Erfolges so bestimmt abhängig dargestellt, daß ich bereits auf das ganze Unternehmen verzichten zu müssen glaubte." Zitatende [Sämtliche Schriften und Dichtungen: Siebenter Band, S. 222. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 3290 (vgl. Wagner-SuD Bd. 7, S. 141)] |
Welche Mühe Richard Wagner zusätzlich hatte, Albert Niemann, dem Pariser
'Tannhäuser' die Rolle zu erklären und ihm die Angst vor der Rolle zu nehmen,
zeigt ein Brief an ihn:
Zitat An Albert Niemann in Paris Paris, Donnerstag, 21. Februar 1861 Ich bitte, lesen Sie die letzte Seite zu erst, und nach Belieben oder Stimmung lesen Sie dann von vorn, oder auch gar nicht! [...] Jetzt handelt es sich aber zunächst noch um diesen Pariser Tannhäuser. Was ich in diesem Bezug auf dem Herzen habe, kann ich Ihnen nicht verschweigen. - Zeigten Sie mir zwar gleich im Beginn an, dass Sie nicht gesonnen wären, Motivirungen Ihrer Auffassung meinerseits anzunehmen, so hoffte ich doch von Ihrer gesunden künstlerischen Empfänglichkeit, zur Verständigung über verschiedene Einzelheiten mit Ihnen zu gelangen. Trotz dem Sie sich in dieser Hinsicht sehr spröde erwiesen, durfte ich doch Hoffnung fassen, im Einzelnen hie und da einen Fingerzeig von Ihnen beachtet zu wissen. Ich ersehe nun, dass Sie, nach einem halbjährigen Zusammenwirken schliesslich einzig es darauf absehen, die von mir Ihrerseits erwartete Leistung ganz und gar auf das Niveau Ihrer bisherigen Leistungen in dieser Rolle zurückzuführen, und es scheint, dass Sie einzig hierin Beruhigung sich verschaffen zu können glauben. Meine warme Anerkennung auch dieser Leistung, soweit ich bisher auf sie schliessen konnte, habe ich Ihnen widerholt herzlich ausgedrückt, und Sie würden mir das höchste Unrecht thun, wenn Sie an der Aufrichtigkeit selbst meiner schmeichelhaftesten Versicherungen im Geringsten zweifeln wollten. Demohngeachtet habe ich erkannt, dass Ihre bisherige Leistung noch keine durchaus vollkommene war: sie war das Product eines immensen Talentes auf der Grundlage einer ersten jugendlichen Conzeption: diesem die Weihe der vollen künstlerischen Reife zu geben, war die Aufgabe, welche Ihnen während des langen Studium's dahier unter Mitwirkung des Autors vorbehalten war. Es war Ihnen vorbehalten, namentlich dem ersten und zweiten Acte noch die durchgängig richtige Auffassung zu geben, an Ihre Gesangsbildung, namentlich wo es auf Weiche ankommt, die vollendende Feile zu legen, und den glänzenden einzelnen Momenten die ergänzende Verbindung zu verschaffen. Ich hoffe, Sie erwidern mir hierauf nicht in dem, gerade Ihnen so übel stehenden Theaterjargon von Effecten und Knallstellen: ich würde Sie darauf gänzlich ohne Antwort lassen müssen. Einigermaassen auf diesen Sinn eingehend, halte ich jetzt aber für nöthig Ihnen Folgendes zu sagen. Dass es Ihnen möglich war, in Deutschland nur den dritten Act zu geben, deckt ganz von Selbst den schwachen Punkt Ihrer bisherigen Leistung auf. Selbst die allermittelmässigsten Sänger haben mit diesem dritten Akte noch verhältnissmässig zu effectuiren gewusst: das macht sich eben von selbst, wie früher die Wahnsinnsscene des Masaniello, wo auch jeder Tenorist nach etwas aussah. Ich sage dagegen, dass ich Ihnen diesen ganzen dritten Act schenke, wenn Sie mir das Finale des zweiten ordentlich bringen. Hier liegt die dramatische Catastrophe, und hier der Punkt, wo Tannhäuser das höchste Interesse in Anspruch nehmen und behaupten muss: fällt diess weg, so bleibt der glückende 3e Act nur noch ein Comödiantenstückchen, auf das ich gar nichts gebe, - und dann - ist es allerdings ganz richtig, wenn man die beiden ersten Acte sogleich ganz auslässt. Das wollen wir aber hier nicht! Und deswegen bleibe ich dabei: das Finale des II Actes vollständig, und zwar so bedeutend als Sie irgend können! Berufen Sie sich nicht darauf, dass ich die Adagio-Stelle Tichatscheck gestrichen habe: hätte ich Sie damals schon gehabt, so seien Sie versichert, dass ich sie nicht gekürzt hätte. Glauben Sie auch nicht, dass ich Tichatscheck die Stelle genommen hätte, weil sie etwa seine Stimme fatiguirt habe: im Gegentheil, was die blosse Stimme betrifft hätte Tich. mir noch sechs solche Stellen gebracht, denn je mehr und länger er im Zeuge war, desto ergiebiger und ausdauernder ward sein Organ, so dass ich Klagen, wie ich sie jetzt fortwährend von Ihnen, dem wahren Hercules an Kraft und Begabtheit höre, von Seiten Tichatschecks durchaus ungewohnt bin: weshalb ich ihnen denn auch keine rechte Beachtung beimessen kann. Der Fehler, der damals in Dresden diese so wichtige Stelle verdarb, war folgender: - ein Blick in die Partitur zeigt Ihnen, dass ich mit Tannh. zugleich das ganze Sänger-Ensemble mit fortsingen liess; diess deckte der Maassen, dass das Solo des Tannhäuser wie eine blosse Mittelstimme wirkte, die allerdings vielleicht sich dann noch hervorstechend gezeigt haben würde, wenn Tichatscheck der eigentliche tragische Schmerz im Ausdruck zur Disposition gestanden hätte: dass hier aber seine schwache Seite lag, wissen wir. Auf den glücklichen Einfall, das Ensemble auszulassen, und Tannh. allein singen zu lassen, kam ich damals noch nicht, sondern erst neuerdings bin ich auf diese richtige Wendung verfallen. Damals blieb mir nichts übrig, als die Stelle zu streichen, weil sie - mit dem Ensemblegesang vermischt, unklar blieb, und somit als eine ausdruckslose Länge erschien. Jetzt - wird auch Tichatscheck mit seinen alten Kräften die Stelle (als Solo) wieder singen. - Nun, die Bedeutung dieser Stelle haben Sie sehr wohl erkannt, und wissen nicht nur, welche grosse Wirkung daraus an und für sich zu ziehen ist, sondern auch von welcher Wichtigkeit sie für das ganze Tannhäuser-Interesse ist. Nur für Ihre Stimme sind Sie besorgt, und Ihre Aengstlichkeit vermehrt sich. Diess zu wiederlegen und Sie zu ermuthigen, erzählte ich Ihnen soeben noch einmal den ganzen Vorgang, und den Grund, warum ich sie damals strich, und jetzt sie auch für Tichatscheck wiederherstelle. Lassen Sie also diese Furcht fahren, und sehen Sie der Sache muthiger in's Auge. Denken Sie nicht an den dritten Act: der ist Ihnen sicher! Denken Sie nur an diess zweite Finale, und werfen Sie sich so ganz mit Leib und Seele hinein, als ob Sie nach diesem Finale nicht eine Note mehr zu singen hätten. Der Gewinn ist dann ein sicherer: im entscheidendsten Punkt der Oper, da - wo Alles aufs Äusserste gesteigert ist, und der geringste Laut mit athemloser Spannung aufgenommen wird, da - hier ist es, wo die Entscheidung des ganzen Abends fällt! Glauben Sie mir, und vertrauen Sie nur diess eine mal noch auf mich! Sie sollen in Ihrem Leben nie wieder von mir hören!! - Haben Sie das »pitié pour moi!« so herausgebracht, wie Sie es schon wiederholt mir zum Angehör gegeben haben, wie Sie's können und sollen, weil Sie's können, nämlich so, dass Einem die Haare zu Berge stehen und Allen das Herz erbebt, so ist Alles, Alles gewonnen, die unmittelbare Wirkung unermesslich, und Alles was folgt ist - Kinderspiel, denn der ungeheure Glaube ist dann da, den Sie selbst mit einem manquirenden Ton im 3en Acte, wenn er eintreten sollte, nicht mehr umzustossen im Stande sind. Lassen Sie aber das Hauptinteresse des zweiten Actschlusses (also in der Catastrophe) für Ihre Person fahren, so wird Ihnen der dritte Act nur noch als eine glänzende Episode angerechnet werden, die Leistung als Ganzes wird - instinctiv - aber als verfehlt gelten. (Erwidern Sie mir nicht mit Ihren bisherigen Erfolgen an den 2en u. 3en Theatern Deutschlands: dass Sie dort eben nur den 3en Act geben konnten, spricht für meine Ansicht!) Nochmals: - Singen Sie das 2e Finale, als ob Sie den Abend damit enden sollten - und, seien Sie versichert - gerade dann werden Sie erst den dritten Act mir ganz zu Dank singen. Mit einem Worte: Sie sind mir im dritten Acte viel zu frisch, zu sinnlich kräftig, und vergebens habe ich bis jetzt noch auf die Nüançen gewartet, die ich verlange. Ich will in diesem Auftritt keine sensuelle Stimmkraft-Äusserung: Alles in Ihrer Wiedergabe ist noch viel zu materiell. Ich müsste, um mit Ihnen Schritt zu gehen, mein ganzes Orchester bei Ihrem Auftritte um-instrumentiren. Alles ist hier auf eine gespenstische Tonlosigkeit berechnet, die allmählich sich nur bis zum Ausdruck rührender Weichheit erhebt. Die ganze Erzählung bis zur Ankunft in Rom wird von Ihnen zu sinnlich kräftig gegeben: so erzählt kein so eben vom Wahnsinn zu einer lichten viertel-Stunde erweckter, ein Wesen, dem der Begegnende scheu ausweicht, der seit Monaten kaum Nahrung zu sich nahm, und dessen Leben nur noch durch das Flämmchen einer wahnsinnigen Sehnsucht wach erhalten wird. Der päpstliche Bannspruch hat in Ihrem Munde eine Energie, die allerdings von niederschmetternder Wirkung ist: Sollte diese Energie, ihrem materiellen Gehalte nach, um einiges geschwächt sein, so würde die richtige Wirkung dadurch aber durchaus nicht verloren gehen, sondern, von dem gehörigen rhetorischen Vortrage hauptsächlich gestützt, erst recht noch die geeignete Wirkung machen. Nun, fern von mir sei es, hier gerade etwas anders zu wünschen; nur sagen wollte ich Ihnen, dass Sie um dieser Stelle willen nicht jene im 2en Finale opfern sollen. Und beweisen will ich Ihnen, dass mein Tannhäuser im 3en Acte etwas heiser selbst sein sollte, diess gerade gar kein Unglück sei, während ich es, im richtigen Sinne für ein Unglück halte, wenn Tannh. im 3en Acte durch materielle Hülfsmittel ein Interesse erst wieder herzustellen gezwungen wäre, welches er im entscheidenden 2en Acte verloren haben sollte. - Hören Sie noch was ich Ihnen über diesen dritten Act zu sagen habe. Während Sie alle Ihre früher gewohnten Spielmaniren, wenigstens stellenweise, in den Proben bisher immer stark marcirt, ja meist sogar drastisch ausgeführt haben, bin ich betrübt, Einiges, was ich Ihnen angegeben, noch nie genügend von Ihnen ausgeführt gesehen zu haben. Ich weiss nicht, werden Sie den Auftritt am Stabe so ausführen, wie ich Sie gebeten, oder nicht? Ich wiederhole Ihnen daher nochmals: führen Sie die Begleitung der Hörner bestimmt und plastisch aus: auf der letzten Note wie zusammenknickend. Ausserdem keinen Schritt. Diess wiederholt sich 4 mal: das letzte mal macht es die grauenhafteste Wirkung, wenn er dann sagt -: »Doch such' ich wen, der mir den Weg zum Venusberg zeige.« Verstehen Sie diess recht! Diess allein giebt Ihnen den ganzen Ton für den Auftritt an. »Schweig' mir von Rom!« nicht grell genug: - den ersten Theil der Erzählung haben Sie zu viel Kraft in der Stimme: nichts anders als rührende Weichheit - ohne alle Bitterkeit. Den zweimaligen Schluss in F-dur verfehlen Sie dadurch dass Sie nicht einen ganz regelmässigen Fall in das Diminuendo - p - etc. ausführen. »Um die Thräne zu versüssen, die einst mein Engel mir geweint« »Um meines Engels Thränen zu versüssen!« Da Sie so viel auf Effect halten, glauben Sie mir, Sie erzielen diesen hier nur durch das p, durch rührende, schmelzende Weichheit. Auch die Stelle im 1sten Acte, wo Sie die Phrase des Pilgerchores aufnehmen, ist zu hart, zu unmittelbar expressiv: weicher; zum Schluss wie in Thränen erstickend. - Sie sehen, mein Freund, ich gebe es noch nicht auf, Sie zu einiger Beachtung meiner Rathschläge zu bewegen. Meine ungeheure Meinung von dem, was Sie leisten, und zu leisten fähig sind, verfolgt Sie, vielleicht bis zur Belästigung für Sie. - Ihre jetzige Aufregung ist mir erklärlich: ohne diese tiefe Erregung, und sogar momentane Entmuthigung - kein rechter Siegeseifer, kein wahres Bewusstsein einer grossen Aufgabe. - Aber hüten wir uns diesen Zustand anhalten zu lassen, ja, ihm die Macht über unsre Kraft zu überlassen. Wer - zum Teufel! soll endlich kühn und wagend sein, wenn nicht Sie, mit einer Ausstattung der Natur, wie ich sie bisher nur geträumt, nicht aber für möglich gehalten habe? Mein Schicksal führt mir Sie zu - und im Momente des Erkennens soll ich Sie durch Einbildungen von Schwäche verlieren? Sie sahen mich bereit Ihnen Opfer zu bringen. Ich bedeute Ihnen mit grosser Zuversicht, Sie thaten Unrecht, den neuen Vers im Sängerkrieg nicht zu wagen: ein grosser Glanz, ein sehr nöthiges Moment geht dadurch verloren. Die Stelle im 2en Finale kann ich aber unmöglich Ihrer momentanen Muthlosigkeit opfern! Auch Ihnen, dem jungen, rüstigen Heros würde es eigenthümlich bedünken, wenn Sie nach Deutschland zurück kehren, und dort vom alten Tichatscheck die Wirkung dieser Stelle erfahren sollten: denn - dieser singt sie jetzt. Muth, Muth, Freund! Lassen Sie sich nicht von der Weichlichkeit packen, die Ihnen so übel steht! Führen Sie die Stelle in der Generalprobe mit aller Macht aus, und sehen wir dann den Effect auf Ihren dritten Act. Es ist diess die letzte Bitte, die ich als Autor an Sie ergehen lassen werde. Sie haben mir genug zu verstehen gegeben, und für meine fernere Zukunft - ich gestehe Ihnen diess - mich sehr schmerzlich auf Sie verzichten lassen. - 11 1/2 Uhr. So weit war ich, als Ihr Brief so eben an mich gelangte. Ich sehe bis auf welchen Punkt Sie angekommen sind. Sie sprechen gegen mich eine Sprache, die ich wirklich nur verstehe, wenn ich mich in die aller ersten Zeiten meiner mühvollen Laufbahn zurückversetze. Ich glaube Ihnen aber sagen zu können, dass Sie im Irrthum sind, wenn Sie von einer Blamage sprechen, der Sie sich ausgesetzt haben, und verwundre mich, wer Ihnen Boulevard-Gespräche zu Gehör gebracht haben soll. Zögernd frage ich mich, ob dieser Brief Ihnen noch etwas taugen, oder ob er nur verschlimmern könne. Ich will jedoch nicht plötzlich von meiner letzten Kunsthoffnung scheiden. Sie erfahren durch eben diesen Brief, welche ungeheure Meinung ich von Ihnen habe, und dieses sichere Innewerden muss Sie vor einem oberflächlichen Misverständnisse des Geistes, in dem ich mich an Sie wende, bewahren. In Einem Punkte nehme ich jedoch meine obigen Versicherungen zurück. Ich erkläre mich nämlich bereit, Ihnen die Stelle, um die es sich handelt, zu streichen. - Gewinnen Sie Ruhe! Schonen Sie sich, und - wenn Ihnen diess möglich sein sollte - gewinnen Sie eine Meinung von mir, die mir künftig etwas mehr Achtung Ihrer Seits zuwendet, als Sie mir in dem Tone Ihrer heutigen Zeilen bezeigen. - Seien Sie ruhig! Mit aufrichtigster Anerkennung Ihr Rich. Wagner." Zitatende [Sämtliche Briefe: Bd. 13: Briefe des Jahres 1861, S. 70. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 16235 (vgl. Wagner-SB Bd. 13, S. 60)] |
Wagner änderte den ersten Aufzug, die Szene Venus-Tannhäuser wurde erheblich
erweitert, er baute ein großes Ballett als Bacchanal in den ersten Aufzug ein.
Am 24. September 1860 begannen die Proben in der Großen Oper in Paris. Doch
Wagner erkrankte, musste das Bett hüten, die Proben wurden unterbrochen und
erst am 20. November 1860 fortgeführt.
Zitat "Fürst Metternich lud mich eines Tages ein, dem neuen Staatsminister, Grafen Walewsky, von ihm mich vorstellen zu lassen; dies geschah mit einiger Feierlichkeit, welche sich namentlich in der an mich gerichteten sehr persuasiven Rede des Grafen kundgab, als dieser mich davon zu überzeugen suchte, daß man durchaus meine Fortune wünsche und mir den größten Sukzeß zu bereiten gedenke: ich habe dies, so schloß er, in meinen Händen, sobald ich mich dazu entschlösse, dem zweiten Akte meiner Oper ein Ballett einzufügen; es solle sich hierbei nicht etwa um ein geringes handeln: es wurden mir die allerberühmtesten Tänzerinnen von Petersburg und London vorgeschlagen, unter denen ich nur wählen sollte; ihr Engagement sei sofort beschlossen, sobald ich ihrer Mitwirkung meinen Erfolg anvertrauen wollte." Zitatende [Richard Wagner: Mein Leben: Dritter Teil: 1850-1861, S. 407. Digitale Bibliothek Band 107: Richard Wagner: Werke, Schriften und Briefe, S. 32209 (vgl. Wagner-Leben, S. 643 |
Er ließ sich nicht beirren,
und warf sich auf die Ausführung der großen und exzentrischen Tanzszenen des
ersten Aufzuges.
Die Stimmung verfinsterte sich, die Theaterleitung wollte für das Ballett im
ersten Aufzug nicht 'einen Sou' bezahlen. Er musste einsehen, dass das ganze
Unternehmen unter keinem guten Stern stand, zumal Niemann, der einen Teil
seiner Gage in die Bestechung der Klaque gesteckt hatte, erfuhr, dass dieses
Geld verloren sei, denn Wagners Tannhäuser würde in jedem Falle untergehen.
Hierauf verfiel Niemann in eine tiefe Depression.
Der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax, der mit der Leitung der
Bühnenmusik offiziell betraut war, bot ihm zur Ergänzung des Orchesters sein
Saxaphon permanent an.
Der für die Leitung des Orchesters verpflichtete Dirigent war unfähig. Die
Sänger wurden zunehmend verunsichert, selbst die armen Mädchen des Balletts
fanden den Takt zu ihren trivialen Pas nicht mehr; und so glaubte er endlich
mit der Erklärung einschreiten zu müssen, dass die Oper eines anderen
Dirigenten bedürfe, sowie dass im Notfall er sich selbst anböte, seine Stelle
zu vertreten.
Dies wurde vom Orchester, die ihren Chef verunglimpft sahen, abgelehnt, obwohl
sie dessen Schwächen kannten.
Die Presse wütete wegen der Arroganz, so dass der Kaiser der Franzosen
eingriff und Wagner aufforderte, derartige Attacken zu unterlassen, es schade
ihm selbst im Endeffekt.
Der Erfolg war, dass alles sich gegen ihn verschwor. Die Herrschaften vom
Pariser Jockey-Club waren – wie erwartet und Richard Wagner vorausgesagt -
anfänglich garnicht anwesend. Die kamen, nachdem sie außer Haus zu Abend
gegessen hatten, erst zum zweiten Aufzug, weil sie gewöhnt waren, dass dann
ihre 'Mäuse' auftraten und entsprechend bejubelt werden konnten.
Der Skandal war - selbst für Pariser Verhältnisse - enorm, Wagner zog die
Partitur zurück.
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Und im Graben stand einer, den der bei der Aufführung anwesende Hans von Bülow als "eines der schäbigsten Rindviehe" bezeichnete, in den ihm umtosenden Geschrei, Geheule und Gepfeife, der die Vorstellung nicht abbrach, das Orchester trotz des Tumultes bis zum letzten Akkord dirigierte.
Sohn Siegfried Wagner
bereitete das Werk für die Saison 1930 in Bayreuth vor.
Als er für die zweite Aufführung seines 'Schmied von Marienburg' am 23. Juni
1929 nach Braunschweig reiste, hatte er mit dem Rollenstudium für 'Tannhäuser'
begonnen.
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Schon 1927 wollte er den Tannhäuser in Bayreuth zeigen, wobei er sich für die
Pariser Fassung entschied.
Später äußerte er sich in einem Gespräch, das auch im Rundfunk gesendet wurde,
wie folgt:
Zitat "Dieses Werk lag meinem Vater am meisten am Herzen, und er selbst erlebte eigentlich nie eine Aufführung, die ihn ganz befriedigte. Vor allem war für die damaligen Ballettbegriffe das große Bacchanal eine ungelöste Aufgabe. Als er dem Pariser Ballettmeister seine Idee klarlegte, antwortete dieser, er verstehe zwar, was der Meister wolle, aber das sei unmöglich. [...] Über die neue Fassung des Tannhäuser herrscht merkwürdigerweise auch jetzt noch vielfach Unklarheit. Man nennt die 1. Fassung den deutschen Tannhäuser, die zweite den französischen, und meint Deutscher zu sein, wenn man der ersten Fassung den Vorzug gibt, - und begründet es damit, die 2. Ausgabe sei eine Konzession für Paris. Wenn ein Mann wie mein Vater überhaupt fähig gewesen wäre, Konzessionen zu machen, um sich beim Publikum und Presse einzuschmeicheln, hätte er doch den dringenden Wunsch des eleganten Logenpublikums erfüllt und im 2. Akt das unumgänglich nötige Ballett eingefügt, ohne das jene nicht leben zu können glauben. Was meinen Vater zu der zweiten großen Fassung der Venusbergszene bewog, war nicht die Große Oper, sondern die Erkenntnis, daß er damals, als er den Tannhäuser komponierte, für eine Szene wie diese, für eine Heraufbeschwörung der Antike, technisch noch nicht reif war. Zu dieser Heraufbeschwörung mußte er die Tristantechnik sich erworben haben, Ich möchte sagen, es fehlten auf der Palette die tizianisch-rubensschen Farben. Allerdings kann man mit Recht sagen, dadurch seien gewissermaßen zwei Stile im Tannhäuser vereinigt, der üppige Rubensstil und der strenge Holbeinstil des übrigen Werkes. Doch dies ist zu rechtfertigen aus der Dichtung. Frau Venus und ihr phantastisches Reich will andere Farben als das ruhige, harmlose Wartburgtal, und so ist diese scheinbare Stilverworrenheit aus dem Dichterischen bedingt und gerechtfertigt. Kleinere Bühnen allerdings, das gebe ich zu, tun leichter, die erste Fassung auszuführen. Denn das große Bacchanal erfordert ein großes Ballett, wie es sich nur die großen Bühnen leisten können. Und er hatte hinzugefügt: »Was den Grundcharakter unserer Aufführungen anbelangt, so werden wir unseren Grundsätzen treu bleiben. Das Gute aller neuen Errungenschaften haben wir stets berücksichtigt und in Anwendung gebracht. Für gewisse hypermoderne Moden ist Bayreuth nicht da, das widerspräche dem Stile der Werke, die ja nicht kubistisch-expressionistisch-dadaistisch gedichtet und komponiert sind." Zitatende Peter Pachl - 'Siegfried Wagner - Genie im Schatten' - 1988 - Langen-Müller-Verlag - Seite 415 |
Bemerkungen zu
'Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg'
oder
'Ringelpiez in
Oberfranken'
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Einige Bemerkungen aus den Medien
Zitat Jenseits von allen Regieeinfällen – manche flüsterten in den Pausen „Mätzchen“ – ist es natürlich kompliziert, wenn man ganz nonchalant beim „Tannhäuser“ komplett auf das religiöse Motiv (nein, die kinoplakative Golgatha-Malerei lassen wir nicht gelten) und eben die Liebe verzichtet. Im ersten, rasanten Akt geht das noch, an seinem Ende und spätestens im zweiten nicht mehr.
Ab da beginnen sich Fragen aufzutürmen,
die Kratzer nicht mehr auflösen kann: Warum sind die Pilger die Bayreuther
Festspielgesellschaft? Ist das Festspielhaus Rom? Wer erteilt dann
Tannhäuser (k)eine Erlösung? Wir alle? Katharina? Richard, er selbst? Was
genau will Elisabeth von Tannhäuser? Rache? Liebe jedenfalls ist da nicht.
Zitatende |
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Zitat Die Story beginnt mit einem Video, Luftaufnahme der Wartburg, dann im Drohnenflug über Thüringens Wälder. Ein alter Citroën-Bus taucht auf, ein Varieté-Theater auf Tour, eine ziemlich bunte Truppe, ziemlich gut drauf. Venus leitet die Companie. Mit an Bord sind eine schwarze, prachtvolle Drag-Queen, ein Kleinwüchsiger mit Trommel und ein trauriger Clown namens Tannhäuser. Drei Sätze aus den Flugblättern des jungen Richard Wagner haben sie sich auf die Fahnen geschrieben, drei Sätze aus der Zeit, als der Hofkapellmeister ein steckbrieflich gesuchter, anarchistischer Barrikadenkämpfer war: "Frei im Wollen, frei im Thun, frei im Genießen." Und so leben sie auch, anarchische Spontis, unangepasst, kreativ – aber auch kriminell und gewalttätig: Als ihre Dieberei in einem Burger King auffliegt, fährt Venus einen Polizisten um, der sich ihrem Bus in den Weg stellt.
Das alles passiert während der
Ouvertüre. Und in rasantem Tempo geht's weiter: Tannhäuser will dieses
Leben nicht mehr mitmachen. Schließlich war er früher mal ernsthafter
Künstler, sogar Wagner-Tenor. Also sagt er sich von Venus und ihrer
Sponti-Truppe los. Der Pilgerchor, als exakte Kopie des
Festspielpublikums, führt ihn nach Bayreuth auf den Grünen Hügel.
Tannhäusers Sängerkollegen überreden ihn, wieder bei der Hochkultur
mitzumachen. |
Zitat Jürgen Liebing erklärt nach der Premiere im Deutschlandfunk Kultur, dass er eher zu den Kritikern dieser Aufführung gehöre. In dieser Inszenierung wird das Festspielhaus selbst zur Wartburg, wie Liebing berichtet. Und der Zwerg Oskar Matzerath aus dem Roman „Die Blechtrommel“ von Günter Grass entert gemeinsam mit einer Drag-Queen dieses Festspielhaus – und am Ende stürmt sogar die Polizei die Bühne, sprich das Festspielhaus, sprich die Wartburg. Dabei wird viel mit Videos gearbeitet. Dazu erklärt Jürgen Liebing: „Es ist ein bisschen trashig.“
Und gerade diese Präsenz der
Videoprojektionen stellt für unseren Kritiker einen weiteren Minuspunkt
dar. Es mache ihn einfach misstrauisch, wenn nicht auf die Kraft der Musik
und auf die Mittel der Oper vertraut und stattdessen mit Videos gearbeitet
werde, sagt Jürgen Liebing.
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Wagner-Klamauk, der kaum
berührt:
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Zittat
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Zitat «Schande»: Travestiekünstler kritisiert Bayreuther Publikum
Er erinnerte in seinem Post an Grace
Bumbry, die «schwarze Venus». Die schwarze Opernsängerin stand 1961 in
Bayreuth auf der Bühne. «Ich stand gestern nacht auf ihren Schultern»,
schrieb der Künstler auf Facebook. «Um stolz das weiterzutragen, was
wirklich keine Provokation sein sollte.» Er richtete seinen Post an das
«liebe Bayreuth» und fragte zum Schluss: «Die Frage ist also, «Pilger»,
was genau buht Ihr da aus? Welch elende Schande. » |
Zitat
https://www.neuepresse.de/Nachrichten/Kultur[EJebersicht/Tannhaeuser-BayreutherFestsojele-Premjere |
Zitat "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen: Selten so gelacht!
Zitatende
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Zitat
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Letzte Meldungen
Zitat Dem Magazin „Cicero“
sagte Sarrazin, er habe in seinen Büchern wichtige gesellschaftliche
Fragen aufgegriffen. Hätte sich die SPD damals auch um diese Fragen
gekümmert, dann wäre sie noch immer die größte Arbeiterpartei. Zur
Gründung der AfD wäre es wahrscheinlich gar nicht gekommen, meinte er.
Zitat Soll die SPD sich zu
allem anderen jetzt auch noch eine neue Sarrazin-Diskussion ans Bein
binden? Das würde der Partei inhaltlich kein bisschen weiterhelfen, meint
Arno Orzessek. Zudem sei Sarrazins Position zwar angreifbar, aber nicht
verfassungswidrig. |
Schlussbemerkung
Diese Mitteilung, die
Nr. 26, ist recht politisch geraten und das kann uns nicht wundern in
Anbetracht der zu lösenden Probleme:
- Klimawandel
- Gewässerverschmutzung, Luftverschmutzung, Tierquälerei
- Überbevölkerung
- Flüchtlingselend
- Bildungsnotstand
- Verrohung
- Kriege
- religiöser Fanatismus
- Korruption
Noch gibt es in
Deutschland friedliche Gegenden, wo wir in Wohlstand leben und uns an unserer
reichen Musikkultur erfreuen können.
Klassische Orchesterkonzerte und Kammermusik sind gut besucht, oft
ausverkauft.
Berühmte Instrumentalisten, aber auch der aufstrebende Nachwuchs werden
gefördert und ihnen wird applaudiert.
Jedes Schloss, jeder Klosterhof und manch ländliche Scheune hat ihr Festival.
Opern open air - wie im Park hinter dem Rathaus in Hannover.
Binnen Stunden sind die Plätze verkauft und tausende lauschen auf Decken und
Kissen.
Auf der Bühne ein Minimum an Ausstattung.
Ein Sessel, ein Tisch - eine Marienfigur.
Und in den festen Opernhäusern ein Bombast an dreidimensionalen
Bühnenaufbauten, die in den meisten Fällen nichts mit dem Stück zu tun haben,
für deren Installation die Häuser aber tagelang geschlossen werden müssen.
In Vorführungen von Performances – nicht mehr nur mehr der alternativen Szene
– werden Werke der Klassik in ’neuen’ Theaterformen versucht.
Hier baut man auf ein unbedarftes Publikum, das die Stücke nicht kennt und dem
man jeden Schmarrn vorsetzen kann.
Siehe Hannover mit 'Freischütz',
'Aida', Verkaufte Braut' und jetzt in Bayreuth der 'Tannhäuser'.
Schlimm wird es aber, wenn klassische Werke angeblich neu interpretiert - in
Wirklichkeit - verfälscht - werden, man das Publikum betrügt, bis es nicht
mehr ins Theater geht.
Die Kosten der leeren Häuser aber zu Lasten der Steuerzahler weiterlaufen.
Natürlich soll die Kunst frei sein, aber im Artikel fünf setzt das kluge
deutsche Grundgesetz über das Recht der Meinungsäußerung, Medienfreiheit,
Kunst- und Wissenschaftsfreiheit durch Absatz 2 Grenzen, die von Intendanten
und Regisseuren viel zu oft verletzt werden, wenn heißt:
'Diese Rechte
finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetzte, den
gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Jugend und in dem Recht der
persönlichen Ehre.'
Eine Inszenierung ist nun mal eine Meinungsäußerung des Regisseurs und der
Theaterleitung.
Sie fällt damit unter das Recht der freien Meinung, wenn sie nicht gegen
sonstige Bestimmungen der Gesetzgebung und der Rechtsprechung verstößt.
ML Gilles
Impressum
erscheint als nichtkommerzielles Beiblatt zu
- ausgezeichnet mit dem Kulturförderpreis der Stadt
Regensburg -
kulturjournal.de -
Holzländestraße 6 - 93047 Regensburg
Ersterscheinung der Ausgabe Regensburg am 27.07.2007
Erscheinungsweise: kulturjournal-regensburg zehn Mal pro Jahr von Februar bis
August und Oktober bis Dezember
Verteilung Regensburg:
Direktversand, Hotels, Theater, Galerien, Veranstaltungsorte, Tourist-Info,
Bahnhöfe
Verteilung Hannover u.a.:
Direktversand an ausgewählte Leserschaft - wie Mitglieder der
Bürgerinitiative-Opernintendanz.de
Niedersächsischer Landesrechnungshof,
Niedersächsische Landesregierung,
Politische Parteien im Nds. Landtag,
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover,
Bund der Steuerzahler,
Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger,
Richard-Wagner-Vereine,
Feuilletons von Tageszeitungen
RA Frank Wahner, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Hannover
Wir verstehen diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der
Kritik willen, sondern als Hinweis auf - nach unserer Auffassung - Geglücktes
oder Misslungenes. Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes
und Satire. Hierfür nehmen wir den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz,
in Anspruch.
Wir benutzen Informationen, hauptsächlich aus eigenen Unterlagen, aus dem
Internet u.a. Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Museums, der
Preußen-Chronik, Wikipedia u.ä..
Texte werden paraphrasiert wiedergegeben oder als Zitate kenntlich gemacht.
Fotos wurden Buch- und CD-Einbänden entnommen.
Texte zu ’Was andere schrieben’ wurden der Zeitschrift ’Oper und Tanz’ –
Regensburg entnommen.
Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichten wir meist auf
Differenzierung und geschlechtsneutrale Formulierung. Entsprechende Begriffe
gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die
verkürzte Sprachform hat redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.