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 Theater
Regensburg
    19.01.2006

'Maria Magdalena'

 Schauspiel in drei Akten
 von Friedrich Hebbel

'La Dame blanche'
 
   
         
 
 

 

 

 
     

 

     
 

   

 
 
 

   Christine Enghaus    

           Friedrich Hebbel  
 
 

Die legendäre Hilde Krahl als 'Klara'

 
Neben Richard Wagner und Giuseppe Verdi wurden im Jahr 1813 auch drei Dramatiker des deutschsprachigen Raums geboren:
Grabbe, Hebbel und Büchner – sie vertraten nach der Romantik in der deutschen Literatur, den poetischen Realismus, den Bühnenrealismus und das politische Drama.

Christian Dietrich Grabbe (1801-1837) war noch beeinflusst vom 'Sturm und Drang', der Realistik und der Romantik; Otto Ludwig (1813-1865) strebte einen 'poetischen Realismus' an und erst Friedrich Hebbel (1813-1863) zwischen Klassik und Realismus, wurde der große Analytiker der Wirklichkeit, der unerbittliche Problem-Dramatiker des 19. Jahrhunderts.
Georg Büchner (1813-1837) war der politisch, gesellschaftskritischen Dramatik zugewandt.

Am 10. März 1842 begann Hebbel mit der Arbeit an seinem Schauspiel 'Maria Magdalena', das er
am 4. Dezember des gleichen Jahres in Paris abschloss. Unmittelaber danach verfasste er zu
diesem Werk ein Vorwort, das mit der ’Maria Magdalena’ im Herbst 1844 erschien.

Entstanden ist das bürgerliche Trauerspiel eigentlich in Großbritannien - dies geht zurück bis in das Elisabethanische Theater als 'domestic tragey', hier werden Stoffe aus dem adligen und bürgerlichen Alltagslebens tragisch behandelt: postiver Hinweis auf die Tugenden, die dem Kanon des frühkapitalistischen protestantischen Bürgertums entsprechen:
Fleiß, Ehrlichkeit, Anständigkeit, Gottesfurcht, Nächstenliebe - so wie Hebbel die Figur des 'Meister Anton' in 'Maria Magdalena' anlegt.

Hebbel meinte jedoch, im Lauf der Entwicklung sei das bürgerliche Trauerspiel in Misskredit geraten, weil es nicht aus seinem inneren, seiner schroffen Geschlossenheit alle Dialektik unfähiger Individuen in einem beschränkten Kreis in schrecklicher Gebundenheit des Lebens in der Einseitigkeit sich Gegenüberstehender aufgebaut sei, sondern beladen sei mit allerlei Äußerlichkeiten z.B. aus dem Mangel an Geld bei Überfluss an Hunger, vor allem aber aus dem Zusammenstoßen des dritten Standes mit dem zweiten und mit dem ersten in Liebesaffairen wie 'Emilia Galotti' oder 'Kabale und Liebe' und somit "zusammen geflickt" sei. Außerdem gehe aus diesem nur Trauriges, aber nichts Tragisches hervor

Seine 'Maria Magdalena' aber sei aus eigenen spezifischen Momenten der bürgerlichen Welt heraus mit den einfachsten Mitteln geschaffen und eben nicht aus dem Zusammenstoß der bürgerlichen Welt mit höheren Ständen.
Beeinflusst ist das Werk vor allem aus den im 19. Jahrhundert verbreiteten Regeln und
Auffassungen einer patriarchalischen Welt und deren Unfähigkeit, sich in verwickelten Lagen zu helfen mit dem Untertitel:
"Durch Dulden tun: Idee des Weibes".

Grundsätzlich war Hebbel der Auffassung, die Poesie sei nicht wie bisher angenommen:
Spiegel des Jahrhunderts und Bewegung der Menschheit im Allgemeinen,
sondern sie solle:
Spiegel des Tags, ja der Stunde werden.

Das Drama böte hier am allerwenigsten, da es nur Amusement sei und die Zuschauer am nächsten Tag ohne Rührung und Betroffenheit durch die Vorstellung des Vorabends am nächsten tag wieder ihren normalen Arbeiten nachgingen, kein Nachlang das Denken und fühlen derer, die dabei waren beherrsche.

Sehr deutlich geht Hebbel mit den Virtuosen der damaligen Zeit ins Gericht - zu denen auch Emil Devrient, von Bruder Eduard deswegen heftig kritisiert , dagegen von von Lüttichau als Intendanten der Dresdener Hofoper als Kassenfüller gepriesen - zählte, die nur durch ihren Vortrag der Werke
die größtmögliche Wirkung erzielten. Die Parallelität zur Opera seria auch noch des ausgehenden 18. Jahrhunderts mit dem Canon an bühnenwirksamen Bewegungen und Gesten, mit denen die Abläufe des Werkes befrachtet  wurden, um der Virtuosität der SängerInnenn den Rahmen zu bieten, ist überdeutlich.

So habe nach Meinung eines Schauspielers  der 'Poet' dem 'Künstler' nur ein Scenarium zu liefern, "welches dann durch diesen extemporierend auszuführen sei.“

Diese Einstellung ähnelt sehr der heuten Auffassung von 'Spielleitern', wonach jedwedes Werk als 'Steinbruch' für deren Inszenierungskunststückchen – auch mit dem Begriff Regietheater kaschiert – verwendet werden soll.

 
 

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  Hebbel bemühte sich lange Zeit um eine Aufführung seiner am 4. Dezember 1843 fertiggestellten 'Maria Magdalena' - das Hoftheater in Berlin lehnte ab, Klara werde als Schwangere gezeigt. Wie
sehr sich dieses 'Manko' einer sich 'in anderen Umständen' befindlichen Frau bereits innerhalb von
30 Jahren änderte, zeigt die Uraufführung der Walküre 1876 in Bayreuth als Brünnhildes Text: "Den hehrsten Helden der Welt, trägst du o Weib im schirmenden Schoß" keinen Anstoß mehr erregte.
1846 nahm Königsberg das Stück an, ließ aber Hebbel's Maria eine Farce unmittelbar folgen, um
das Publikum nicht mit einem Problemstück in die Nacht zu entlassen.
Im Oktober 1846 folgte Leipzig - ohne humorigen Appendix, das Publikum verließ das Theater in heller Verzweiflung als der Vorhang gefallen war. - und erst 1848 nahm 'die Burg' das bürgerliche Trauerspiel auf den Spielplan.
Christine Enghof wurde 26. Mai 1846 Hebbels Gattin. Sie war eine der gefeiertsten
Schauspielerinnen des Jahrhunderts.
Als 7-Jährige tanzte sie im Kinderballett des Hoftheaters ihrer Heimatstadt Braunschweig, bereits
als 20-Jährige spielte sie die 'Jungfrau von Orleans' in Bremen und ging mit 23 Jahren über
Hamburg mit einem lebenslangen Vertrag und einer Gage von 5000 Gulden jährlich an 'die Burg' nach Wien.
1848 spielte Christine Enghof-Hebbel am Burgtheater 'die Klara'.
Von da ab wurde 'Maria Magdalena' zu Hebbels meistgespieltem Werk.

1938 - Käthe Gold: 'Klara', Bernhard Minetti: 'Leonhard', Regie Jürgen Fehling.
1949 - Joana Maria Gorwin 'Klara' unter Fehling,
1966 - in der Regie von Fritz Kortner, der 'Tischlermeister Anton' durch Carl Raddatz
und
2007 - Manfred Zapatka als Meister Anton am Hamburger Schauspielhaus

 
   
   
 

 

 

 


 Theater Regensburg  19.01.2007

'Maria Magdalena'
 

 
     
  Die Schwarzen      
         
  Inszenierung   Petra Wüllenweber  
  Bühne   Frank Lichtenberg  
  Kostüme   Susanne Ellinghaus  
  Licht   Martin Stevens  
  Dramaturgie   Friederike Bernau  
         
 


Die Personen und ihre Darsteller, der am 19.01. 2007 besuchten Vorstellung
gemäß Besetzungszettel als Beilage zum Programmheft

 
         
  Meister Anton, ein Tischler   Florian Münzer  
  Seine Frau   Martina Mann  
  Klara, seine Tochter   Anna Dörnte  
  Karl, sein Sohn   Stefan Bräuler  
  Leonhard   Valentin Stroh  
  Ein Sekretär   Steffen Casimir Roczek  
  Wolfram, ein Kaufmann   Michael Heuberger  
  Adam, Gerichtsdiener   Hubert Schedlbauer  
         
     
 
 
     
  Auszüge aus der Internetseite www.theaterregensburg.de

Valentin Stroh ist seit Beginn der Spielzeit 2003/2004 am Regensburger Theater engagiert.
Wichtige Rollen in Regensburg waren u.a. in
- Hamlet
- Schweig, Bub! (Bub)
- Popcorn (Wayne)
- Peer Gynt (Peer Gynt)
- Loriots bürgerliches Welttheater
- Bungee jumping (Roland)
- Amadeus (Mozart)
- Robinson & Crusoe (1. Mann)
- Don Camillo und Peppone (Mariolino)

In dieser Spielzeit wird Valentin Stroh u.a. zu sehen sein in
- Alpenglühen (Der Junge)
- Robinson & Crusoe (1. Mann)
- Maria Magdalena (Leonhard)

Steffen Casimir Roczek beginnt mit der Spielzeit 2006/2007 sein Engagement in Regensburg.
Er wird u.a. zu sehen sein in
- Die Goldberg-Variationen (Masch)
- Maria Magdalena (Sekretär)
- Kleiner Mann, was nun? (Pinneberg)

Florian Münzer kommt mit Beginn der Spielzeit 2006/2007 neu in das Regensburger Ensemble.
Er wird in dieser Spielzeit u.a. zu sehen sein in
- Alpenglühen (Der Blinde)
- Maria Magdalena (Meister Anton)

Seit dieser Spielzeit ist Martina Mann in Regensburg engagiert.
Sie wird u.a. zu sehen sein in
- Die Physiker (Oberschwester Marta Boll)
- Die Goldberg-Variationen (Mrs. Mopp)
- Maria Magdalena (Frau von Meister Anton)
- Kleiner Mann, was nun?

In dieser Spielzeit ist Anna Dörnte u.a. zu sehen in
- Die Physiker (Krankenschwester Monika Stettler)
- Die Kuh Rosmarie
- Die Goldberg-Variationen (Ernestina van Veen)
- Der Weibsteufel (Das Weib)

Wichtige Rollen in Regensburg waren u.a. in
-  Peer Gynt (Solvejg)
-  Mutter Courage (Kattrin)
-  Das Dschungelbuch (Mogli)
-  Der Weibsteufel (Das Weib)
-  Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Karin)
-  Die Kuh Rosmarie

 
 
 


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Umschrift der TVA-Sendung vom 18.1.2007

Sprecher
Maria Magdalena
'Petra Wüllenberger inszeniert
Hebbels Trauerspiel im Velodrom'

Er litt an Hunger und Armut. Als Student ging er sogar zu Fuß von München nach Hamburg. Liest man die Tagebücher von Friedrich Hebbel, so gewinnt man Einblick in ein düsteres und harte Leben.
Im Jahre 1842 erhielt der dänische Staatsbürger vom König ein Reisestipendium. In dieser Zeit entsteht das Trauerspiel 'Maria Magdalena'.

Mit diesem Stück legte Hebbel den Grundstein zu einem ganz neuen, bis jetzt noch nicht dagewesenen Drama.

Sprecher
Ein weißes Kleid, es erinnert an Unschuld und Leichtigkeit, doch der Schein trügt. In Hebbels Drama dreht sich alles um Schuld, Krankheit und Katastrophe.
Es geht um die Tragik von Menschen, die versuchen die Grenzen ihrer Denksystem zu überwinden.

(Im Untertitel: Regisseurin Petra Wüllenberger)
O-Ton

Ja es geht halt dadrum, dass Menschen in ihren Mustern gefangen sind und (em), dass sie versuchen, mit ihrem Muster zu entsprechen oder dem, was andere von ihnen erwarten und (em) das spiegelt sich da ganz gut drin.

Sprecher
Im Mittelpunkt steht die junge Frau Klara.
Sie erwartet von Leonhard ein Kind, er verlässt sie, als er erfährt, dass Klara keine große Mitgift mehr zu erwarten hat.

Klara hat eine namenlose Angst vor dem Gerede der Leute, aber vor allem vor der Verdammung des Vaters, denn in dieser Zeit wäre es eine große Schande, ein uneheliches Kind zu bekommen.
Der Titel 'Maria Magdalena erinnert an die Büßerin aus der Bibel.
Ist das ein
versteckter Hinweis auf Klara oder ein Ablenkungsmanöver.

O-Ton Wüllenweber
Dem Hebbel selber ging's garnicht um was Religiöses (em) es, es war wirklich nur ein Marketingtrick im Endeeffekt, weil es zum damaligen Zeitpunkt unmöglich war, dass eine Hauptrolle (em), die unehelich schwanger ist (em) im Mittelpunkt steht und deswegen hat man sich dieses Tricks bewendet - dass es dann doch möglich ist, aber es wäre falsch, zu sagen, er hat es religiös ausgerichtet.

Sprecher
Meiser Anton hat die Werte der damaligen Zeit perfekt verinnerlicht. er personifiziert die starrsinnige Gerechtigkeit,  die das Kleinbürgertum an den Tag legt.
Seine Familie fällt seinem Starrsinn zum Opfer.
Das sozial kritische Thema übt seit jeher eine große Faszination auf Regisseure aus.

O-Ton Wüllenweber
Ja, die hat damit zu tun, dass - obwohl es ein Klassiker ist - dass es sehr aktuell ist, es gibt Themen, die da drin sind, die uns heute genauso beschäftigen und es ist gleichzeitg mit 'ner Sprache, die da drin ist, die sehr spannend ist und sehr, sehr guter Figurenführung hat man nun auch als Regisseurin Lust, sich in dieser Arbeit da reinzubegeben.

Sprecher
Maria Magdalena feiert am 19. Januar um 19.30 Uhr Premiere im Velodrom.
Achten Sie mal darauf, ob Ihnen am Ende des Stückes nicht dieselben Worte auf den Lippen liegen wie dem Hauptdarsteller "ich verstehe die Welt nicht mehr!"

 
 
 

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Grandiose Fehlbesetzungen

 
     
  Gerade die letzten Worte des Tischlermeisters Anton dokumentieren das Seelenlose dieser Produktion.
"Ich verstehe die Welt nicht mehr" – wie er das sagt, ohne das Unverständnis in der Stimme, ohne Entsetzen über die tote Tochter oder den das Elternhaus, den Vater fliehenden Sohn – da versteht der Zuschauer die Welt nicht mehr.
Der fragt sich, was hat
Petra Wüllenweber - (TVA behauptet, die Dame heiße Wüllenberger. Bei einem TV-Bericht aus dem renommierten Esser/Oschmann-Konzern sollte wenigstens der Name stimmen) - als Regisseurin da veranstaltet.
In ihrer Arroganz als Regisseurin streicht sie den Text zusammen auf einen Bruchteil des Gesamtwerkes, verfälscht sie die Figuren - warum und mit welchem Recht - füllt die Produktion auf mit 'stummer Jule', ergänzt mit Musik- und Lichtspielereien und klammert sich an ein 'an den Haaren' herbeigezogenes Bühnenbild.

Durch das Zusammenfassen auf die wüllenweber'sche einaktige Fassung ist beispielsweise vor der Beerdigung auch nach der Beerdigung der Mutter - obwohl die Entwicklung des Stücks etwas anderes vorgibt.

Das Unverständnis im Publikum wird durch die Kostüme von
Susanne Ellinghaus noch verstärkt, die auch in ihrer Einheitlichkeit für alle Szenen herhalten müssen, ob nun in denen am Sonntag oder was dann in der Woche am Donnerstag spielt. Das erinnert stark an die uniforme Kostümierung der 'Zachanassian' und der 'Elisabeth 1' in den Produktionen des Herrn Oberspielleiters.

Unruhe im zu ¾ gefüllten Velodrom - unter ihnen Johannes Schaidinger nebst Gattin und der Herr Theaterdirektor mit Frau Gemahlin im Geleit - unmotiviertes Gelächter, Rumgerutsche pubertierender Gören – kein Zeichen von Spannung oder Verständnis für das Geschehen auf der Bühne.


Es ist unstatthaft, ein Stück mit dem Elend der Frau im 19. Jahrhundert mittels Oberflächlichkeiten herauszulösen, um gemäß dem Motto: da 'hab’ ich etwas Eigenes' auf die Bühne zu bringen.
Bild, Kostüme und Sprache der Darsteller vermitteln nur den Eindruck eines auswendig heruntergesagten Textes.
Das Gejohle am Ende des Abends dokumentierte Einreichkarten und "wir spielen für uns Kollegen".

Martina Mann – eher die Schwester der 'Klara', denn die Mutter - hat nichts von einer im Ehejoch gequälten Kreatur, im Hochzeitskleid schreitet sie über den Text hinaus an jenem Sonntag auf den auf sie zukommenden Tod zu. Nichts ist zu spüren von einer Tischlermeistersgattin, die Rücksicht nehmen muss auf den Ehemann, der mit seinen Vorstellungen von rechtem Leben, angeblich das Haus tyrannisiert und die dann als Tote, ohne das Oberteil des Kleides füllend, brautmäßig gewandet, als 'weiße Dame' durch die Szenen geistert.
Eine Fehlbesetzung – gemessen am Alter der Tochter und des Sohnes wie auch des Ehemannes und Vaters, von dem die Kinder stammen sollen, die Rolle wäre hier mit Frau Dubiel als Mutter besser besetzt. Diese hätte dann auch die Möglichkeit gehabt, mal andere Farben zu zeigen als die der 'Tödin', der 'Courage' oder des 'Fräulein von Zahnt' – oder auch der 'Frau Marte',  durch die Szenen zu stöckeln. Nein, es musste Frau Mann sein, die mit ihrer Darstellung der Mutter völlig daneben lag.

Nun, der Herr Theaterdirektor versteht ja so viel vom Theater.

'Meister Anton' von
Florian Münzer – aus dem Reservoir des Theaters Ingolstadt – ein gemütlicher, freundlicher Väterspieler, ohne dass er die auf Prinzipien beruhende Herrschsucht aufzeigen könnte. In seinem 'Sonntags-Nachmittags-vor-der-Tür-steh'-Anzug' macht er den Eindruck eines zu Geld gekommenen Fenster- und Türen-Großherstellers à la Schörghuber – nicht aber den eines kleinen Schreinermeisters vom Land, der Angst vor dem Gerede der Leute hat.
Nie und nimmer nimmt man ihm gerade das ab, wenn er auch mal poltert.
Und dann – sichtbar vor allem Volk zur Schau gestellt, die Nistkästen für Meisen und Stare oder sonstiges Gevögel – davon lebt die Familie angeblich und dann er, der Meister in dem ’kauf-was-Gutes-kauf-bei-Hirmer-Anzug’ – "never, never"!

Voller Saft und Kraft – wie immer, ob als 'Bote' in der 'Orestie' oder als 'Ruprecht', damit wohl aber auch schon am Ende seiner Entwicklung –
Stefan Bräuler, der Bruder 'Karl'.
Dieser Typ klaut keinen Schmuck, kracht sich lieber in Kneipen, haut den Stechbeitel in die Hobelbank, nuckelt an der Schnapspulle, die völlig unmotiviert plötzlich griffbereit in einem der Bodenkästen steht, steigt auf Tische und Bänke und jubelt seine Entscheidung, zur See zu gehen hinaus in den Zuschauerraum– wohl spürend, dass er sich selber Mut anbrüllen muss, die Entscheidung den Vater wissen zu lassen. Man wartet darauf, dass er die geschnürte Weste als Symbol der bürgerlichen Enge ablegt und er tut es.

Daneben ist auch die Darstellung des 'Leonhard' von
Valentin Stroh – ihm kann man nur zurufen: ’Schweig Bub’, denn auf dem Stand der Entwicklung ist er stehengeblieben.
Hebbel gibt den Schuft, den Schurken vor, der einen Mitbewerber um den Kassierer-Job betrunken macht, der Klara fallen lässt, da nicht genug Mitgift rüberkommt, sich mit der
Buckligen des Bürgermeisters einlässt – dass ausgerechnet der 'Klara' schwängert, ist nicht nachzuvollziehen. Ein Jüngling so wie er, "versteht am Besten ein tiefbetrübtes Mutterherz zu trösten."
Nie im Leben ist Valentin Stroh im Stande, das zu vermitteln, was Hebbel der Rolle mitgibt, da kann er noch so martialisch den Text sprechen und seine Stimme dunkel verfärbt erheben – er ist kein 'Leonhard'.
Aber was ist auch Klara eingefallen, was ist denn an diesem 'Leonhard' dran – da kommt der 'Sekretär Friedrich' von der Akademie zurück und sie schmeißt sich in einer Anwandlung von was auch immer dem Typ 'Leonhard' in die Arme, der vom Autor her ein Schubiak sein soll.

Dieser rivalisierende 'Sekretär Friedrich' von
Steffen Casimir Roscek – er ist einfach wonnig – nimmt den Kampf mit Leonhard auf, warum – der Autor gibt es vor – schießt sich wegen der Ehre – ist sie was zum Essen ? – mit dem anderen, kommt mit einem roten Irgendwas in der Hand zurück auf die Bühne, behauptet, den andern 'gekilled' zu haben, hält sich das rote Schnupftuch in die Herzgegend, behauptet weiter, auch getroffen zu sein und geht jugendlich beschwingt ab.
Kein Taumeln, keine Schwäche wegen des erlittenen Blutverlustes – nichts.
Was soll das? Wenn die Frau Regisseurin abstrahieren will, dann soll sie wenigstens das rote 'Tüchel' weglassen.

Und dann die 'Klara'!
Ist
Anna Dörnte 'Johanna', ist sie 'Elektra', ist sie 'Lysistrata' – heldenhaft stiefelt sie aus auf ihrem hochgeschnürten Schuhzeug – wie sie heute so sind, die sich authentisch auf der Bühne gebenden Jung-Schauspielerinnen.

Sie soll nicht sie sein, sondern 'Klara'.
Aber es war schon bei der Einführungsmatinee klar, dass Frau Dörnte nicht in der Lage sein würde, das Elend dieser Figur in diesem Hebbel’schen Meister-Anton-Haushalt des 19. Jahrhunderts darstellen zu können. Auch wenn sie sich gegen die Kulissenwand schmeißt oder herumspringt, um eine Fehlgeburt auszulösen - sie bleibt sachlich, unbeseelt, rührt nicht, das Publikum wird unruhig, sie kann die Problematik der damaligen Zeit nicht vermitteln. Erst in der Szene mit Leonhard "heirate mich" kommt etwas von Mitgefühl beim Zuschauer auf.
Völlig unverständlich sind ihre Kraxeleien an der Kletterwand in der Schreinerei, die Bühnenbildner
Frank Lichtenberg da hingestellt hat. Sollen das Lichtschächte sein, durch die 'Klara' versucht, aus dem Kellergeschoss der Schreinerei und aus den Tiefen des Familien-Elends zu entfliehen?
'Klettermaxe' hätte seine Freude daran.
Dass sie 'finally' Gift nimmt – irgendeine Tinktur, die in der Werkstatt rumsteht – führt zu der peinlichen Situation eines ’Todeskampfes’ coram publico. Was für ein 'R’Einfall'.

Michael Heuberger kam in einem Mantel, der wohl aus dem 'Biberpelz' stammte, den betuchten 'Kaufmann Wolfram' trippelnd vorgebend – er 'heubergerte' wie er es als 'Franz Moor' oder als 'Salieri oder es in 'Hermann kommt' auch tat.
Hubert Schedlbauer wütete - sich unbotmäßig aufmanndelnd - als 'Gerichtsdiener' herum – einzig er stimmig als dieser üble Bursche.

Fazit:
Um alles noch einmal oder vielleicht noch einmal an sich vorüberziehen zu lassen, werden  weitere Vorstellungsbesuche notwendig sein – dann kann der regionale Beobachter Details aufnehmen, die aber kaum zu einer bessern Beurteilung führen werden.

Das Elend der heutigen Zeit zeigte sich beim Heimgehen in der Passage zwischen 'Kneitinger' und 'Netto' – Betrunkene torkeln herum und pöbeln in der Weltkulturerbe-Stadt die das Theater verlassenden Gäste an.
Ging nicht der Herr Oberbürgermeister mit Gattin durch die Kreuzgasse, so musste er die Typen bemerkt und sich vielleicht gedacht haben: ’Ich kann den Leuten die Gasse nicht verbieten’ – ob er wohl weiß, woher dieses Zitat stammt?

Kultur ist in dieser Stadt doch Chefsache.

 
 
     
     
 

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Als Premieren-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten Karten aus dem freien Verkauf gebe ich hier meine subjektive Meinung zu den gehörten und gesehenen Theatervorstellungen zur Kenntnis.

Ich
verstehe diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu Geglücktem oder Misslungenem.
Neben Sachaussagen enthält diese private Homepage auch Überspitztes und Satire.
Für diese nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.
In die Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare herauszufordern.
Dieter Hansing

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