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Nr. 29
Leserbrief
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Liebe Frau Prof. Gilles, |
30.12.2019 - Dr. Peter Brenner – vorm.
Intendant Theater Darmstadt und Mainz
Einleitung
Es gibt zwar das böse Wort:
‘Man solle nur der Statistik glauben, die man selbst gefälscht hat.‘
Den Mitarbeitern im deutschen Musikrat bieten sich bei Mogeleien keine Vorteile,
also können wir ihnen vertrauen
Mich mit der Situation des Nachwuchses zu befassen, ergibt sich aus meiner
langjährigen Tätigkeit als Dozentin für Gesang an der Hochschule für Musik
Theater und Medien Hannover, der ich als Mitglied des Förderkreises und der
Stiftung, aber auch durch guten Kontakt zur Leitung des Hauses und zu aktiven
Kollegen verbunden bin.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg, während dessen eine Kulturnation
einem kriminellen Schreihals in falsch verstandener Eidestreue bis zur
Selbstzerstörung folgte, teilten die Siegermächte das ‘Deutsche Reich‘ in
Bundesländer auf, die ziemlich genau den alten Stammes- und Herrschaftsgebieten
angepasst wurden.
Sie halfen mit dem Marschall-Plan Deutschland beim Wiederaufbau, um ein Bollwerk
gegen den Kommunismus zu errichten.
Es entstanden also 16 Bundesländer, von denen jedes eigenständige Schulgesetze
hat; ob diese Regelung Vorteile oder Nachteile bringt, ist ein permanenter
Streitfall.
Die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Musikhochschulen in Deutschland zu
erforschen, ist sicher ein lohnendes Thema für Kulturhistoriker.
Uns aber interessiert, was aus den Absolventen wurde, aus welcher Hochschule
stammen die auf den Bühnen beschäftigten Sänger.
Welche Hochschule beobachtet und notiert den Lebensweg ihrer Alumni?
Auch das ist unterschiedlich und hängt wohl an der Ausstattung entsprechender
Sekretariate. Die aber haben meistens so viel mit aktuellen Problemen zu tun,
dass der Kontakt zu Ehemaligen nach kurzer Zeit wieder erlischt und erst später
in Biographien der Studienort genannt wird.
Für Studierende des Fachbereichs ‘Gesang‘, die auf die Opernbühne wollen, ist „der Erwerb künstlerischer Praxis“ das Wichtigste und das muss verantwortungsvoll und realitätsbezogen erfolgen.
Im Jahr 2016 haben 405
Studenten die Abschlussprüfung im Fach Gesang absolviert.
Diese Zahl ist erschreckend hoch, zumal in den folgenden Jahren mindestens so
viele Absolventen ihren Platz in den Opernhäusern finden wollen.
Dort aber werden die Ensembles verkleinert oder zugunsten von Gast- oder
Stückverträgen aufgegeben.
Als Ausweg bilden sich Projektgruppen, Spezialensembles für Alte Musik, Events -
wie sogenannte Festivals für neue Musik und experimentelle Performances.
Der letzte Ausweg ist dann das Unterrichten als Privatlehrer, als Lehrkraft an
städtischen Musikschulen, als Seiteneinsteiger an Schulen mit Lehrermangel,
alles mühsame Lebenswege voller Enttäuschungen
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So seien die Stellen für Solistinnen und Solisten an einem der achtzig Opernensembles in Deutschland zwischen 2001 und 2016 um ein Fünftel weniger geworden. Gleichzeitig hätten die 24 Musikhochschulen 63 Prozent mehr Gesangsstudentinnen und -studenten verzeichnet. Ensemblekultur wird weniger gepflegt
Den Grund für den Rückgang an festen Stellen sieht Fuchs im Spardruck, unter dem die Opernhäuser stehen. Außerdem wollten die Opern flexibel bleiben und arbeiteten oft mit Gästen oder freien Kräften. Die Ensemblekultur werde folglich deutlich weniger gepflegt als früher.
Eine Lösung könnte sein, dass China, wo derzeit viele neue Opernhäuser entstehen, deutsche Sängerinnen und Sänger „importierten“. Außerdem hält Jörn Florian Fuchs Veränderungen in der Gesangsausbildung der Hochschulen für nötig. So müsse das Spektrum des Studiums erweitert werden, indem auch Akzente bei der Neuen Musik, Performance oder Crossover gesetzt werden.
Insgesamt würden zu viele Frauen für „leichten Sopran“
ausgebildet. Gefragt seien dagegen eher die schwereren Stimmen. Hier
gehe die Ausbildung an der Nachfrage vorbei. |
Zusätzlich zur Bertelsmann-Studie und zur Studie des Deutschen
Musikrats gibt auch die Studie des Berliner Instituts für Kultur und
Medien-Wissenschaft, die alle zum gleichen Ergebnis kommen:
Es werden zu viele junge Menschen und dazu noch die falschen Stimmfächer
ausgebildet.
Das kostet den Steuerzahler viel Geld und macht viele junge Leute unglücklich.
Dass Gesang-Studierende ungern Fragebögen für Statistiken ausfüllen, weil ihnen
der Nerv für Bürokratie fehlt, kann ich zwar nachfühlen, aber man hat ihnen wohl
auch nicht die Wichtigkeit der Befragung energisch genug klar gemacht, denn es
geht doch um ihren Lebensweg.
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In der operninteressierten
Musikwelt gilt Deutschland immer noch als Sehnsuchtsort mit unbegrenzten
Möglichkeiten.
Wo auch immer ein ehrgeiziges Sängertalent - in Nord- in Südamerika, in den
ehemaligen Sowjetrepubliken, in Nah-, Mittel-, oder Fernost, auf dem
afrikanischen oder australischen Kontinent - aufwächst, es strebt nach ‘Good Old
Germany‘.
Hieraus ergibt sich ein ungeheurer Verdrängungswettbewerb, der noch dadurch
verschärft wird, dass jeder, der ein wenig Ahnung von Oper hat, eine Agentur
eröffnen kann.
Die jungen Sänger strömen zum Vorsingen, oft gar nicht eingeladen, sitzen sie
vier oder mehr Stockwerke hoch auf den Treppenstufen und warten auf den
Augenblick, da sie auf meist völlig überforderte, möglichst billige, unfähige
Pianisten zur Begleitung, die meist die Stücke, die sie begleitend spielen
sollen, nicht kennen, auf solche unsäglichen Bedingungen treffen und dann gut
sein sollen.
Bei Gefallen werden sie in Listen der Klienten aufgenommen .
Bei jedem zustande gekommenen Vertrag kassiert die Agentur ihre Prozente.
Natürlich existiert unter den Agenturen eine Hierarchie. Das heißt, dort bei der
ZAV, der staatlichen Arbeitsvermittlung, werden auch die Anfänger oder
Problemfälle vermittelt, was von den Mitarbeitern verantwortungsvoll betrieben
wird.
Daneben die großen Agenturen in Wien, in München, in Berlin und die in New York
von denen die Spitzenkräfte des internationalen Sänger-Zirkus vermittelt werden.
An denen dann die Agenturen Millionen verdienen.
Und auf diesen gnadenlosen Markt entlassen die Hochschulen jährlich Hunderte
hoffnungsfrohe Sänger einfach so, weil eben der Studiengang zu Ende ist, anstatt
ihnen, anhand der offen zu Tage tretenden Nicht-Möglichkeiten die grausame
Wahrheit über Markt und Möglichkeiten früh genug klar zu machen.
Natürlich sollte, wie passiert, ein:
„Mädel geh‘ nach Hause, heirate, dann geht’s dir besser“ – vermieden werden.
Ich selbst habe neben meinen patenten Schulmusikern und exzellenten
Kirchenmusikern, die alle die Gesangsstunde mit der richtigen Mischung aus
Strenge und Spaß als Gewinn mit ins Leben nahmen, natürlich auch Opernstimmen
ausgebildet.
Es waren schöne, gesunde Stimmen in gut aussehenden jungen Leuten, aber es war
keine Pavarottis, keine Domingos – auch kein zweiter Jonas Kaufmann dabei und
auch keine Netrebko darunter.
In äußerst vertraulichen Gesprächen haben wir dann beschlossen:
„Geh in den Opernchor, dann bist du auf der Bühne dabei und kannst mit
gelegentlichen ‘Muggen‘ (MUsikalisches GelegenheitsGEschäft.)
deine solistischen Ambitionen loswerden.“
Wenn ich also meine Ehemaligen gesund und munter und gut und sicher bezahlt auf
der Bühne in Berlin, in Hamburg, hier in Hannover im Rundfunk- oder
Opern-/Konzertchor agieren sehe, bin ich zufrieden.
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Als nach dem Ende des Zweiten
Weltkriegs, in dem das Regime auch die Musik auf das Schändlichste missbraucht
hatte, über eine nach unbelasteter primitiver Bewegungslust hungernden Jugend,
der Rock und Roll und die Popmusik hereinbrachen, fegten diese in Mitteleuropa
den Sinn für den Wert der Klassik in Schauspiel und Musiktheater für den größten
Teil der Bevölkerung hinweg.
Die Musiklehrer bemühten sich das Singen in der Schule und in Chören
aufrechtzuerhalten, aber offiziell hieß es: ‘Singen‘ ist Nazi.
Mag das inzwischen auch Jahrzehnte vorbei sein, das Ansehen der klassischen
Musik und der Gesangskunst sind unwiederbringlich geschädigt und ins Abseits
gedrängt.
Die einmaligen, heimatlichen
Ensembles in den Opernhäusern werden zerschlagen.
Wir sind amerikanisiert, internationalisiert, austauschbar.
Es herrscht ‘hire and fire‘!
Das treue Opernpublikum, das Abonnements als kostbaren Schatz vererbte, an die
nächste Generation weitergab, stirbt aus oder geht wegen des präsentierten
Murkses nicht mehr hin.
Dafür wird es als ‘bürgerlich‘ oder im braunen Sumpf verharrend, beschimpft,
verächtlich gemacht.
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16.
Dezember 2015
Quelle: http://www.marie-louise-gilles.de/ |
Diese Attacke wurde weder von der Nds. Landesregierung, noch von
der Stadt Hannover, noch von der Leitung der Nds. Staatstheater Hannover GmbH
widersprochen, sie gemaßregelt oder sonst irgendwie kommentiert oder gar
zurückgewiesen.
Versuche, Werte zu erhalten,
die Leistung der Autoren großer Werke anzuerkennen, werden unablässig
diffamiert, so dass sich eine hoffnungslose Müdigkeit ausbreitet.
Wen kümmerts, wenn Sänger von Leuten, die sich ihre Meriten als ‘Kaffeeholer‘
der Regisseure oder Dramaturgen verdient haben, dann beim Leitungswechsel von
denen rausgeworfen werden mit der schwammigen Begründung „aus künstlerischen
Gründen wird der Vertrag nicht verlängert.“
Kein Rechtsanwalt wird sich eines solchen Falles, der ihm vor Gericht wenig
Erfolg verspricht, annehmen.
Es ist daher die Pflicht der Hochschulen und ihrer Lehrerschaft sorgfältig und
mit dem nüchternen Blick auf die beruflichen Aussichten nur solche Stimmen
aufzunehmen und auszubilden, die Entwicklungsmöglichkeiten bieten und damit den
Anforderungen des heutigen Theaters gewachsen sind,
denn:
„Musik ist eine heilige Kunst, zu versammeln alle Arten von Mut“
lässt Richard Strauss den Komponisten in seiner ‘Ariadne‘ auf den Text von Hugo
von Hofmansthal singen.
ML Gilles
Kommentar
Des Kaisers neue Kleider
Wenn sich jemand in
den Kopf setzt, einen Stoff zu verfilmen, eine Skulptur oder ein selbst gemaltes
Aquarell an den Mann zu bringen, einen Roman, einen Gedichtband zu
veröffentlichen oder einen Plattenvertrag zu unterschreiben, so gilt es, die
hohen Hürden des Markts zu nehmen. Sprich: es müssen sich Produzenten,
Galeristen, Verleger, Agenturen, Händler und sonstige Entscheider finden, die
das Vorhaben finanzieren. Es gilt also, jede Menge Geldgeber vom jeweiligen
Projekt zu überzeugen, ehe es realisiert werden kann.
Wenn sich jemand in den Kopf setzt, an einem deutschen Theater nach seinem Gusto
Tschechows Drei Schwestern zu inszenieren, Puccinis Turandot oder Goethes
Wahlverwandtschaften in einer eigenen dramatischen Bearbeitung, so genügt es oft
schon, mit einem Intendanten, Dramaturgen oder mit einem einflussreichen Agenten
befreundet zu sein. Oder Anverwandte/r einer prominenten Persönlichkeit des
Opern- und Theaterbusiness. Geld spielt im deutschen Theaterbetrieb nämlich
keine Rolle, das geben mehr oder minder großzügig und unbesehen Länder und
Kommunen. Ob eine entsprechende Qualifikation vorliegt, wird bei Regisseuren,
Intendanten und Dramaturgen amtlich nicht überprüft.
Die Diskussion
um Für und Wider von Werktreue und Regietheater führt zu nichts. Beides hat
seine Berechtigung, beides zeitigt Erfolg wie Misserfolg, in beiden „Schulen“
finden sich exzellente wie sterbenslangweilige Arbeiten, aufregende und
diskussionswürdige Produktionen, beglückende Theaterabende, geglückte
Experimente, Flops, Pleiten, Reinfälle.
Nun heißen nicht alle, die sich im Musik- und Sprechtheater als Spielleiter
versuchen, Hilsdorf, Konwitschny, Mussbach oder Neuenfels. Zu viele unbeleckte
Epigonen tummeln sich in diesem Becken. Es herrscht häufig das Einerlei,
Beliebigkeit, unausgegorene Konzepte, platte Gags, Trash, Krawall, Klamauk. Ein
paar Unbedarfte im Parkett werden es schon mit Lachern quittieren. Ein paar
Feuilletonschreiber werden sich schon kaufen lassen finden, die's – um nur ja
nicht in den Ruch zu geraten, nicht up to date zu sein – schon goutieren. Wenn's
nicht verfängt und mal wieder nicht langt zu einer eigenen – und vor allem –
schlüssigen Neudeutung eines Stoffs, wird einfach fröhlich die Kultur-Society
verspottet. Das geht immer! Kann man machen. Aber ob das die Kultur-Society auch
noch weiterhin bezahlt?
Bei Repertoirevorstellungen sind die Ränge, so man sie mangels Nachfrage
überhaupt noch öffnet, offensichtlich noch nicht leer genug. Die Forderungen
rechter Gruppierungen in Stadt- und Länderparlamenten nach Subventionskürzungen
sind einigen anscheinend noch zu verhalten.
Stichwort „rechte Gruppierungen“. Kaum wagt man zu konstatieren, dass der Kaiser
nackt ist, wird die „Nazikeule“ geschwungen. Zuverlässig. Reflexartig. Sobald
Kritik am desaströsen Machwerk laut wird, heißt's „konservative Spießer!
Verkappte Nazis!“ Mit derlei Epitheta werden flugs jene bedacht, die sich
zurecht über vergeudete Subventionen echauffieren, die ein kruder Regie-Murks
wieder einmal verschlungen hat. Eine – pardon! – Regie-Onanie, deren Sinn sich
niemandem erschließt, die leere Chiffren aneinander reiht, Gags, „Ideen“,
Wendungen und Windungen, die alles und die nichts bedeuten. Weil's keinen Sinn
sonst macht, die „Werkverwurstung“ (Adolf Dresen) dreist als einen Beitrag zur
aktuellen Kulturdebatte zu erklären, das reicht nicht und das greift nicht.
Bleibt die Frage: Wer ist hier der Taliban? Der Regie-Terrorist oder der
Kritiker, dem gerne das Etikett „völkisch“ angeheftet wird. Erstens: Jemanden
schlecht zu machen, macht einen noch lange nicht besser! Und zweitens: „Man
merkt offenbar gar nicht mehr, dass jemanden als ‚Nazi‘ zu bezeichnen, der es
nicht ist, die schlimmste denkbare Verleumdung und damit Hetze ist. […] Wie
wenig Ahnung muss man vom Nationalsozialismus haben, wenn man ständig die
Nazikeule schwingt. Auf diese Weise wird das ernste Gedenken an das
Großverbrechen inflationiert und wertlos gemacht. Nationalsozialismus, das ist
das Grauenhafteste, was im 20. Jahrhundert geschehen ist, neben dem Stalinismus.
Das darf man nicht zu so einer kleinen Münze der alltäglichen politischen
Talkshow-Selbstbehauptung machen“, um es mit Rüdiger Safranski zu sagen. (Zitat
aus DER SPIEGEL, Ausgabe 12/2018) Man muss Safranski nicht in all seinen
Anschauungen beipflichten, in diesem Punkte jedoch unbedingt.
Es liegt mir fern, junge, riskante, verstörende und zeitgenössische
Inszenierungen a priori herabzusetzen. Ich habe überzeugende, intelligente, neue
und anregend frische Deutungen klassischer Stoffe miterlebt. Jedoch leider auch
sehr viel Blödsinn, ermüdenden Quatsch und abgeschmackte, ärgerliche
Banalitäten. Alle, die ihr kritiklos den Kaiser nackt herumstolzieren lasst und
darüber auch noch jubelt, es liegt mir noch weit ferner, einer rechten
Kulturpolitik das Wort zu reden. Wenn ihr nicht wollt – ich jedenfalls, ich will
es nicht! –, dass ein rückwärts gewandter und exklusiver Kunst- und
Kulturbegriff fröhliche Urständ feiert. Zeitgenössische Inszenierungen – ja
bitte! Aber mit Niveau, Talent, Scharfsinn und Esprit! Die deutsche Theater- und
Orchesterlandschaft gelten als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit.
Staatsministerin Michelle Müntefering betont hierzu: Die Theater „fördern
interkulturelle Begegnungen und Kommunikation auch jenseits des politischen
Diskurses und damit das Verständnis füreinander.“
Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins Ulrich Khuon unterstreicht: „Theater
und Orchester schaffen kulturelle Räume für Erzählungen, Reflexionen und
Gespräche innerhalb ihrer lokalen Gemeinschaften und tragen damit wesentlich zu
Lebensqualität und Identität bei.“
Verständnis füreinander? Nicht bei jenem Otello, in dem gleichzeitig alle
Darsteller in Klamotten wie aus dem Kleidercontainer herum hampeln und alle
gleichzeitig alle Texte – teils in anderen Sprachen – übertrieben zerdehnt
deklamieren. Einzige Orientierung in diesem Durcheinander: Das Publikum darf den
Shakespeare-Text auf einem riesigen Prompter mitlesen. Toll!
Lebensqualität und Identität? Nicht mit jener Richard-III.-Vorstellung, in der
die nackte Titelfigur drei Stunden lang im Stakkato seine Texte in den
Zuschauerraum schleudert. Gähn!
Wenn wenigstens die aufwändig gemachten Programmhefte Aufschluss gäben!
Einführungsvorträge vor jeder Aufführung sind inzwischen gang und gäbe. Auch
hier bleibt man Antworten zu Situationen, Intentionen, Sinn, Hintergründen und
Überlegungen zu Inszenierungen schuldig. „Das wollen wir nicht verraten!“ „Wie
wir dieses Problem gelöst haben, sehen Sie in der Aufführung, das wollen wir
hier nicht vorwegnehmen!“ Ausreden! Nichts dahinter!
Noch haben wir eine reiche Theaterlandschaft. Nicht wer sich gegen Pfuscherei,
Blender und Stümper auf der Bühne zur Wehr setzt, macht das Theater „schlecht“,
das schafft eine eingeschworene Intendanten- und Dramaturgen-Clique schon
selbst, in dem sie unbedarfte, oft gar bildungsferne und selbstverliebte
Wichtigtuer am Werk lässt. Womit keineswegs gesagt sein soll, dass allen
Theaterleitern ihr Haus, ihre Kommune egal ist, es gibt noch Prinzipale, die
ihre Häuser voll kriegen und den gesellschaftlichen und politischen Diskurs mit
engagierter und gekonnter Regiearbeit befördern.
Aber: Den Ast, auf dem sie sitzen, den sägen die
Theater schon selbst ab.
Leserbrief
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Zitat Betrifft: - Die Tannhäuser-Inszenierung Bayreuth / - Die Verantwortung der Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH und der - Richard Wagner-Stiftung Bayreuth für das Gesamtunternehmen Festspiele / - Auswege aus dem Status Quo zu künstlerisch besseren Festspielaufführungen / Fragen an die Gesellschafter und an die Richard Wagner-Stiftung Bayreuth
Sehr geehrte Frau XXX , Es geht
in diesen Schreiben um Verantwortung!
Was ist
da eigentlich seit 2008 im Gange? Wer
sich bis heute über die Ereignisse rund um die Festspiele noch nicht
umfassend informiert hat, verliert leicht die Übersicht. Deshalb
versuche ich meine Darstellung in sieben Epochen einzuteilen.
Größere Beachtung
ist der Zeit ab 2004 zu schenken, die entscheidenden Jahre sind
allerdings die ab 2008. In dieser Zeit wurden die Festspiele intern, vor
allen Dingen aber für den größten Teil der langjährigen Besucher so
stark spürbar verändert, dass jetzt nur noch einige grundlegende
Entscheidungen wieder besuchenswerte Festspiele garantieren können, bzw.
ein künstlerischer Neuanfang spürbar wird. Was
zwischen den Jahren 2000 und 2005 zwischen Herrn Wagner und Herrn Schmid
ausgetüftelt und beschlossen wurde, war zunächst nicht zu erkennen. Aus
heutiger Sicht kann man dies alles nur als Bestrebungen zum
dauerhaften Machterhalt oder als Besitzstandsicherung des
Familienstammes Wolfgang Wagner bezeichnen. Klammheimlich wurden
schwerwiegende Veränderungen vorbereitet, die später in einer
widerstandslosen Machtübernahme der Festspielleiterposition durch
Katharina Wagner mündeten. Alles was an Vorabsprachen, der Missachtung der Stiftungssatzung oder an Vertragsabschlüssen (z.B. Gründung der BF-Medien usw.) im Vorfeld der am 30.08.2008 durchgeführten Wahl einer neuen Festspielleitung geschehen ist, wurde seit 2010 aktenkundig gemacht und den Gesellschaftern der Festspiele GmbH und der Richard Wagner-Stiftung Bayreuth schriftlich – teilweise auch mündlich – ab 2012, mehrmals zur Kenntnis gebracht. Weder bei den Gesellschaftern der Festspiele GmbH noch beim Vorstand der Richard Wagner-Stiftung ist bis heute kein einziger Schritt in Richtung Überprüfung dieser Fakten und erst recht nichts zur Abstellung dieser gravierenden geschäftsschädigenden und künstlerisch verheerenden Geschehnisse sichtbar geworden. Um Ihnen Klarheit über diese Handlungen und Abläufe zu verschaffen, muss ich – so kurz als möglich – die wesentlichen Eckpunkte noch einmal aufgreifen. Nach dem Tod seiner Frau im November 2007, konnte Wolfgang Wagner seine Dienstgeschäfte nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Seine mittlerweile nicht mehr mit der Stiftungssatzung zu vereinbarenden Ansichten über seine Nachfolge hält er geheim. Außerdem ist dies alles bei Herrn Toni Schmid, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates in „besten Händen“. Irgendwann im ersten Vierteljahr 2008 verlautet dann, dass Herr Wagner zum Ende der Spielzeit 2008 von seinem auf Lebenszeit abgeschlossenen Vertrag als Festspielleiter zurücktreten wird. Das hieße also: Seine Kündigung müsste bis zum 30. April 2008 beim Stiftungsrat der Richard Wagner-Stiftung eingegangen sein, damit zum Ende der Festspielzeit ein neuer Festspielleiter gewählt werden kann. Seltsam bleibt bis heute, dass wenige Tage vor dem 30.04.2008 diese Kündigung noch rundweg abgestritten wurde, am 2. Mai allerdings hieß es, die Kündigung sei beim Stiftungsrat eingetroffen. Damit begann nun die in der Stiftungssatzung vorgeschriebene viermonatige Bewerbungsfrist. Wolfgang Wagner bzw. seine Anwälte übertrugen nun die Gesellschaftsanteile von Herrn Wagner auf die vier größten Zuschussgeber der Festspiele. Dies sind die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Stadt Bayreuth und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V..Damit wurden aus den größten Zuschussgebern die Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH. Nach
verschiedenen Rochaden in der Besetzung der beiden an einer Nachfolge
Wolfgang Wagners interessierten Teams, bewarben sich um die
Festspielleitung letztendlich: Erstes
Team: Ziemlich leise erfolgte vor der Neuwahl der Festspielleitung die Gründung der BFMedien GmbH. Dies zielte von Anfang an auf Langlebigkeit. Wer gründet schon eine solche Gesellschaft, wenn er nicht 100%ig sicher ist, dass Aufträge eingehen werden? Katharina Wagner wurde Geschäftsführerin der BF-Medien GmbH. Gleichzeitig aber wurde sie nach der Wahl der neuen Festspielleitung auch Festspielleiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele GmbH. Trifft sich das nicht gut? Von
langer Hand vorbereitet wurde die Unausweichlichkeit der
Stiftungsratsentscheidung im Herbst 2008 zu Gunsten von Katharina Wagner
(in Alibifunktion für seriöses Handeln damals noch zusammen mit ihrer
Halbschwester Eva) durch den Vorsitzenden des Stiftungsrates, Herrn Toni
Schmid. D.h., vor
der Abstimmung fanden weder Beratungen des Stiftungsrates oder Gespräche
über Detailfragen zu verschiedenen Konzepten statt, noch wurde die
Hinzuziehung von Beratern auch nur erwogen, es gab auch keine Aussprache
unmittelbar vor der Abstimmung, keine Fragen an die beiden
Bewerberteams, nichts was den Charakter einer ernsthaften Prüfung der
beiden Bewerberteams hätte beweisen können.
Katharina Wagner hat nicht lange gefackelt, sie hat die Führung an sich gerissen. Auch wenn nach außen hin die Gleichberechtigung mit ihrer Halbschwester immer wieder betont wurde, hatte diese in dem Tandem wenig zu bestellen.
Allen diesen Problemen stand die Festspielleitung hilflos gegenüber,
viele wurden durch sie ja auch erst geschaffen. Dirigenten, die im
zweiten Jahr einer Inszenierung nicht mehr wiederkamen oder die drei
Wochen vor der Premiere aus dem Vertrag ausstiegen, Sänger, die kurz vor
der Generalprobe wegen eines Tattoos nicht auftreten konnten und ersetzt
werden mussten, Umbesetzungen innerhalb einer Spielzeit in einem nicht
mehr vertretbaren Umfang usw. Alle diese Dinge wurden unter der Rubrik
„künstlerische Freiheit“ abgelegt. Ich wage zu behaupten, es handelt
sich um Missbrauch dieses Privilegs.
Man hätte dem Stiftungsratsvorsitzenden unmissverständlich klar machen
müssen, dass jetzt der Stiftungsrat eine Leistungsüberprüfung hätte
einleiten müssen. Wäre diese Überprüfung mit einem negativen Ergebnis
geendet, so hätte sich dieses Gremium unmittelbar mit der Suche nach
einem geeigneten Nachfolger befassen müssen. Und dies ist in der in der
Stiftungssatzung unter §8 vorgesehen.
Die ehemals
so großartigen Bayreuther Festspiele sind
Die künstlerische und wirtschaftliche Lage der Bayreuther Festspiele:
Angefangen bei der Parsifal-Inszenierung durch Christoph Schlingensief 2004, weitergeführt mit der Meistersinger-Inszenierung durch Katharina Wagner 2007 und in allen Inszenierungen seit 2010 hat die szenische Wiedergabe dem Großteil des Stammpublikums nicht mehr zugesagt, d.h. Es wurden von Jahr zu Jahr weniger Eintrittskarten bestellt. Um die jetzige Situation zusammenfassend zu beschreiben:
Das alles ist das Ergebnis zahlloser Fehlentscheidungen der nicht kompetenten Festspielleitung. Bis heute ist keine Reaktion der Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH und der Richard Wagner-Stiftung Bayreuth feststellbar. Wie soll man diese Interesselosigkeit interpretieren? Für das künstlerische Ergebnis trägt zweifelsfrei die Festspielleitung die Verantwortung. Sie bekam - laut Stiftungssatzung - bei ihrer Beauftragung künstlerische Freiheit zugesichert. Auf wessen Konto gehen denn dann die nicht künstlerischen Fehlgriffe bei der Organisation, den Finanzen, dem Personalwesen, der Gebäudeinstandhaltung u.v.a.m.? Gehen diese - in unterschiedlicher Gewichtung sowohl zu Lasten der Festspielleitung als auch zu Lasten der Gesellschafter der Festspiele GmbH und (oder) der Richard Wagner-Stiftung? Wenn ja, warum schreiten diese dann nicht ein? Es findet offensichtlich keinerlei Kontrolle statt. Genau
genommen geht es darum, dass die amtierende Festspielleiterin ihre
Beauftragung, die „Werke Richard Wagners festlich aufzuführen“ entweder
nicht Und so
ist Katharina Wagner bis zum heutigen Tage Festspielleiterin ohne dass
ihre bisherigen Leistungen auch nur ein einziges Mal auf den Prüfstand
gestellt worden wären.
Herr Martin Eifler:
Ein Beispiel:
Diese beiden Herren können sich „die Bälle gegenseitig zuspielen“.
Keines der Gremien, in denen sie vertreten sind, kann vertrauliche
Entscheidungen beraten und beschließen (wenn dies nötig sein sollte).
Meinen Informationen zufolge hat bisher keiner dieser beiden Herren
jemals auch nur eine Hand gerührt, um dem Stiftungsrat zu seinem Recht
zu verhelfen!
Nach Ende
der Ära Wolfgang Wagner waren sich die meisten Verantwortlichen darin
einig, dass es nicht mehr zu einem unbegrenzten oder auf Lebenszeit
ausgestellten Festspielleitervertrag kommen soll! Es sei
noch einmal darauf hingewiesen, dass in allen Publikationen und in den
elektronischen Medien (außer in der Wikipedia-Darstellung der Richard
WagnerStiftung Bayreuth) der Abschnitt „Wahl des Festspielleiters“
tunlichst ausgeklammert ist. Nirgends ist über diese wichtige
Station der Festspielverantwortung auch nur ein einziges Wort zu lesen.
Das Recht des Stiftungsrates den Festspielleiter zu wählen, wird wortlos
übergangen.
Und wie geht es – ohne dass nun Eingriffe erfolgen - ab 2020 weiter?
Aus
allen bis hierher geschilderten Fakten ergeben sich eine Reihe von
Fragen, deren erster Teil an die Hauptverantwortlichen der
Gesellschafter gerichtet ist und deren zweiter Teil einer Beantwortung
durch den Vorstand der Richard Wagner-Stiftung bedarf.
Sehr geehrte hauptverantwortliche Amtsträger bei den vier
Gesellschaftern, sehr geehrte Frau Regierungspräsidentin, seit neun
Jahren drehen sich die Dinge um die Festspiele und ihren immer weiter
sinkenden Nimbus im Kreise. Im Sinne, hoffentlich in absehbarer Zeit wiederkehrender, großartiger Festspiele, grüße ich Sie mit vorzüglicher Hochachtung. H.B.
aus M. |
Thema des Tages
Vertreibung durch die
katholische Kirche
... ab 02. Februar
1732
Hatte der Große Kurfürst - Friedrich Wilhelm - 1685 durch das Edikt von Potsdam
den Zuzug von Protestanten - in diesem Falle Hugenotten, die durch das Edikt von
Fontainebleau in Frankreich keine Bleibe mehr haben durften - nicht nur nicht
widerstrebend oder höchst gnädig bewilligt, sondern gefördert, so folgte ihm
sein Enkel - Friedrich Wilhelm I. als er die von Krieg und Pest verödeten
Gegenden Brandenburgs und Ostpreußens wieder bevölkern wollte.
Schon 1520 begann im Salzburger Land die Verfolgung von Protestanten, die dann
nur noch in geheimen Zirkeln ihren Religionsbräuchen nachgehen konnten.
Um 1600 gab nur es noch wenige, die sich verbargen.
Während des 30.-jährigen Krieges nahmen die Verfolgungen ab, die katholische
Kirche war mit anderen Dingen wie der Außenpolitik beschäftigt, als die paar
verbliebenen Abweichler zu verfolgen.
Zum Ende des 17. Jahrhunderts nahm sich Salzburg der Sache wieder an und man
vertrieb die Protestanten mithilfe von 6.000 Soldaten - es sollte im Land nur
einen in sich geschlossenen Kirchenkörper mit einheitlichem katholischem Glauben
geben.
Bis Ende März 1732 hatten besitzlose Protestanten das Land zu verlassen,
Vermögenden räumte man eine Frist bis Ende April ein.
Um die heimatlosen Glaubensbrüder aufzufangen, hatte Friedrich Wilhelm I. - der
Soldatenkönig und Vater vom späteren Friedrich dem Großen - am 2. Februar 1732
das Preußische Einladungspatent erlassen.
17.000 Protestanten verließen Salzburg und kamen auf dem Landweg nordwärts bis
Stettin, von wo sie mit Schiffen in Gebiete an der Memel gebracht wurden.
Dort siedelten sie, erhielten Höfe zur Bewirtschaftung, Handwerker durften sich
entsprechend ihren Fähigkeiten niederlassen und tätig werden.
Thema des Tages
Friedrich Wilhelm von Brandenburg
... am 16. Februar 1620 in Cölln an der Spree geboren.
Nach dem Tod seines Vaters, des Kurfürsten Georg Wilhelm, am 1. Dezember 1640,
trat Friedrich Wilhelm inmitten katastrophaler politischer Verhältnisse die
Nachfolge über ein weit verstreutes Herrschaftsgebiet an.
Der Dreißigjährige Krieg hatte das Land schwer verwüstet
- ganze Landstriche waren entvölkert,
- Brandenburg und Kleve waren von schwedischen
Truppen besetzt,
- Preußen galt als unsicherer Besitz, da der König von
Polen jederzeit die Belehnung verweigern konnte,
- die Regierung des Hauptlandes befand sich in der
Hand eines Intimfeindes, des Grafen Schwarzenberg.
Zudem waren die Finanzen des Staates zerrüttet, sodass die Söldner aufbegehrten.
Trotz der drohenden Staatspleite ließ sich Friedrich Wilhelm nicht davon
abbringen, sich in die Bemühungen um Kolonien einzuschalten.
Hierfür brauchte er Schiffe. In Pillau in Ostpreußen begann er mit der
Manufaktur von Segelbooten, musste die aber nach Emden verlegen, denn die Fahrt
durch die Ostsee, um Dänemark herum, durch das Kattegatt und das Skagerrak
gefährdeten die Schiffe unnötig.
Spanien, Holland, Belgien, Portugal aber hatten schon sehr viel früher mit den
Eroberungen ferner Länder begonnen, so dass nur eine Fläche an der Westküste
Afrikas, dem heutigen Ghana, zur Verfügung stand und hier am 1. Januar 1683 das
Fort Groß-Friedrichsburg gegründet wurde.
Über diese Anlage beteiligte sich dann Friedrich Wilhelm am Sklavenhandel, der
Arbeitskräfte nach Brandenburg brachte.
1685 hatte Ludwig XIV. das Edikt von Nantes aufgehoben, um die Protestanten in
seinem Reich wieder zu unterdrücken.
Die dann aus Frankreich fliehenden Hugenotten fing Friedrich Wilhelm durch das
Potsdamer Edikt vom 6. November 1685 auf.
Es erlaubte 15.000 Flüchtlingen die Ansiedelung in seinen Brandenburgischem
Land. Dies führte zu einem Aufschwung der Industrie, besonders in Berlin.
Am 25. Juni 1675 hatte das brandenburgische Heer unter persönlicher Führung von
Kurfürst Friedrich Wilhelm in der Schlacht von Fehrbellin die Schweden
entscheidend geschlagen
.Seit dieser Schlacht wurde ihm durch seine Zeitgenossen der Beiname 'der Große
Kurfürst' verliehen.
In seinen 'Mémoires
pour servir à l'histoire de la maison de Brandenbourg' beschreibt Friedrich der
Große 1751, wie der Prinz von Hessen-Homburg in der Schlacht von Fehrbellin 1675
eigenmächtig voreilig angriff - und dadurch die Schlacht gewonnen habe. Diese
Legende steht allerdings im Widerspruch zu den historischen Berichten.
Heinrich von Kleist nutzte sie dennoch als Quelle und entwickelte den Stoff frei
weiter. Das Handeln des Prinzen 'ohne ausdrücklichen Befehl' wandelte er in ein
Handeln 'gegen' den Befehl um.
Dieses letzte Drama Kleists stieß, wie seine anderen Werke, nicht nur bei den
Zeitgenossen auf Widerstand.
Erst 1841 wurde es zur Geburtstagsfeier von König Friedrich Wilhelm IV. wieder
gezeigt und für Kaiser Wilhelm II. wurde es zum Lieblingsstück. Er erwartete
aber, dass die fatale Feigheitsszene gestrichen werde, die Todesfurchtszene galt
lange als unzeigbar. Ebenfalls kritisiert wurde die Schlafwandelei des Prinzen.
Feigheit und Träumerei galten nicht als preußische Tugenden und die Plaisanterie
des Kurfürsten waren Stilmittel der Komödie, die gegen die Verhaltensregeln der
tragischen aristokratischen Figuren verstießen.
Für die Zeit des 3.
Reiches wurde das Schauspiel 'Der Prinz von Homburg' mit dem Zitat: 'In Staub
mit allen Feinden Brandenburgs' vereinnahmt. Noch bis 1951 wurde das Stück nur
bedingt in die deutschen Spielpläne aufgenommen, erst die Verfilmung mit Gérard
Philipe als Prinz und Jeanne Moreau als Natalie brachte eine Neuaufnahme.
1972 war Bruno Ganz auf Kleist als scheiternde Person von Peter Stein angelegt,
während die Langhoff'sche Inszenierung von 1978 den großen Kurfürsten mit seinem
Hof als machtbessenen Apparat zeigt, der keine Subordination duldet und die
erwiesene Gnade zur Strafe macht.
Thema des Tages
Marietheres
List 1946 - 2018
Sie war eine Ermöglicherin.
Sie hatte gerade durch ihre Tätigkeit an der Bayerischen Staatsoper in München
viel Erfahrung mit Sängern, sie hatte sich ein kundiges Ohr erarbeitet, das ihr
beim Engagement von Sängern half, die Rollen richtig zu verteilen.
Jungen Sängern gab sie in Regensburg die Möglichkeit, einzusteigen.
- Da war Jonas Kaufmann, der 1993 mit dem Caramello seine Karriere begann.
- Da war Christian Franz, der 1994 den Otello sang.
- Da war Florian Vogt, der 2000 mit dem Eisensein anfangen durfte.
Vierzehn Jahre war sie die Leiterin des 3-Sparten-Hauses. Bis in die
Unkündbarkeit d.h. die Weiterbeschäftigung bei 15-jähriger Tätigkeit an einem
Haus wollte man sie nicht kommen lassen.
Die Stadt war dagegen.
OB Schaidinger engagierte Ernö Weil und danach Herrn von Enzberg.
Das Sängerniveau am Theater Regensburg war in der Zeit von Marietheres List
besonders hoch.
Die Inszenierungen - bis auf wenige Ausnahmen - publikumsnah.
Wenn man sie in der Zeit nach ihrem Ausscheiden in Vorstellungen des
Musiktheaters traf, machte sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube.
Sie fand die vorletzte 'Tosca' und den gerade abgespielten 'Maskenball'
furchtbar. Bei
letzterem wollte sie nach der Pause garnicht mehr reingehen.
Das war alles nicht mehr ihr Theater.
Thema des Tages
'Die Hugenotten'
... am 29. Februar 1836 uraufgeführt
Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und den französischen Protestanten,
Hugenotten genannt, die in den Hugenottenkriegen und im Gemetzel der
Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. August 1572 ausuferten, sind die Basis der
Handlung der Oper.
Die Vermählung des protestantischen Königs Henri von Navarra mit der
französischen Königstochter Marguerite am 18. August 1572, als sich viele
Hugenotten in Paris aufhielten, ging dem Aufstand voraus.
Beginnend mit dem Mordanschlag auf den Hugenottenführer Coligny am 22. August,
den darauf entstandenen Unruhen in Paris und der Furcht vor einem
protestantischen Vergeltungsschlag, erfolgte das Massaker der Bartholomäusnacht,
bei dem die katholische Fraktion mit dem Herzog von Guise an der Spitze die
Hugenottenführer und etwa 3.000 Menschen ermordete.
Das Edikt von Nantes vom 13. April 1598 erlaubte dann den Hugenotten die
Ausübung ihrer Religion.
Am 18. Oktober 1685 widerrief König
Ludwig XIV. das Edikt von Nantes, ersetzte es durch das Edikt von Fontainebleau.
Damit wurden die französischen Protestanten wieder aller religiösen und
bürgerlichen Rechte beraubt.
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlaubte vier Wochen später den
Hugenotten mit dem Edikt von Potsdam vom 8. November 1685 den Zuzug an Spree und
Havel.
Thema des Tages
Edikt von 1812
... am 11. März
Um die durch den 30-jährigen Krieg und Krankheiten entvölkerten Gebiete
Brandenburgs mit Menschen zu beleben, zogen im 17. Jahrhundert - mit Billigung
von Friedrich Wilhelm - aus Holland Oranier, aus Frankreich Hugenotten ins Land.
Schon 1671 erlaubte der Große Kurfürst auch den Zuzug von reichen Juden mit
ihren Familien aus Wien, die dort ausgewiesen wurden. Ihr Aufenthalt war aber an
finanzielle Abgaben gebunden.
Friedrich I. (1657-1713) - der erste König in Preußen - Sohn und Nachfolger des
Großen Kurfürsten verlangte von den ansässigen Juden ein Schutzgeld von 20 000
Talern, später wurde der Betrag auf 16 000 Taler reduziert.
Ca. 50 Jahre später, 1768, König Friedrich II. brauchte auch Geld, wurde der
Schutzbetrag wieder auf 25.000 erhöht.
Wenn auch über die Zeit gesehen die fiskalische Rechnung der jeweiligen
Landesregierung aufging, waren die Menschen im Land weniger begeistert vom Zuzug
der Juden - auch aus Polen kamen sie leicht über die Weichsel und die Oder.
Sie nutzten ihre Agilität und geistige Potenz, um Geschäfte zu machen , zogen
von Ort zu Ort, hielten eigenständig Märkte ab und nahmen dadurch den
Ur-Einwohnern - in deren Bequemlichkeit - die Verdienste aus z.B. Kauf,
Transport und Verkauf von Waren.
Da der König nicht einschritt, schlossen die Zünfte die Juden vom Beitritt aus.
Moses Mendelssohn setzte sich sowohl für die Gleichberechtigung der Juden, als
auch für eine Öffnung der jüdischen Gemeinschaft ein. Das „Edikt betreffend die
bürgerlichen Verhältnisse der Juden im preußischen Staate“ vom 11. März 1812,
erlassen von König Friedrich Wilhelm III., machte die inzwischen 70.000 in
Preußen lebenden Juden nun zu gleichberechtigten preußischen Staatsbürgern.
Sie erhielten volle Bewegungsfreiheit und konnten sich allerorts niederlassen,
die seit einem Jahr eingeführte Gewerbefreiheit galt auch für sie, akademische
Ämter waren ebenso erlaubt wie kommunale Ämter.
Erreicht wurde die angestrebte Gleichstellung damit noch nicht, denn in den
Staatsdienst bei Verwaltung und Justiz sowie in Offiziersstellen konnten Juden
nur einrücken, wenn sie zum Christentum konvertierten.
Die 'assimilierten' Juden bekannten sich in Preußen vorrangig zum
Protestantismus, schlossen sich also der 'Staatsreligion' an.
Thema des Tages
Ausweisung jüdischer UFA-Mitarbeiter
29. März 1933
Bereits tags zuvor, am 28. März 1933, hatte sich Joseph Goebbels
im Berliner 'Kaiserhof' - in diesem Hotel residierte Hitler und für die NSDAP
war ein Stockwerk als Parteizentrale reserviert - mit Filmschaffenden, vor allem
der UFA wie auch von Bavaria Film, Berlin-Film, Terra Film, Tobis AG zu einer
Besprechung getroffen.
Die UFA war durch den völkischen Geist, der in ihr herrschte, perfekt auf die
Zwecke der nationalsozialistischen Propaganda zugeschnitten, so stand die UFA
den Aufklärungsbemühungen von Joseph Goebbels zur Verfügung.
Daher beschloss der Vorstand der UFA - in vorauseilendem Gehorsam - gegenüber
dem nationalsozialistischen Regime ab 29. März 1933, sich von zahlreichen
jüdischen Mitarbeitern zu trennen, während das NS-Regime erst im Sommer des
Jahres mit der Einrichtung der Reichsfilmkammer eine Verordnung zum Ausschluss
jüdischer Filmschaffender erließ.
Im Zuge dieser Aktionen, wurde der UFA-Film 'Das Testament des Dr. Mabuse' von
Fritz Lang verboten.
Joseph Goebbels vermerkte zu diesem Film in seinem Tagebuch:
„Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen.“
Tags darauf, am 29. März 1933 dann leitete Goebbels
eine Besprechung mit Referenten seines Ministeriums.
Er hatte junge willfährige Parteimitglieder als Mitarbeiter schon in der Zeit
der Übernahme der Gauleitung Berlin am 28. Oktober 1926 um sich geschart. Fast
100 von den später 350 Angestellten des Reichspropagandaministeriums trugen das
goldene Parteiabzeichen.
Mit diesen - meist promovierten - Intellektuellen organisierte man für den 1.
April 1933 den 'Judenboykott' - wiederum im Partei-Ersatzgebäude 'Hotel
Kaiserhof', mit dem das 'Deutschtum' wieder hergestellt werden sollte.
Auch der Film könne nur im 'deutschen Wesen die Wurzeln seiner Kraft' finden.
Das Papier musste in größter Eile bis zum Abend des Tages fertig gestellt
werden, im Kabinett sei die Billigung des Boykottaufrufs sicher - damit waren
Länder und Kommunen im Rahmen der 'Gleichschaltung' in der Hand der Partei.
Goebbels konnte in Augenschein nehmen, dass schon der, nur auf einen Tag
zeitlich begrenzte, Boykott, Wirkung zeigte, denn in der Berliner
Tauentzienstraße waren alle Judengeschäfte geschlossen.
Vor den Läden standen SA-Posten - das Publikum stimmte den Vorgängen zu und
tausende Berliner Arbeiter und Hitler-Jungens marschierten im Lustgarten auf, um
sich solidarisch zu erklären.
Hier wollte man dem Ausland zeigen, wie man eine ganze Nation aufrufen könne,
gegen Diffamierungen aus dem Ausland zu protestieren, ohne dass es zu
turbulenten Ausschreitungen komme.
Das Ausland solle gefälligst seine Informationen über Deutschland nicht von
jüdischen Emigranten beziehen.
Thema des Tages - 28. Dezember 2019
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Die LATTE LIEGT JETZT SEHR HOCH |
… titelte die Hannoversche Allgemeine und zitierte die
Geschäftsführerin der Nds. Staatsoper Hannover GmbH.
Was meint sie mit ‘Latte‘?
Was meint sie mit ‘sehr hoch‘?
- Meint sie, die Qualität der von ihr seit September 2019, dem Beginn ihres
Vertrages in Han-
nover, vorgestellten Produktionen, läge hoch?
- Meint sie, die Produktion der ‘Tosca‘, bei der das Stück durch Verfälschungen
nicht mehr
erkennbar ist und damit der Bildungsauftrag nicht erfüllt wird?
- Meint sie die Ballettproduktion ‘Nijinski‘, die dem Publikum ein, künstlerisch
gesehen, un-
ergiebiges Armschwenken unter Absonderung von Röchellauten durch die Tänzer
bietet?
- Meint sie die Produktion von ‘Die Jüdin‘, bei der das Thema des Konstanzer
Konzils von
1414 bis 1418 mit Drei-Päpste-Problematik, Reformation und hasserfülltem
Gebaren des
Juweliers Eléazar nicht gerecht wird, seine Rachsucht bis hin zur Opferung der
Ziehtochter
Recha völlig außer Acht lässt, wenn die Regie den Sänger auf Larmoyanz
reduziert, statt
einen Shylock zu zeigen. Dem Sujet broadwayhafte Mätzchen überstülpt, um
ausschließlich
dem unbedarften Publikum gefallen zu wollen und zu stürmischem Beifall zu
animieren?
- Meint sie ‘Märchen im Grand Hotel‘ - das Operetten-Lustspiel-Musical, das vom
Stoff und
von der musikalischen Ausarbeitung ausgehend - nichts hergibt, so dass es seit
der Urauffüh-
rung 1934 in ganzen drei Produktionen gezeigt wurde?
Gerade diese ‘Märchen im Grand Hotel‘ kann sie nicht meinen, wenn
denn dem Thema ‘Antisemitismus‘ und dessen Anprangerung keinerlei Raum gegeben
wird.
Weder in der Einführung vor der Vorstellung, noch im Programmheft der Nds.
Staatsoper
Hannover GmbH wird auf das extreme Leid der beiden jüdischen Textdichter in
deutlicher
Form eingegangen, so zum Beispiel nicht auf
Alfred Grünwald,
- der in Wien als Sohn des aus
Budapest zugewanderten Hutfabrikanten
Moritz Grünwald und
seiner Frau Emma, geb. Donath, aufwuchs. Der nach dem Besuch des
Realgymnasiums als
Komparse und Chorsänger an Wiener Theatern sowie als Aushilfe in einer Wiener
Thea-
teragentur tätig war;
- der, nachdem er schon in der Schule mit dem Schreiben begonnen hatte, als
Feuilletonist
und Theaterkritiker für das
Neue Wiener Journal arbeitete;
- der sich zu einem der erfolgreichsten Textdichter der Zeit nach dem Ersten
Weltkrieg ent-
wickelte;
- der zusammen mit u.a. mit den Komponisten Paul Abraham, Leo Fall, Emmerich
Kálmán,
Franz Lehár, Oscar Straus und Robert Stolz Welterfolge schuf.
Nach dem ‘Anschluss‘ Österreichs
1938 wurde Grünwald von der Gestapo verhaftet, weil er Jude war. Als er
vorübergehend auf freien Fuß gesetzt wurde, nutzte er die Gelegenheit und
flüchtete nach Paris. Da er in Nordamerika aufgrund seiner erfolgreichen
Bühnenstücke bekannt war, konnte er zwei Jahre später mit seiner Frau Mila
Löwenstein und seinem
Sohn über Casablanca und Lissabon in die Vereinigten Staaten emigrieren.
Und
nicht auf
Fritz Löhner-Beda,
dessen gemeinsam mit von
Franz Lehar geschriebene Operette 'Der Zarewitsch', das Publikum im Deutschen
Künstlertheater am 21. Februar 1927 in Berlin zum ersten Mal sah und hörte. Die
wie auch 'Das Land des Lächelns' als ein für Richard Tauber geschriebenes Werk
gilt.
Zusammen mit Ludwig Herzer als Co-Autor, Franz Lehár als Komponisten und Richard
Tauber als Sänger schuf Fritz Löhner-Beda die Operetten Friederike (1928), Das
Land des Lächelns (1929), Schön ist die Welt (1930) und - mit Paul Knepler als
Co-Autor - Giuditta (1934) von Lehár später dem Diktator Benito Mussolini
gewidmet). Mit seinem Freund Alfred Grünwald als Co-Autor und Paul Abraham als
Komponisten entstanden ‘Viktoria und ihr Husar‘ (1930), ‘Die Blume von Hawaii‘
(1931) und ‘Ball im Savoy‘ (1932). Er war Vizepräsident des Österreichischen
Schriftstellerverbandes und Mitarbeiter des Jüdisch-Politischen Kabaretts.
Am 20. Januar 1934 kam in Wien ‘Giuditta‘ von Franz Lehár zur Uraufführung.
Die Arie „Freunde, das Leben ist lebenswert“ erklang zum ersten Mal.
Der Librettist und Schlagerautor Fritz Löhner-Beda hatte es allen Kritikern
erneut gezeigt: Kitsch verkauft sich immer noch am besten. Er feierte den
grandiosen Erfolg mit zwei guten Freunden, dem Musiker Hermann Leopoldi und dem
Kabarettisten Fritz Grünbaum. Die drei Künstler ahnten nicht, wie unsicher und
gefährdet ihre Zukunft ist. Vier Jahre später sitzen sie hinter Stacheldraht.
Während Leopoldi auf ein Visum zur Ausreise in die USA wartet, Grünbaum mit dem
Tod Schabernack treibt, hofft der Librettist auf rettende Fürsprache durch den
Operettenzar Franz Lehár. Sagte man ihm nicht einen direkten Draht zum Führer
nach?
Lehar aber war im Dritten Reich in die Kritik geraten, da er in den meisten
Fällen, Texte von jüdischen Autoren verwendete.
Am 13. März 1938, unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an das
nationalsozialistische Deutsche Reich, wurde Löhner-Beda mit dem ersten
‘Prominententransport‘ am 1. April 1938 in das KZ Dachau gebracht und am 23.
September 1938 ins KZ Buchenwald deportiert. Dort schrieb er Ende 1938 in
Zusammenarbeit mit dem gleichfalls verschleppten Komponisten Hermann Leopoldi
‘Das Buchenwaldlied‘, dessen Refrain lautet:
„O Buchenwald, ich
kann dich nicht vergessen,
weil du mein Schicksal bist.
Wer dich verließ, der kann es erst ermessen,
wie wundervoll die Freiheit ist!
O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen,
und was auch unser Schicksal sei,
wir wollen trotzdem Ja zum Leben sagen,
denn einmal kommt der Tag, dann sind wir frei!“
Vergebens hoffte Fritz Löhner-Beda auf eine Fürsprache von Franz Lehár.
Für die Behauptung in der Literatur, Lehár sei eigens nach Berlin gefahren und habe Hitler gebeten, sich für die Entlassung Löhner-Bedas einzusetzen, gibt es bislang keine Belege.
Im Gegenteil behauptete Lehár nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gespräch mit Peter Edel, dass er nichts gewusst habe.
Zum Thema jüdische Textdichter - speziell dem Leben von Fritz
Löhner-Beda - schrieb der Schweizer Autor Charles Lewinsky ein Stück 'Freunde,
das Leben ist lebenswert'.
Dieses Werk kam in der Regie von Gudrun Orsky während der
'Regensburger Ära Weil' ins Theater im Velodrom. Für die Bevölkerung musste ein
Schild aufgestellt werden, dass es sich hier um ein Schauspiel handelt.
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Zitat |
Nun spielt die Nds. Staatsoper Hannover GmbH ein Werk von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda, ohne auf die antijüdischen Quälereien durch die Nationalsozialisten einzugehen, unter denen sie bis zu ihrem Tod zu leiden hatten.
Nur an ganz wenigen
Häusern wurde ‘Märchen im Grand Hotel‘ seit 1934 gegeben. Mainz hatte es im
Spielplan und die KO in Berlin, dort konzertant und Meiningen in der
musikalischen Leitung von Peter Leipold, der in Hannover an der HMTM Dirigieren
studierte und danach das junge Schostakowitsch-Orchester leitete.
Paul Abraham hatte von 1910 bis 1916 in Budapest studiert, war Dirigent am
Budapester Operettentheater und entdeckte hier sein eigentliches Talent: das
leichte Genre. In der Jugend hatte er sich auch mit Kammer- und Orchestermusik
beschäftigt und Anerkennung gefunden.
Nach dem ersten Erfolg mit der Operette ‘Der Gatte des Fräuleins‘ folgte 1930 im
Theater an der Wien die überarbeiteten Operette Viktória (unter dem neuen Namen
‘Viktoria und ihr Husar‘), 1931 in Leipzig die ‘Blume von Hawaii‘ und 1932 der
‘Ball im Savoy‘ schuf er zusammen mit den Librettisten Alfred Grünwald und Fritz
Löhner-Beda die erfolgreichsten musikalischen Bühnenstücke in ganz Europa. Durch
seine modernen Kompositionen, in denen er traditionelle Elemente mit jazzigen
Rhythmen kombinierte, galt er als der Erneuerer und Retter des etwas in die
Jahre gekommenen Genres Operette. Gleichzeitig steuerte er die Musik zu
zahlreichen Filmen aus Produktionen in Deutschland und im europäischen Ausland
bei.
Andere Komponisten folgten Abrahams Stil, kopierten ihn, konnten aber ‘im Reich‘
bleiben und die Erfolge ausbauen, während Abraham als Jude zunächst nach
Österreich, dann nach Ungarn – dort konnte er in den 1930ern noch die
Operetten ‘Märchen im Grandhotel‘, ‘Dschainah‘ und ‘Roxy und ihr Wunderteam‘
herausbringen, dann musste er aufgrund der faschistischen Umtriebe, die auch
Ungarn erreicht hatten, Budapest verlassen und weiter
über Kuba in die USA emigrieren.
Nach Paul Abrahams großen Erfolgen in Wien und Berlin in den 1920-er und 1930-er
Jahren folgten, wohl auch durch die durch die Emigration bedingte Entwurzelung,
keine durchschlagenden Ergebnisse mehr.
In Amerika fristete er sein Leben als Barpianist, kehrte 1956 – nachdem die
Bundesrepublik mit den USA die Fragen der Ausreise des ungarischen Staatsbürgers
geklärt hatte – auf Initiative eines maßgeblich von Walter Anatole Persich in
Hamburg gegründeten Paul-Abraham-Komitees nach Deutschland zurück.
1960 starb Paul Abraham in Hamburg an den Spätfolgen einer syphilitischen
Infektion.
In der Rezension zu
‘Märchen im Grand Hotel‘ des gütigen HAZ-Kritikers Rainer Wagner vom 18.
November 2019 wird auf Seite 25 mit keinem Wort die Situation der jüdischen
Textdichter – speziell im Fall Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda - in
Nazi-Deutschland erwähnt.
Dass allerdings im Programmheft zur Produktion der Nds. Staatsoper Hannover GmbH
auf das Elend der beiden jüdischen Textdichter nicht eingegangen wird, lässt
einen nicht wiedergutzumachenden Schaden entstehen.
Aber, was will man denn auch erwarten.
Wurde doch im Hinterzimmer im Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur unter
grüner ministerieller Leitung – es gab keine öffentliche Ausschreibung der
Planstelle ‘Opernintendanz‘, von Transparenz also keine Rede – da es nach Rolf
Bolwin, ehemaliger geschäftsführender Direktor des
Deutschen Bühnenvereins anlässlich eines
Gesprächs in Regensburg, es bei mittleren Häusern üblich sei, telefonisch
rumzufragen:
„Ich brauch‘ ‘nen Intendanten! Weiss‘te keinen?“ –
verfahren, was dann in Hannover zu dem jetzt bekannten Ergebnis geführt hat.
Hier der Schlusspunkt der bisherigen Misere:
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Richtigstellung
In der letzten Ausgabe – der Nr. 28 – hatten wir veröffentlicht,
bei dem Konzert in Ölbronn habe ein Laienorchester mitgewirkt.
Dies ist falsch. Richtig ist vielmehr:
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Wir bitten in jeder Hinsicht um Entschuldigung.
Was andere schrieben
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Berlin, Komische Oper: Was für eine Musik! Welten prallen aufeinander im
riesigen Orchester, das nicht nur im Graben sitzt, sondern auch links
und rechts auf der Bühne, vereinzelt auch im Parkett und auf den Rängen:
Blechklangklawinen rollen gegen spitze Holzblas-Töne, mischen sich mit
lasziven Streichern. Plötzlich Stille. In sie hinein singt eine
Tenorstimme... Die Stimme gehört Dionysos, dem jungen Gott, der nach
'Theben kommt, um sich an deren Bewohnern zu rächen, weil sie seine
Göttlichkeit nicht anerkennen... Wystan Hugh Auden und Chester Kaliman,
die Librettisten von Hans Werner Henzes 1966 uraufgeführter Oper „The
Bassarids"
Oft bevölkert der schwarz gewandete Chor mit bleichen Gesichtern die von
den Bläsern flankierten Treppen, hockt dort erwartungsvoll, gefangen in
einer rituellen Choreografie... Wenn Dionysos und Pentheus
aufeinandertreffen, beweist Barrie Kosky wieder einmal, welch ein
Meister der Personenführung er ist... Kein Wunder, dass der Kampf der beiden Alphamänner im Kuss mündet. Schließlich sind sie zwei Seiten einer Medaille, was Henze so auch komponiert. Die Leidtragenden sind die anderen, der erst taumelnde, dann entsetzte Chor, der hier - erweitert um das Vocalconsort Berlin - beeindruckend Klangfarben und emotionale Ausnahmezustände balanciert... All das koordiniert Viadimir Jurowski am Pult mit einer bewunderungswürdig gespannten Lässigkeit... Es gibt Momente, da wirkt das Haus zu klein für diese Wucht, halb Machtdemonstration, halb Verführung. Und doch kann man sich ihr nicht entziehen.
GEORG KASCH - BERLINER
MORGENPOST, 15.10.2019 |
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Zitat Berlin, Staatsoper: ... Daniel Barenboim hat sein Debüt als Spielopern-Deuter sorgfältig vorbereitet... Klangästhetisch ( ... ) blickt der Generalmusikdirektor der Lindenoper weniger gen Süden... Er denkt die Partitur eher nach vorne, in Richtung des „Meistersinger von Nürnberg"-Tonfalls, weil Richard Wagner nun einmal sein Leib-und-Magen-Komponist ist... Insofern war die überraschende Wahl von drei ausgewiesenen Wagner-Interpreten für die Hauptpartien dieser „Lustigen Weiber" strategisch sinnvoll. Zumal das Trio spürbar Spaß hat, mal nicht todernst sein zu müssen... Aber es gibt auch ein Problem: Vor lauter Freude über die eigene Begeisterung am Schwankhaften haben Kreativteam und Solisten vergessen, eine Haltung zum Stück zu entwickeln... Regisseur David Bösch scheint bei der Vorbereitung darüber nicht nachgedacht zu haben. Ebenso wenig wie über die Frage, was so faszinierend an der Figur des Falstaff ist, dass er als Held eines Drei-Stunden-Spektakels taugt... Das Finale ist der Schwachpunkt der Oper... David Bösch ( ... ) lässt seine Akteure hier völlig alleine, zitiert spaßeshalber opulente Friedrichstadtpalast-Optik, steckt Chor und Solisten in Sadomaso-Outfits. Das ist zu wenig.
FREDERIK HANSSEN - DER
TAGESSPIEGEL, 04.10.2019 |
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Zitat Berlin, Deutsche Oper: ... Das Ächzen im Publikum der Deutschen Oper - an diesem Abend zeigt es sich äußerst reizbar - nimmt zu, die hämischen Kommentare auch, und als wenig später erneut ein Darsteller auf der Bühne erscheint, um einen Text zu rezitieren, ist es erst einmal aus: „Musik! Musik!" oder auch »Wir wollen unseren Verdi wieder haben!"... Ein hübsches Skandälchen, das sich zwischenzeitlich so gaudihaft ausnimmt, als sei es ein offizieller Teil dieser neuen Inszenierung von Giuseppe Verdis »Macht des Schicksals". Frank Castorf jedenfalls ( ... ) sieht nicht unzufrieden aus, als er am Ende vor den Vorhang tritt... Die Unruhe im Publikum setzt zu einem Zeitpunkt ein, da die Inszenierung - nicht zuletzt durch die Textcollagen - eigentlich an Fahrt aufnimmt. Zuvor herrschte bemerkenswerte Langeweile... Sänger und Chor stehen (.‚.) meist unversorgt herum... Die Ablenkung von den Sängern lässt hervortreten, was Castorf am Stück besonders interessiert: das Panorama des Krieges, das sich hinter der Liebesgeschichte zwischen Leonora und dem von einer Inka-Prinzessin abstammenden Don Alvaro auftut... Ähnlich nett wird dazu musiziert: vom Orchester der Deutschen Oper, das Jordi Bernäcer solide durch das Werk führt, ohne bemerkbare Akzente zu setzen...
CLEMENS HAUSTEIN -
BERLINER ZEITUNG, 09.09.2019 |
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Zitat Heidelberg: So viele Menschen im Foyer - und fast alle singen! Das Stück, das die neue Saison am Theater der Stadt Heidelberg eröffnet, beginnt lange, bevor der Vorhang hochgeht... Ein Stück, das den Chor in den Mittelpunkt stellt, wurde von den Machern Tom Ryser und Ulrike Schumann versprochen, und genau das wird hier auch serviert... Ein Teil des Opernchors stellte sich hier individuell vor, während ein „Regisseur" (selbst Mitglied des Chores) für raschen Wechsel und manche Nervosität sorgte. Es wurde deutlich, dass der Opernchor international breit aufgestellt ist und jeder eine eigene Sängerkarriere mitbringt, die er als Chorist meist verstecken muss. Das ist ein lustiges Auf und Ab, das neben sängerischen Qualitäten ( ... ) ganz nebenbei auch manches komödiantische Talent zeigt. Wenn der Chor schließlich formiert ist und seine erste Probe bestanden hat, öffnet sich die Bühne nach hinten, und die Zuschauer werden gebeten mitzukommen. So gerät man mitten in das parallel auf der großen Bühne stattfindende Tableau: Hier wird nämlich gerade mit herausragenden Beispielen der Opern-Chorliteratur die Musikgeschichte vom „Urknall" bis zu Puccini durchexerziert... Das Philharmonische Orchester und der quirlig agierende Opernchor sowie der Extra-Chor stehen hier unter der Leitung von Ines Kaun... Nicht nur der Bewegungs-Chor brachte Schwung in den Abend: Viele Zuschauer fühlten sich animiert, tatkräftig mitzusingen. Gibt es besseren Zuspruch?
MATTHIAS ROTH -
RHEIN-NECKAR-ZEITUNG, 30.09.2019 |
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Zitat Wuppertal: ... Die Oper Wuppertal koppelt zwei Strawinsky-Werke zu einem Doppelabend, die Tanzkantate „Les Noces" (Die Hochzeit) und das Opern-Oratorium „Oedipus Rex... Gewiss ist es mutig, die Spielzeit mit vergleichsweise unbekannter Musik zu eröffnen statt mit einem Blockbuster à la Tosca... Das Publikum reagiert begeistert auf eine Produktion, die unerwartet intensiv und spannend ist und viel Erkenntnisgewinn birgt. Der junge russische Regisseur Timofey Kulyabin aus Nowosibirsk ist eine Entdeckung des Wuppertaler Opernintendanten Berthold Schneider... Nun verortet Kulyabin den Ödipus-Mythos in das randständige Milieu eines südosteuropäischen Clans mitten in einer westlichen Großstadt... Kulyabin und sein Team erschaffen aus dem Opernchor und den Solisten eine regelrechte soziale Skulptur, Bilder und Personenführung sind derart fein gearbeitet und differenziert, dass sie bereits ohne Musik eine Geschichte erzählen... Kapellmeister Johannes Pell und die Wuppertaler Sinfoniker spielen den mit Pause gut zweistündigen Abend wie mit einem einzigen atemlosen Herzschlag... Der Chor übernimmt die Hauptrolle und singt einfach großartig... Selten war Oper so spannend.
MONIKA WILLER -
WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, 16.09.2019 |
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Zitat Essen: Für Opernregisseur Philipp Himmelmann steht außer Frage, was zu einem guten Blatt im Musiktheater gehört: ein ausgewähltes Ensemble, ein guter Chor und ein exzellentes Orchester. Weil er alle drei im Aalto-'Theater vorfindet, mischt der gefragte Regisseur ( ... ) mit Pjotr I. Tschaikowskis Meisterwerk „Pique Dame" nun in Essen die Karten neu. Dass die 1890 uraufgeführte Oper um den jungen, zerrissenen und mittellosen Offizier Hermann und seine Spielsucht noch viel mit unserer Zeit zu tun hat, liegt für Himmelmann auf der Hand. Und so fokussiert der 57-Jährige den Abend auf das „großartige musikalische Psychogramm" eines Außenseiters, der sein Glück am Ende weder in der Liebe zu der jungen, aber bereits mit dem Fürsten Jelezki verlobten Lisa noch im Spiel findet... Das Bühnenbild von Johannes Leiacker verorte das Stück nun in einer nahen Zukunft, „nach der Zivilisation, wie wir sie kennen", verrät Himmelmann... Und so, wie sich Traum, Mystik und Realität vermischen, lässt Himmelmann auch die Zeitebenen in dieser Traumwirklichkeit wirbeln. Als sei das Leben ein Loop wiederkehrender Szenen, ein ständiger Wechsel von Täuschung und Selbsttäuschung, der zumindest in der Originalvorlage für alle Beteiligten tödlich ist...
MARTINA SCHÜRMANN - WAZ
09.10.2019 |
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Zitat Oldenburg: Die Waschküche, aus der am Anfang von Richard Wagners „Rheingold" in Oldenburg den Rheintöchtern von Wotan der Ring gestohlen wird, ist nun am Oldenburgischen Staatstheater wieder zu sehen: in der „Götterdämmerung", die am Wochenende ihre zu Recht umjubelte Premiere hatte. Der Regisseur Paul Esterhazy wiederholt mit der ungemein geschickt genutzten Drehbühne (Mathis Neidhardt) mehrere Bühnenbilder - wie auch schon für „Die Walküre" und „Siegfried... Mit der Welt der „Götterdämmerung" zeigt der Österreicher Peter Esterhazy einmal mehr seine Politik- und machtkritische Sicht, indem die Personen keine Götter, sondern in einem schweizerischen Bergdorf böse, sich belauernde und zerstörerische Menschen sind...
Siegfried, der nach Verabreichung des Zaubertranks seine Vergangenheit
vergisst, (...) wird wunderbar von Zoltän Nyäri (...) verkörpert. Das
und vieles mehr ist psychologisch fein herausgearbeitet und sorgt für
fünfeinhalb Stunden krimiartige Spannung... Toll auch der Chor als ein
Haufen zur Passivität verdammter Menschen.
UTE SCHALZ-LAURENJZE -
KREISZEITUNG, 28.09.19 |
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Zitat
Mainz: Von einer ruhigen, dabei beunruhigenden Intensität ist die
Aufführung von Modest Mussorgskijs Oper „Boris Godunow" am Staatstheater
Mainz. Die Inszenierung von Wolfgang Nägele ist zurückhaltend, ohne
lasch zu sein, das Dirigat von Hermann Bäumer, vorzüglich unterstützt
vom Orchester, hat einen Zug ins Große, auch regelrecht Lautstarke, ohne
über die Vielfarbigkeit hinwegzugehen... Großartig dabei die Leistung
des Mainzer Chores (einstudiert von Sebastian Hernandez-Laverny), der
noch im donnernden Getöse seine Kompaktheit wahrt.
JUDITH VON STERNBURG -
FRANKFURTER RUNDSCHAU, 27.10.2019 |
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Zitat
Kiel: ... Korngold hatte in Georges Rodenbachs ( ... ) symbolistischem
Roman „Das tote Brügge" ( ... ) das richtige Sujet gefunden... Zusammen
mit dem Übersetzer und seinem Vater Julius Korngold ( ... ) baute Erich
Wolfgang Korngold die Handlung um, machte die Begegnung mit der Tänzerin
Marietta zu einer Traumaffäre... Das noch recht junge Regieteam mit
Luise Kautz an der Spitze ( ... ) verfolgte einen Plan, der sich einem
simplen Realismus näherte...
ARNDT VOSS - NMZ ONLINE,
23.10.2019 |
Kalenderblätter
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Annelie Waas ... am 2. Februar 1930 geboren / Foto: privat |
Von Jugend an fiel sie bereits durch ihre
glockenhelle Sopranstimme auf.
Sie absolvierte schon früh Soloauftritte bei den örtlichen Gesangsvereinen
Liedertafel und Sängerbund.
Mit 17 Jahren begeisterte sie bereits „Im weißen Rössel“ das Publikum.
Da war es klar, sie musste Gesang studieren, was sie dann an der Opernschule
Frankfurt tat.
Nachdem sie den Landeswettbewerb für junge Sänger gewonnen hatte, erfolgte 1955
das erste Engagement nach Kaiserslautern. Damals, wie auch Mannheim, ein
Sprungbrett für den Sängernachwuchs. Dort konnte sie sich viele Opernpartien
erarbeiten und so ihre ausdrucksstarke Stimme weiterentwickeln.
Außerdem gefiel sie auch dem Publikum durch ihre große Bühnenpräsenz.
1961 dann gelang ihr Debüt an der Bayerischen Staatsoper mit der Mimi in ‘La
Bohème‘.
Mit allen großen Kollegen und Dirigenten der damaligen Zeit stand sie dort auf
der Bühne. Unter anderem war sie die erste ‘Anna Bolena‘ an diesem Haus. Dort
wurde sie auch zur Kammersängerin ernannt.
Ihr Repertoire umfasste viele Opernpartien, sowie auch leichte Muse, geistliche
Musik bis hin zu zeitgenössischen Komponisten.
Die ALLGEMEINE ZEITUNG MAINZ schrieb:
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Zitat Das Repertoire von Annelie Waas ist riesig. Sie singt unter anderem die Pamina in der „Zauberflöte“, die Gräfin in Figaros Hochzeit von Mozart, gibt eine der Walküren in der Wagner-Oper, brilliert in der Titelrolle von Anna Bolena von Gaetano Donizetti. Die inhaltliche Spannbreite ist enorm, reicht von der leichten Muse über die geistliche Musik und die alten Meister bis hin zu den zeitgenössischen Komponisten. Zu ihren Lieblingsrollen zählt die Marie in Alban Bergs „Wozzeck“, wo der Komponist bereits Elemente der Zwölftonmusik einführte. Gerne gesungen hat sie auch im „König Hirsch“ des Komponisten Hans Werner Henze, der vier Jahre älter war als sie und ebenfalls an einer neuen Musiksprache arbeitete. Zitatende |
Mit der Münchner Oper
gastierte sie in Japan, im Vatikan und durfte auch mal der Queen die Hand
schütteln.
Ihre Bühnenkarriere endete mit 54 Jahren und sie kehrte in ihre Heimatstadt
Hochheim zurück, wo sie bis heute lebt.
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Man täuschte sich.
In dem riesigen Körper mit mehr 200 cm Größe saß nicht der wilde Held, sondern
ein zartbesaiteter Mensch, dem der Liedgesang besonders am Herzen lag.
Hier besonders hervorzuheben eine seiner letzten Aufnahmen mit Schuberts
‘Winterreise.
Nach Helsinki und 1961 Stockholm, wo er den Sparafucile im Rigoletto sang,
führte ihn seine Karriere bereits ab 1962 an die Deutsche Oper Berlin.
Bayreuth mit Titurel, Daland, ‘Tannhäuser‘-Landgraf begründete seinen
internationalen Status, den er in jungen Jahren mit wenig Erfahrung und somit
auch schon ein wenig belastet antrat.
1970 – mit 35 Jahren - in Covent Garden die ersten Wagnerrollen und 1973 dort
der erste Gurnemanz.
1974 kam die Met mit Boris hinzu, den er auch 1977 in Paris und in Moskau mit
großem Erfolg sang.
In Salzburg war er Commendatore im ‘Giovanni‘, Großinquisitor und Philipp im
‘Don Carlo‘.
Von 1972 bis 1979 leitete er das wiedererstandene Festival von Savonlinna, wo er
1973 den Sarastro sang.
Statt in Zukunft weiterhin im Sommer von Festival zu Festival zu eilen, kümmerte
er sich lieber um das Einbringen der Ernte auf seinem Landgut in Finnland.
Das Laute, das Auftrumpfende, das Überdimensionale, das man eigentlich seiner
Figur zuschreiben würde, passte nicht zu ihm.
Ein Marke oder ein Boris lagen ihm mehr, als der ‘grimme Hagen‘, den er
natürlich auch zu verkörpern hatte.
Selbstdarstellung wie sie heute zum internationalen Opernbetrieb gehört, lag ihm
somit überhaupt nicht.
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Zitat Elegantissimo: Zum Tode des Bassisten Cesare SiepiVeröffentlicht am 09.07.2010 | Lesedauer: 2 Minuten
Feuilletonmitarbeiter In einer Zeit, da sich Don Giovanni noch als Edelmann in Samt und Seide und mit Ohrring präsentieren durfte und nicht als ausgebranntes Liebeswürstchen zwischen gefrorenen Schweinehälften, da war er unangefochten "der König der Bässe": Keiner sang so fulminant und elegant, so warmherzig und abgründig, so bühnenfüllend und dabei doch in jeder Rolle neu aufgehend wie der Italiener Cesare Siepi. Ein schöner, ein majestätischer Mann, dazu ein Bühnentier, das spielen wollte, mit einer vitalen, dabei beweglich schlanken und immer wiedererkennbar grundierten Stimme. Er war ein Ideal, an dem sich alle Nachfolger messen mussten. Und mit dem alle zusammenarbeiten wollten, seit er mit achtzehn Jahren 1941 in einem italienischen Provinztheater als Sparafucile im "Rigoletto" debütiert hatte. Und Verdi blieb Siepi immer treu, er veredelte "Aida", "Don Carlos", "Die Macht des Schicksals" oder "Nabucco" mit seiner unvergesslichen Stimme. Er war auch als Fiesling stets Gentleman und als Dandy so erotisch prickelnd wie abgefeimt dunkel. Cesare Siepi - und das kann man auf vielen CDs hören - gelangen nicht nur ausgefeilte Singporträts, sondern dreidimensionale Charaktere. Er muss wie ein Wirbelsturm gewirkt haben, in einer Zeit, in der manche Sänger noch wie Musiktruhen agierten. Cesare Siepi hat so singend wie
spielend Weltkarriere gemacht, war in Salzburg, Wien, London, New York,
Buenos Aires und Mailand zu Hause. Er war ein hinreißend aufmüpfiger,
dabei sinnlich girrender Figaro, gleichzeitig ein skurriler Don Basilio
bei Rossini, der seine Größe auch als komisches Element einzusetzen
wusste und ein so wuchtiger wie teuflischer Mephistopheles bei Gounod
und Boito. Das von ihm vorgeführte Idealbild eines basso cantante
ist seither nicht mehr erreicht worden. Selbst Wilhelm Furtwängler wurde
von ihm entzündet, bis heute brennt in dem klassischen "Don
Giovanni"-Film von 1954 die Luft.
Zitat
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Edith Mathis
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In Luzern, wo sie geboren wurde und ihre Ausbildung erhielt,
begann sie am dortigen Theater mit dem zweiten Knaben in der Zauberflöte.
Ein ab 1959 sich anschließendes Engagement in Köln brachte ihr die ersten
größeren Bühnenerfahrungen unter Wolfgang Sawallisch und Oscar Fritz Schuh, wo
sie Susanna, Zerlina und Ilia sang.
Dazu kam in Glyndebourne der Cherubin wo sie 1965 auch als Sophie im
‘Rosenkavalier‘ auftrat.
1970 war sie in London die Susanna und an der Met im selben Jahr die Pamina,
die Königin Marie in Sutermeisters ‘Le Roi Bérenger‘ 1985 in München.
Besondere Höhepunkte ihrer künstlerischen Laufbahn waren ihre Teilnahme an den
Uraufführungen der Opern ‘Der Zerrissene‘ von Gottfried von Einem am 17.
September 1964 an der Hamburgischen Staatsoper, ‘Der junge Lord‘ von Hans Werner
Henze am 7. April 1965 an der Deutschen Oper Berlin und ‘Hilfe, Hilfe, die
Globolinks‘ von Gian Carlo Menotti am 21. Dezember 1968 an der Hamburgischen
Staatsoper.
1979 wurde Edith Mathis zur bayerischen Kammersängerin ernannt.
Von 1992 bis 2006 war sie Professorin für Lied- und Oratorieninterpretation an
der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
2001 trat sie von der Bühne zurück und leitete fortan zahlreiche Meisterkurse in
Europa, Japan, Korea, Kanada und in den USA. Eine ihrer Schülerinnen ist Diana
Damrau.
Wie Maria Stader, die ebenfalls Schweizerin, wie Erna Berger und wie Elisabeth
Grümmer erhielt sie sich durch intelligenten Einsatz ihrer Möglichkeiten die
jugendhafte Stimme bis ins Alter.
Zum Abschluss ihrer Karriere sang sie 1990 dann sie noch die Marschallin in
Bern.
Die
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mathis" ergab 120 Treffer -
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In Wien geboren, studierte er in seiner Heimatstadt und wurde als
24-Jähriger an das Theater in Graz engagiert.
Bereits ein Jahr später erfolgte der Ruf an die Wiener Staatsoper, der er bis
heute angehört.
Zur Zeit läuft an der Volksoper in Wien eine Produktion der ‘Fledermaus‘, die er
an diesem Theater inszenierte.
Im Sommer 2020 ist er der Kaiser Franz Joseph im ‘Weisen Rössl‘ im Theater Baden
bei Wien.
Mit seinem hellen, hohen Tenor mit fabelhafter Diktion war er prädestiniert für
die Bufforollen des Mozartfaches wie den Pedrillo in der ‘Entführung‘.
Aber auch Wagner konnte er sich erschließen. So war er 1972 bis 1980 in Bayreuth
Loge und Mime und 1974 dort auch der David in ‘Die Meistersinger‘.
Mime und Loge sang er auch 1981 an der Met und 1994 an der Lindenoper in Berlin.
Dort sah man ihn auch als Hauptmann im ‘Wozzeck‘.
Bei den
Salzburger Festspielen war er Bardolfo im
‘Falstaff‘;
er sang dort auch den Valzacchi im ‘Rosenkavalier‘.
Hinzu kam der Schreiber in ‘Chowanschtschina‘,
und den Monostatos in der ‘Zauberflöte‘,
der Regisseur in ‘Un
ré in ascolto‘ wie auch erst kürzlich der Altoum in der ‘Turandot‘.
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Zednik" ergab 40 Treffer -
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Ruth-Margret Pütz ... am 26. Februar 1930 geboren / Foto: privat |
Nur 4 ½ Monate dauerte der Gesangsunterricht
bei einem Bariton namens Berthold Pütz, der nicht mit ihr verwandt war.
1949 kam das erste Engagement an die Kölner Oper durch Herbert Maisch. Es war
der Page im ‘Rigoletto‘.
1951 sang sie schon größere Partien wie das Gretchen im ‘Wildschütz‘ oder Nuri
in ‘Tiefland‘.
Das nächste Engagement erfolgte als
Koloratur-Soubrette an das Opernhaus in Hannover. Dort konnte sie sich schon ein
kleines Repertoire erarbeiten, merkte aber auch, dass ein erneuter
Gesangsunterricht nicht schaden könnte. Den bekam sie dann sechs Jahre lang
durch den Gesangslehrer Otto Köhler.
Die Stimme entwickelte sich dadurch zu einem richtigen Koloratursopran und so
sang sie schon Konstanze in Edinburgh, worauf 1959 ein festes Engagement an das
Stuttgarter Opernhaus erfolgte. Dort debütierte sie mit Zerbinetta und hatte
einen riesigen Erfolg. Mit nur 29 Jahren erhielt sie den Titel einer
Kammersängerin.
Der nächste große Erfolg war die Lucia. Da wurde man auch international auf sie
aufmerksam.
1962 verpflichtete Herbert von Karajan sie an die Wiener Staatsoper, wo sie auch
schon 1958 gastiert hatte. In 9 verschiedenen Rollen und insgesamt 37
Aufführungen sang sie dort von 1958 bis 1970.
Auch Bayreuth meldete sich 1959 und 1960 für Blumenmädchen in ‘Parsifal‘ und
Waldvogel in ‘Siegfried‘.
Sie sang bei den Salzburger Festspielen auch mit Fritz Wunderlich in „Entführung
aus dem Serail“. Es gab auch Gastspiele in Nord- und Südamerika und die damalige
Sowjetunion.
Außer Oper sang sie auch Operette, Lieder, auch moderne Stücke. Sie war eine
gute Darstellerin, die auch sehr komisch sein konnte z.B. ‘Die spanische Stunde‘
in Stuttgart.
Gern gesehener Gast war sie im Fernsehen, so häufig beim ‘Blauen Bock‘. Oft zu
Gast war sie auch in Hamburg. So auch in der Nacht zur Sturmflut 1962. Sie sang
dort in der Musikhalle in Haydens Schöpfung.
36 Jahre lang blieb sie Mitglied im Ensemble der Stuttgarter Oper bis zur
Spielzeit 1994/95. In zahlreichen Tondokumenten wurde ihr Können festgehalten.
Eine lange, künstlerische Freundschaft verband sie mit dem Dirigenten Sergiu
Celibidache. Mit dem Sohn von Ferdinand Leitner war sie verheiratet und hat 2
Töchter.
Von 1989 bis 1992 gab sie ihr Wissen an
der Musikhochschule Trossingen an den Sängernachwuchs weiter.
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Puetz‘ ergab 108 Treffer
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Er
machte seinem Unmut Luft als Siegmund Nimsgern 1983 nach Bayreuth als Wotan
verpflichtet wurde.
Er selber hätte die Rolle gerne gesungen, mutmaßte damals, er sei wegen seiner
dunklen Hautfarbe nicht genommen worden, was eigentlich als absurd anzusehen
ist, da er doch 1978 den Holländer in Bayreuth sang und damit großen Erfolg
hatte.
Wie problematisch zu der Zeit die Rassendiskriminierung sich dokumentierte, ist
an den Wegen von Marian Anderson, Grace Bumbry, Martina Arroyo und auch Jessey
Norman zu erkennen.
Simon Estes, geboren in Centerville, Iowa kam aus kleinen Verhältnissen, der
Vater Bergmann, der Großvater noch als Sklave für 500 Dollar eingekauft,
studierte erst Medizin, hatte dann das Glück, dass der Gesangspädagoge Charles
Kellis die stimmlichen Möglichkeiten erkannte und ihm ein Stipendium an der New
Yorker Julliard School verschaffte.
1965 gewann er einen Gesangswettbewerb in München, was zu einem Engagement an
die Deutsche Oper Berlin führte.
Er ging nach Zürich und ab 1976 sang er an der Met.
In Hamburg sang er 1978 den Philipp im ‘Carlo‘, 1985 den Porgy an der Met, 1986
den Jochanaan in Zürich und 1993 den Boris in Leipzig.
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Hendrikus Rootering war sein Vater, der in den 50-er Jahren als
Tenor an den vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchen-Gladbach unter Erich Schumacher
als Intendant und Romanus Hubertus als GMD engagiert war. Herausragend hier sein
Nemorino im ‘Liebestrank‘.
Vater Hendrikus war der Entdecker, Lehrer und Förderer des Sohnes.
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Zitat
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An der berühmten Academia di Santa Cecilia von Rom erhielt er seine gesangliche
Ausbildung und debütierte 1914 am Theater von Rovigo als Enzo in Ponchiellis ‘La
Gioconda‘.
Nach Auftritten an kleineren und mittleren italienischen Häusern gelang ihm 1918
mit der Partie des Faust in Boitos ‘Mefistofele‘ der Sprung an die Mailänder
Scala, wohin ihn Arturo Toscanini gerufen hatte.
Von hieraus folgte eine glanzvolle Weltkarriere, die den Sänger 1920 wiederum
als Faust in Boitos Oper an die New Yorker Met führte, wo er als der legitime
Nachfolger Enrico Carusos galt.
Die schmelzreiche Stimme mit betörender mezza voce, exquisiten Piani und
kultivierter Phrasierung feierte vor allem in den Fachpartien Verdis: Herzog in
‘Rigoletto‘, Alfred in ‚La Ttraviata‘ und Richard im ‘Maskenball‘ und Puccini:
Cavaradossi in ‘Tosca‘ und Des Grieux in ‚Manon Lescaut‘ Triumphe.
Als Herzog trat er 1924 an der Berliner Linden Oper auf, 1938/39 in Covent
Garden Opera London, 1940 an der Mailänder Scala. 1946 sang er an einem Abend
den Turridu in ‘Cavalleria‘ und den Canio im ‘Bajazzo‘.
1936 umjubelte man ihn bei den Salzburger Festspielen nach einem Konzert im Dom
der Mozartstadt.
1938 kehrte er nochmal an die Met zurück, nachdem er seinen Vertrag mit dem
Institut 1932 wegen Gagenkürzung gekündigt hatte.
Er war häufig in Filmen wie:
zu erleben.
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"Benjamino
Gigli"
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Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger schreibt:
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Zitat
Mobbing
Die Zahl ist gewaltig: Schätzungsweise 1.000.000 Beschäftigte in der Bundesrepublik kämpfen mit dem Problem Mobbing, so Experten. Auch an Theatern wird das Problem schon seit Jahren zunehmend virulent - oder mindestens sichtbar. Was tun?
Mobben meint das wiederholte und regelmäßige,
vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines Menschen
und stammt aus dem Englischen („anpöbeln, angreifen, attackieren"). Das
Problem kann in höchst vielfältigen Erscheinungsformen auftreten. Betroffene fühlen sich meist unsicher wie sie damit umgehen sollen. Eine Empfehlung lautet, dem Täter oder der Täterin Grenzen zu setzen. Das sagt sich leicht dahin, weil es schließlich auch von der eigenen seelischen Verfassung abhängt. Sicher ist es wichtig und richtig, dem Mobber möglichst früh ein klares „Stopp!" zu signalisieren - dieser könnte sich sonst sogar noch bestätigt fühlen. Gleichzeitig kann es dabei helfen, sich selbst nicht mehr als wehrloses Opfer zu fühlen. Dabei ist aber zu bedenken, dass erste Anzeichen einer Gegenwehr womöglich zu einer Eskalation führen. Die eigene Kündigung als Ausweg - laut Studien entscheiden sich etwa 20 Prozent der Mobbingopfer so - ist jedenfalls keine Lösung. Vielmehr können die Betroffenen selbst und auch die Häuser Maßnahmen ergreifen. Es gibt die Betriebs- und Personalräte, immer mehr Theater haben Ansprechstellen geschaffen und schließlich stehen auch die Gewerkschaften ihren Mitgliedern zur Seite. Betroffene, die den oder die Täter nicht selbst zur Rede stellen können, können sich also im ersten Schritt Hilfe innerhalb des Betriebes suchen. Erster Ansprechpartner ist immer der Vorgesetzte, oder falls dieser am Mobbing beteiligt ist, dessen Vorgesetzter. Kollegen kommen genauso als Unterstützung in Frage. Gespräche mit einer Täterin oder einem Täter sollen grundsätzlich zu dritt geführt werden. Als ein nützliches Hilfsmittel für Opfer gilt ein »Mobbingtagebuch", in dem das Opfer den Verlauf der Mobbingsituation so genau wie möglich festhalten soll. Darin sollte auch jedes Mal die Uhrzeit und die jeweilige Situation notiert werden, in der es zu Übergriffen kam, wer welche Handlung begangen hat, wer mit anwesend war und die Situation eventuell mitbekommen hat, und wie er sich dabei gefühlt hat. Eventuelle körperliche oder gesundheitliche Reaktionen als Folge und der zeitliche Abstand, in dem sie aufgetreten sind, werden vermerkt. Auch bietet sich in diesem Tagebuch die Möglichkeit, eventuelle Arztbesuche zu dokumentieren. Sollte es im Extremfall zu einer Gerichtsverhandlung kommen, dient das Mobbingtagebuch als Hilfe zur Beweissicherung. Das Schikanöse am Mobbing liegt in der systematischen Missachtung. Man kann in diesem Zusammenhang auch von einer steten Zermürbung sprechen.
WER MOBBT UND WARUM?
Am Arbeitsplatz lässt sich zwischen Mobbing
durch Vorgesetzte und solchem, das von Mitarbeitern gleicher oder
unterer Rangfolge ausgeht, unterscheiden. Der Psychoterror, der von in
der betrieblichen Hierarchie höher platzierten Personen ausgeht, soll in
40 Prozent der Fälle vorkommen, hinzu kommt horizontales Mobbing: Der
oder die Betroffene wird von hierarchisch gleichgestellten Kollegen
gemobbt. Mehr als 20 Prozent aller Mobbingopfer bezeichnen eine Kollegin
oder einen Kollegen als Täter. Widersprüchlich sind die Angaben zum
Betroffenheitsrisiko der Geschlechter: In großen skandinavischen
Untersuchungen - dort wurde das Problem vor Jahren erstmals thematisiert
-, waren fast immer zwei Drittel der Mobbingopfer Frauen. Dagegen haben
Studien in Deutschland eine eher gleichmäßige Verteilung ergeben. Glaubt
man den Untersuchungen, scheint es aber so zu sein, dass Frauen sich
eher professionellen Rat holen. Männer sind demnach stärker vom
Vorgesetztenmobbing betroffen als Frauen, diese hingegen mehr von
Mobbing durch einen einzelnen Kollegen bzw. eine einzelne Kollegin. Der
Zeitraum, in dem die Gemobbten von einer oder mehreren feindseligen
Handlungen betroffen waren, beträgt im Durchschnitt der abgeschlossenen
Fälle über 16 Monate. Als Ursache für Mobbing gilt der Forschung unter
anderem die Persönlichkeit des Mobbers - Menschen werden zu Mobbern, um
ihr schwaches Selbstvertrauen zu kompensieren. Täterinnen und Täter
benutzen demnach die Opfer als Prügelknaben und als Projektionsfläche
für eigene negative Emotionen.
WAS TUN GEGEN MOBBING? Als zentrale Präventionsmaßnahme gilt der Aufbau einer Organisations- und Führungskultur, die eine konstruktive Zusammenarbeit garantiert,- in der jede und jeder Einzelne von allen wertgeschätzt wird. Sekundäre Maßnahmen sind: Aufklärung (Broschüren, Plakate, Diskussionen), eine betriebsinterne Infrastruktur gegen Mobbing am Arbeitsplatz (etwa Betriebsvereinbarung für Fairness am Arbeitsplatz), die systematische Sammlung von Daten über Mobbing im Betrieb oder die Beseitigung von betrieblichen Rollenkonflikten. An Theatern mit häufig befristeten Projekten, nicht immer festen betriebliche Strukturen, von Abhängigkeit und Nähe bestimmten Anbahnungsphasen für ein Engagement, besteht hier ein besonderer Handlungsbedarf. Unabhängig davon hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht: Er ist verantwortlich für die Gestaltung der Unternehmens- und Führungskultur, für den Arbeitsschutz und für die Intervention in konkreten Mobbing-Fällen. Bei Kenntnis von Mobbing-Vorfällen muss er wirksame Maßnahmen ergreifen. Das können zum Beispiel Mitarbeitergespräche (auch mit Zeugen), Abmahnungen, Versetzungen und notfalls Kündigungen sein. Wenn er diese Aufgabe nicht nachweislich erfüllt, kann er vom Opfer arbeits- und zivilrechtlich belangt werden. Dabei kann Mobbing eigentlich auch nicht im Interesse des Arbeitgebers sein, denn Mobbing macht krank und verursacht erhebliche Kosten. Darüber hinaus sind es aber vor allem die Opfer, die leiden: Regelmäßige feindselige Angriffe rufen negative Gefühle und starke Verunsicherungen bei den Betroffenen hervor. In Umfragen nennen die Opfer am häufigsten Demotivation, starkes Misstrauen, Nervosität, sozialen Rückzug, Ohnmachtsgefühle, innere Kündigung, Leistungs- und Denkblockaden, Selbstzweifel an den eigenen Fähigkeiten, Angstzustände und Konzentrationsschwächen. Letzten Endes kann Mobbing zu Kündigung, Versetzung und Erwerbsunfähigkeit führen. Im Privaten können die Folgen von Mobbing erheblich über einen bloßen Verlust von Lebensqualität hinausgehen. Nach Studien sind fast die Hälfte der Betroffenen länger als sechs Wochen krank.
MOBBING UND DIE JURISTEN
Auf rechtlicher Ebene ist dem Problem nicht
immer leicht beizukommen - die verschiedenen Erscheinungsformen und
Abläufe entziehen sich oft einer klaren Würdigung. Eindeutig ist aber:
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht gilt auch im Verhältnis von
Arbeitgeber und Arbeitnehmer - will sagen: der Arbeitnehmer hat einen
Anspruch auf Achtung. Aber: Die einzelne herabwürdigende Handlung oder
Äußerung mag zwar unerhört sein, von Mobbing kann dann aber noch nicht
gesprochen werden. Hier geht es um eine systematische, prozesshafte
Beeinträchtigung. Die Juristen sprechen von einem gestreckten Prozess,
der vielfaches Einzelverhalten zusammenfasst, aus dem sich eine gegen
die oder den Betroffenen gerichtete Zielrichtung erkennen lässt.
Allerdings hat auch kein Arbeitnehmer ein Recht auf kritikfreies
Wohlgefühl am Arbeitsplatz. Beständige Abmahnungen sind nicht von
vornherein eine rechtswidrige Verletzung der Persönlichkeit, das gilt
auch für unangenehme Anweisungen. Nur wenn dahinter ausschließlich ein
Schikanewille steht, kann von Mobbing gesprochen werden.
Jörg Rowohlt |
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Zitat Mobbing in Japan Wenn Schüler keinen anderen Ausweg als den Tod sehen Insgesamt 224.540 Schüler aus der Grund-, Mittel- und Oberschule in Japan waren 2015 Opfer von Mobbing in der Schule. Das ergaben Ergebnisse einer Studie des japanischen Erziehungsministeriums. Zwar ist das Mobbing von Mitschülern kein spezifisch japanisches Problem, jedoch hat das Drangsalieren von Mitschülern in Japan so bedrohliche Ausmaße genommen, dass selbst die Regierung bemüht ist, dieses schwerwiegende nationale Problem einzudämmen.
„Zwar möchte ich
noch nicht sterben, aber so weiterzumachen wäre die Hölle auf Erden.“
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Die deutschen
Musiktheater
Die Lindenoper
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Zitat Im Zuge der baulichen Erweiterung der Berliner Innenstadt unter Friedrich II. gehörte die Errichtung eines neuen Opernhauses vor den Fenstern des Kronprinzen Palais auf dem Reitweg Unter den Linden. Zum Baumeister wurde Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ernannt, der für den König bereits einige kleinere Bauten errichtet hatte. Das neue Opernhaus ’Unter den Linden’ konnte schließlich am 7.12.1742 mit ’Caesar und Cleopatra’, einer Oper des ersten preußischen Hofkapellmeisters Karl Heinrich Graun feierlich eröffnet werden. Die Rheinsberger Hofkapelle wurde in der Folge die Basis für das Opernorchester. Die ersten berühmten Künstler, die an das Theater gebunden werden konnten, waren als Primadonna Giovanna Turca, die eine der besten Stimmen ihrer Zeit besessen haben soll, engagiert. 1751 nahm der Bühnen Architekt und Dekorationsmaler Guiseppe Galli-Bibiena seine Berliner Tätigkeit auf, die bis zu seinem Tod 1757 dauern sollte. Während des siebenjährigen Krieges wurde das Opernhaus im Oktober 1760 durch eine Kanonenkugel beschädigt. Schwerer wog jedoch, dass der König das Interesse an der Oper zu verlieren begann, seine entsprechenden Gagen nicht mehr zahlte und so die erstklassigen Solisten einbüßte. Schließlich wurde das allmählich verwahrlosende Theater vorübergehend geschlossen. In den folgenden Jahrzehnten führte es ein - von wenigen Ausnahmen abgesehen - glanzloses Dasein. 1781 beehrte der König das Theater zum letzten Mal. Mit seinem Besuch bis zu seinem Tode 1786 hatte es dann nicht mehr betreten. Der Nachfolger Friedrich Wilhelm II. ordnete die Zusammenlegung der Opernkapelle und der Kronprinzlichen Kapelle an, wodurch ein großes Orchester gebildet wurde, das den kompositorischen Ansprüchen des Hofkapellmeisters Reinhardt genügte. Vergrößert - und so im Niveau verbessert - wurde auch das Ballett, nachdem 1788 Albert Lauchery als Ballettmeister eingestellt worden war. Auch hatte man am Theater Umbauten vorgenommen, wodurch günstigere Sichtverhältnisse und eine Vergrößerung des Bühnen-Portals erzielt worden waren. Das renovierte Haus wurde am 11.1.1788 mit Reicharts Oper ’Andromeda‘ eröffnet. Im August 1820 wurde der namhafte Komponist Gasparo Spontini an die Berliner Oper berufen und als erster musikalischer Leiter mit dem Titel ’Generalmusikdirektor’ ausgezeichnet. 1819 kam seine Oper ’Olympia’ zur Aufführung. Er verstand sich jedoch äußerst schlecht mit dem Generalintendanten Brühl, der seine Vollmachten durch Spontini eingeengt sah. Auch Brühls Nachfolger, Graf Wilhelm von Rädern, setzte alles daran, die Macht des bei Hof beliebten Spontini zu begrenzen. Spontinis Überheblichkeit und Willkür in dienstlichen Belangen kamen ihm zu Hilfe. Die zahllosen Streitigkeiten führten schließlich zu einem Strafverfahren wegen Majestätsbeleidigung. Als Spontini am 2. April 1841 trotz Warnungen der Polizei selbst wieder an das Dirigentenpult trat, um ‘Don Giovanni‘ zu leiten, kam es zu einem Skandal. Spontini wurde pensioniert und kehrte nach Paris zurück. Am 11.6.1842 kam Giacomo Meyerbeers ’Robert der Teufel’ in Berlin heraus, mit dem er bereits 1832 großen Erfolg gehabt hatte. Meyerbeer wurde zum neuen Generalmusikdirektor ernannt. Am 18.8.1843 brannte die Oper ab, wurde jedoch binnen kurzer Frist im alten Stil wieder aufgebaut und am 7.12.1844 mit Meyerbeers Singspiel ’Ein Feldlager in Schlesien‘ festlich eröffnet. In dieser Zeit trat die berühmte Koloratur-Sopranistin Jenny Lind erstmals in Berlin auf. Im März 1852 wurde ein neuer Generalintendant formell in sein Amt eingeführt, der allein schon durch die Dauer seiner 35 Amtsjahre die Entwicklung des Berliner-Theater und Opern-Lebens nachhaltig beeinflusste. Botho von Hülsen war ein konservativer königlich preußischer Hofbeamter, der seine Geschäfte mit großer Strenge und Energie führte. Er brachte das übliche romantische Opernrepertoire in ausgezeichneter Besetzung, wehrte sich jedoch zunächst gegen Werke Wagners, den er wegen dessen politischer Gesinnung auch persönlich ablehnte. Erst als Wagner auch in konservativen Kreisen zu Ansehen gelangte, gab Hülsen nach. 1856 ließ er ‘Tannhäuser‘, 1859 ‘Lohengrin‘, 1884 ‘Die Walküre‘ und 1885 ‘Siegfried‘ aufführen, wobei ihm Albert Niemann als damals bester Wagner Tenor zur Verfügung stand. Obwohl Hülsen für Wagner sogar einen Empfang gab, verhinderte er nach wie vor die zyklische Aufführung des ’Ring des Nibelungen’, der auf Betreiben Wagners schließlich im Berliner Victoria Theater zur Aufführung gelangte. Für die Opern Verdis hingegen setzte sich Hülsen intensiv ein. Sänger und Tänzer aus vielen Ländern gastierten ständig an der Linden Oper und insbesondere im Ballett brachte die Ära Hülsen einen beträchtlichen Aufschwung. Unter den Gesangstars jener Zeit sind neben Albert Niemann besonders der Bassbariton Franz Betz, der Tenor Gustave Roger und der als ‘Postillion von Lonjumeau’ berühmt gewordene Theodor Wachtel, ferner Pauline Lucca und Lilli Lehmann hervorzuheben. Hatte die Ära Hülsen auf sängerischem und tänzerischem Gebiet ein hohes Niveau gebracht, so folgte 1886 zunächst unter der Intendanz Hans Heinrich Bolko Graf von Hochberg eine Zeit der großen Dirigenten, was insofern von Bedeutung war als seit der Gründung der Berliner Philharmoniker 1882 das Publikum an deren Konzerten Interesse gewonnen hatte. Der erste bedeutende Dirigent war 1888 Josef Sucher neben den - ab 1891 - Felix von Weingartner und als dritter Spitzendirigent Karl Muck traten. 1898 gab es in Berlin einen neuen Opernleiter in der Person von Richard Strauss, der sich sofort mit einer exemplarischen Aufführung des ’Tristan’ durchsetzte. Seine eigenen Werke durften in Berlin wegen der ablehnenden Haltung des Königs nicht aufgeführt werden. Die als unmoralisch geltende Strauss-Oper ’Salome’ führte unter anderem das Ende der Intendanz Hochberg herbei; dieser wurde unter dem Vorwand gestürzt, er habe die Aufführung doch zugelassen. Unter seinem Nachfolger Georg von Hülsen dirigierten an der Berliner Oper Bruno Walter Franz Schalk und Leo Blech, der 1906 erster Hofkapellmeister wurde und von einer kurzen Unterbrechung abgesehen bis 1935 der Lindenoper verbunden blieb. 1904 ordnete Wilhelm II. unter dem Eindruck eines Theaterbrandes in Chicago erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an. 1910 folgten Überlegungen ein ganz neues Opernhaus zu errichten, jedoch wurden diese Pläne bis zum Kriegsausbruch nicht mehr realisiert. 1924 wurde Erich Kleiber zum neuen Generalmusikdirektor ernannt. Er führte am 17.3.1924 Janacecks ’Jenufa’ zum Erfolg. Das folgende Jahr brachte mit der Uraufführung von Alban Bergs ’Wozzeck’ - ein künstlerisches Ereignis von Weltrang. Im Mai 1926 begann ein großzügiger Umbau der Lindenoper, deren Ensemble zwischenzeitlich im Gebäude der Kroll-Oper sowie im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt spielte. Unter der Intendanz von Heinz Tietjen wurde das Haus am 28.4.1928 mit der ’Zauberflöte’ neu eröffnet. Im Mai 1929 gastierten die Mailänder Scala und Arturo Toscanini mit ’Falstaff’, ’Aida’, ’Der Troubadour‘ und ’Manon Lescaut’. Am 5.5.1930 dirigierte Erich Kleiber die Uraufführung von Milhauds ’Christoph Columbus’. 1933 wurde der Vertrag von Otto Klemperer durch die Nationalsozialisten gelöst und Wilhelm Furtwängler übernahm die Stellung des ersten Staatskapellmeisters. Als weiterer Dirigent wurde Robert Heger verpflichtet. Nach Furtwänglers Rücktritt 1935 hatte Clemens Krauss für ein Jahr lang die Leitung der Oper inne. Die musikalischen Höhepunkte in der Zeit waren die Wagnerabende in Tietjens Regie mit dem Bühnenbildern von Emil Preetorius, der noch in den 50er Jahren in Wien den ’Ring’ ausstattete. Die neuen Stars hießen Maria Cebotari, Erna Berger, Maria Müller, Helge Ros- vaenge, Max Lorenz, Marcel Wittrich und Franz Völker. Das Jahr 1938 brachte die Uraufführung von Werner Egks ’Peer Gynt’ und eine Neuinszenierung der ’Zauberflöte’ durch Gustav Gründgens mit Herbert von Karajan. Die ersten Kriegsschäden erlebt die Oper 1941. 1945 wurde das neu aufgebaute Gebäude zum zweiten Mal zerstört. Schon im August 1945 nahm die Staatsoper den Nachkriegs-Spielbetrieb im Admiralspalast nahe dem Bahnhof Friedrichstraße mit Glucks ’Orpheus und Eurydike’ auf. Die Intendanz hatte Ernst Legal übernommen, der schon in der alten Kroll Oper als Regisseur mitgewirkt hatte und als Antifaschist galt. In den folgenden Jahren wurde rasch ein neues Repertoire erarbeitet und unter den Ensemblemitgliedern tauchten nun Peter Anders, Erich Witte, Tiana Lemnitz und Josef Greindl auf. Leiterin des Balletts wurde Tatjana Gsowski. Unter den Dirigenten sind Josef Keilberth, Hermann Abendroth, Leopold Ludwig, Hans Knappertsbusch und Georg Solti zu finden. Eines der bedeutendsten Ereignisse der ersten Jahre war am 12.10.1951 die Uraufführung von Paul Dessaus Oper ’Die Verurteilung des Lukullus’, Text von Bertolt Brecht. Am 17.6.1951 hatte Erich Kleiber erstmals wieder nach 36 Jahren in Berlin den ’Rosenkavalier’ dirigiert und in diesem Jahr wurde auch der Wiederaufbau des Knobelsdorffschen Gebäudes im alten Stil beschlossen. Zitatende Quelle: Hermes Handlexikon - 1983 – Verlag Econ |
Pressemitteilung
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Verwaltungsrat beschließt dritte Verlängerung von Intendant Jens Neundorff von Enzberg am Theater Regensburg bis 2027
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Verwaltungsrat des Theaters Regensburg mit seiner Vorsitzenden Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat den Vertrag des Intendanten Jens Neundorff von Enzberg, der zum 1. September 2022 enden würde, für weitere fünf Jahre, bis 31. August 2027, verlängert.
Seit September 2012 ist Neundorff von Enzberg künstlerischer Vorstand und Intendant des Theaters Regensburg, das mit seinen Produktionen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist und zahlreiche künstlerische Akzente gesetzt hat. „Da es sich bei Theaterproduktionen um längerfristig angelegte Projekte handelt, ist es Usus, eine Vertragsverlängerung rechtzeitig in die Wege zu leiten“, so Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Jens Neundorff von Enzberg ist es gelungen, das Theater Regensburg in den letzten sieben Jahren überregional durch hohe künstlerische Qualität und Mut zu positionieren, ohne das Regensburger Publikum aus den Augen zu verlieren, das sich mit stetig steigenden Abonnenten-Zahlen bedankt. Seine Neugier auf ungewöhnliche Spielorte hat uns unvergessliche Momente im Steinbruch, im Hafen und auf der Walhalla beschert. Ich bin gespannt auf die neuen Projekte und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit!“
Auch Jens Neundorff von Enzberg ist froh darüber, die Geschicke des Theaters weiter lenken zu dürfen: „Ich freue mich sehr über dieses vorzeitige Angebot der Vertragsverlängerung, dem ich gerne zugesagt habe. Es macht große Freude, in Regensburg Theater zu machen, und es gibt noch viele künstlerische Herausforderungen, denen wir uns gerne stellen möchten. Die Akzeptanz unserer Arbeit beim Publikum macht uns glücklich und ich bin stolz, einem so tollen und kompetenten internationalen Team von über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorstehen zu dürfen.“
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Pressemitteilung
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Aus den
Medien
Am 19. Dezember 2019
berichtete die MZ über einen Vorgang, der vor Gericht landen kann.
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Am 24. Dezember 2019 berichtete die HAZ über einen Vorgang vor Gericht.
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Zitat Vergleich vorm Arbeitsgericht von Michael Zgoll
Einem Bratschisten des Staatsorchesters der das niedersächsische Staatstheater Hannover aufgrund eines unautorisierten Fotos im Programmheft 2019 / 2020 wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt hat, ist ein Teilerfolg beschert worden. Das Amtsgericht Hannover konnte die Parteien am Donnerstag nach zähen Verhandlungen zum Vergleich bewegen. Danach wird der Musiker auch künftig an Fotoshootings teilnehmen, jedoch muss sein Arbeitgeber die Bilder vor einer Veröffentlichung dem Orchestervorstand - eine Mitarbeitervertretung - übermitteln und bei Bedarf eine Stellungnahme entgegennehmen. Wie der Bratschist in der Verhandlung erklärte, sei der Vorstand 2019 mit diesem Anliegen beim Staatstheater dreimal gescheitert. Schmerzensgeld gibt es nicht Zu dem Vergleich zählt auch der Hinweis, dass der Orchestervorstand über die Fotos im Rahmen des Tarifvertrags verfügen darf, sprich: die Musiker fragen kann, ob ihnen ihr Konterfei gefällt. Das Vetorecht eines einzelnen Musikers, dem Staatstheater die Veröffentlichung eines missliebigen Fotos zu untersagen, gibt es aber nicht - auch diese Klarstellung ist Bestandteil des Vergleichs. Vom Tisch ist zudem die Forderung des Ensemblemitglieds auf Zahlung eines Schmerzensgeldes zwischen 2500 und 5000 Euro Das beanstandete Bild hatte erstmals ein neuer Fotograf, Sven Marquardt, gefertigt. Es dient der Ankündigung eines Symphonie Konzerts von Anton Bruckner und zeigt die Gesichter von 9 Musikern in Schwarz-Weiß-Optik. Dabei schaut der Kläger leicht zur Seite und hat die Augen nur halb geöffnet was ihm nicht gefiel.
Foto im Internet gelöscht Das Staatstheater hatte im Vorfeld des Prozesses bereits reagiert und die Abbildung in der Onlinefassung der Programmankündigung entfernt.
Aus dem Spielzeitheft 2019 / 2020 in einer Auflage von
30.000 Exemplaren unters Volk gebracht, konnte man das umstrittene Bild
aber nicht mehr herausschneiden.
Verwundert zeigte sich das Gericht auch darüber, mit welchem Ernst die Parteien um die Fotorechte streiten.
Bei der Verhandlung klang aber
an, dass es um die Stimmung zwischen den Musikern und der Staatstheater
GmbH laut Anwältin des Klägers nicht zum Besten stehe. |
„Rettung auf Raten.“
„Hoffentlich!“
Stadttheater Landshut
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ten ist die Zukunft des Stadttheaters
Landshut noch nicht beendet, aber nur vorläufig. Was ist passiert? 2014
musste das Stadttheater in Landshut seine altehrwürdige, aber marode
Spielstätte im Berniochnerkomplex an der Isar verlassen. Bestandsschutz
und Ausnahmegenehmigungen halfen nichts mehr, der Spielbetrieb dort
musste eingestellt werden. Eine Interimslösung musste her. Man entschied
sich für den Kauf eines Theaterzeltes und verlagerte den gesamten
Betrieb in eine kleine Container- und Wellblechlandschaft an den
Stadtrand von Landshut auf ein Messegelände. Die Bühne wurde größer, die
Arbeitsbedingungen fragwürdig. Verendende Ratten unter der
Damengarderobe sind da noch das kleinste Problem. Im Winter frieren die
Rohre zu, im Sommer wird es im Zelt, auf der Probebühne und auch in
allen Containern schnell 40 Grad heiss, unter der Zirkuskuppel oben bei
der Technik auch 50 Grad.
Die Stadt nahm aber Geld in die Hand, löste
juristische Probleme, kaufte ein Grundstück dazu und entwickelte das
Konzept, der Sanierung des alten Bestandes einen Erweiterungsbau
hinzuzufügen, der mit einer neuen Spielstätte versehen, auch den
wirtschaftlichen Betrieb zukunftsfest machen würde. Der Freistaat Bayern
versprach sich mit 75% an den Kosten, etwa 50 Millionen, zu beteiligen,
ein Architekturwettbewerb wurde durchgeführt und mit dem Siegerentwurf
ging man in die konkreten Planungen über. Noch zur Spielzeiteröffnung im
September 2019 wurde ein Rückzug in den Bernlochnerkomplex für 2025
zugesagt. Ende Oktober bei der Haushaltsklausur für den Haushalt 2020 platzte dann die Bombe. Die Stadt Landshut habe kein Geld, alle nicht dringend notwendigen Investitionen und Sanierungen würden sofort eingestellt, so auch die Sanierung des Stadttheaters. Ab 2024 werde man dann sehen, ob und wie man weitermache. Das unzumutbare Theaterzelt-Provisorium würde so zu einer Dauereinrichtung, mindestens bis in die 30er-Jahre. Die Theaterbeschäftigten fühlten sich hintergangen und starteten eine erfolgreiche Online-Petition, Intendant Stefan Tuch protestierte und kündigte an, Vorstellungen abzusagen, Premieren zu verschieben oder Proben auszusetzen, weil er die Arbeitsbedingungen nicht weiter verantworten könne.
Die GDBA formulierte einen Offenen Brief an den OB und
die Stadtratsmitglieder: '...sollte man sich nicht zu einer positiven
Lösung entschließen können, müsse sich die Gewerkschaft um
rechtskonforme Arbeitsbedingungen bemühen.' Die Kuh ist nicht vom Eis Die erzeugte mediale Aufmerksamkeit sowie die deutlichen Reaktionen der Landshuter Bürgerschaft zeitigten Wirkung: Im Haushaltsausschuss stimmten letztlich alle Parteien einem Kompromiss zu, der 1,85 Millionen für weitere Planungen zumindest in den Etat 2020 einsetzt. Allerdings: Die mittelfristige Finanzplanung weist für die Folgejahre weiterhin exakt null Euro aus - aber der Stadtrat will mit der Staatsregierung in München über einen höheren Finanzierungsanteil reden.
Inzwischen hat OB Putz auf den Offenen Brief der GDBA reagiert. Tenor: Wir bemühen uns ja, aber das Geld ist knapp. Die Gewerbesteuereinnahmen seien niedriger als geplant, Schul- und andere Projekte dafür teurer. Der GDBA-Landesvorsitzende Klaus Müller ärgert sich: „Uns wird mit viel vorgeführter politischer Verantwortung das untere Minimum an vorläufiger, eigentlich nur vertagter ‚Lösung' als Erfolg verkauft." Einmal mehr folge der Hinweis auf die „Pflichtaufgaben" der Kommune, denen der Vorzug gegeben werden müsse. Die geltenden politischen Rahmenbedingungen machten es den Verantwortlichen einfach zu leicht, „Kultur als Kür" zu begreifen. Der Verweis auf die nötigen Nachverhandlungen mit der Landesregierung lasse vermuten, dass durchaus strategisch mit dem Druck des Aussitzens und Vertagens einer soliden Lösung umgegangen wird. Scheint, als sei die Kuh tatsächlich nicht vom Eis - erstmal ist nur gesichert, dass sie nicht einbricht. Zitatende
Quelle: Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger Heft 12 / 2019 – Seite 10 - 11 |
Als GDBA-Obmann vertritt Olaf Schürmann die
Interessen der Beschäftigten vor Ort und streitet gegen prekäre
Arbeitsbedingungen.
Dann geht es uns an den Kragen
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Also sicher nicht, wenn wir nicht mehr wissen
warum. Solange uns ein klares Sanierungsversprechen gegeben war, haben
wir nichts gesagt. Das war quasi immer schon unser Beitrag zu dem ganzen
Projekt. Aber wenn die Stadt jetzt aus der Sanierung aussteigt, ergibt
das keinen Sinn mehr. Ich denke, dass sind wir auch unserem Publikum
schuldig. Das hat ja dieselben Abstriche zu machen, Hitze, Kälte,
Zugluft, Lärmbelästigung.
Wird in Landshut wie schon zuvor in anderen Städten Sport
gegen Kultur ausgespielt? Schließlich hat die Stadt durchaus das Geld
für die Sanierung ihres Eissport-Stadions.
Nein, das wird nicht gegeneinander
ausgespielt, sondern ist klar entschieden. Und zwar für eine
Komplettsanierung des Eisstadions. Ist ja auch in Ordnung. Perfide ist
allerdings, dass die Sanierung des Stadttheaters jetzt gegen die
dringend notwendigen Sanierungen von Schulen und Kitas in Landshut
ausgespielt wird. Leider auch eine übliche Praxis und darüber hinaus
sehr verfänglich.
Am 6. Dezember muss der Kompromiss, auf den
sich die Parteien mehrheitlich verständigt haben, noch durch den
Stadtrat abgesegnet werden. Wenn das geschieht: Wie sehen Sie die
Zukunft des Theaters Landshut? Ich befürchte sehr, dass es scheibchenweise weitergehen wird. Ich will den Verantwortlichen gerne glauben, dass sie dieses gewonnene Jahr jetzt nutzen, um alles daran zu setzen, doch noch eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Aber ohne die heftigen und deutlichen Reaktionen aus der Bevölkerung und von den Gewerkschaften und Verbänden wären wir nicht mal an dem Punkt. In Budweis wartet man, glaube ich, schon seit 60 Jahren auf eine Sanierung. Aber soviel Zeit haben wir einfach nicht mehr in diesem Zelt. Und dann geht es dem Stadttheater und auch dem Zweckverband, also uns allen, an den Kragen.
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Das Musical-Unternehmen Stage
Entertainment
zieht sich komplett aus dem Ruhrgebiet zurück.
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Zitat Die Standorte in Oberhausen und Essen werden im Laufe des kommenden Jahres geschlossen.
Im
Oberhausener Metronom Theater zeigt Stage seit 15 Jahren Musicals. Nun
soll noch bis zum 22. März 2020 ‚‘Tanz der Vampire‘ laufen. Danach endet
die Tradition. Die Produktionen hätten, so Stage, kein hinreichend
großes Publikum für ein dauerhaftprofitables Geschäft gefunden. Von dem
Aus werden 88 Mitarbeiter betroffen sein. Stage will sich »um hohe
Sozialverträglichkeit bemühen. |
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Zitat Zitatende |
Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung - 07. 12. 2019
Leserbriefe
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Noch ein Leserbrief:
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Ein weiterer Leserbrief
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Ein Leserbrief als Nachtrag zum
Kalenderblatt 23. Dezember
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Vieles vom Leben und Schaffen der Koloratur-Ausnahmesopranistin Edita Gruberova wurde schon veröffentlicht. Mein Bericht beginnt so ca. im Jahr 2005.
Das Publikum bemerkte noch nichts, sie aber hatte das Gefühl, dass einiges beim Singen nicht mehr so leicht ging, wie in der Vergangenheit. Eine HNO Ärztin in München empfahl ihr, es doch mal bei der Stimmtherapeutin Gudrun Ayasse zu probieren. Gesagt, getan und dort musste sie erfahren, dass ihre Technik nicht bzw. nicht mehr optimal ist. So ließ sie sich auf das mühsame Unterfangen ein, die Technik total umzustellen und auch Frau Ayasse zu vertrauen. Diese Veränderung oder nennen wir es Optimierung der Technik ging natürlich nicht von heute auf morgen. Es war ein mühsamer Prozess, der sich über einige Jahre hinzog. Aber dadurch wurde es möglich, dass sie auch jetzt noch im „zarten Alter“, wie sie selbst zu sagen pflegt, von nunmehr 73 Jahren noch immer die saubersten Koloraturen mit höchsten Tönen ohne Wackler singen kann. Inzwischen ist sie 3-fache Oma! Niemand ist das je in dieser Stimmkategorie gelungen. Wie macht sie das? Disziplin, Brennen für die Bühne, mindestens 4 Tage Pause zwischen einzelnen Auftritten und niemals über Fach singen. Sie erzählte uns selbst, dass sie am Anfang der Laufbahn nur schön gesungen hat und erst mit zunehmender Erfahrung diese Koloraturpartien auch mit Leben füllen konnte. Heute ist es ihr egal, wie ihr Gesicht beim Singen aussieht. Es empfiehlt sich wirklich in einer der ersten Reihen zu sitzen, um die Emotionen in ihrem Gesicht beim Singen mitzuerleben. Und sie singt auswendig in Konzerten, auch konzertante Opern auch wenn alle Mitstreiter die Notenständer vor der Nase haben. Alle, die diese große Künstlerin, die total bodenständig geblieben ist, in ihrer Freizeit am liebsten im Garten buddelt, je live erleben durften, können sich glücklich schätzen. Sie ist bestimmt die letzte Primadonna in positivem Sinn mit einer riesigen Fangemeinde.
Ihre Paraderolle „Lucia di Lammermoor“ sang sie zum letzten Mal szenisch mit riesigem Erfolg im Februar 2019 in Budapest. Der Abschied von der Opernbühne war ja, wie bereits berichtet, am 27.März 2019 in München mit einer fulminanten „Elisabetta“ in „Roberto Devereux“. Jetzt gibt es nur noch hie und da ein paar Konzerte. Da ragt heraus die erste China-Tournee im Oktober 2019. Dort wurde sie bei 4 Konzerten in 4 verschiedenen Städten gefeiert wie ein Popstar. Sie sang dort auch 2 Lieder auf chinesisch! Im Dezember gab es in Augsburg/Gersthofen ein Konzert mit Liedern im ersten Teil und Arien im 2. Teil. Das Publikum tobte über 8 Strauss-Liedern, Frühlingsstimmenwalzer, Rosina, Beatrice di Tenda, Ophèlie und 4 Zugaben mit La Wally. Ach, wir armen Primadonnen, sie ist da ganz Komödiantin und beide Adele Arien aus der Fledermaus, die sie übrigens dann auch hinreißend spielt und auch der Pianist macht da zur Freude des Publikums jedesmal mit. In 2020 wird es ein Konzert im Teatro Maggio Musicale Fiorentino geben und im August in Klagenfurt. Inzwischen konnte sie ihr Können auch an den Sängernachwuchs weitergeben. Ich hatte das Glück, eine Woche im Juli 2019 in Bad Häring dabei zu sein. Das Herrliche dabei war, sie hat selbst vorgespielt und vorgesungen, dabei auch Sachen, die schon lange nicht mehr in ihrem Repertoire zu finden sind, wie Gilda, Olympia, Puritani und Mozarts Konzertarien. Und sie war zu allen liebenswürdig und hatte viel Geduld, die auch nötig war; denn von Technik hatten die meisten keine Ahnung. Ihr ständiger Begleiter am Klavier und als Dirigent ist der ausgezeichnete Peter Valentovic. Im Juli 2020 wird es wieder einen Meisterkurs in Bad Häring geben und im August in Lübeck.
Auf zahlreichen CD's und DVD's wurde ihr Können festgehalten und auch Youtube bietet sehr viele Aufnahmen, die viel von der Künstlerin und ihr Wirken zeigen.
Ruth Tipton
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Kommentar
In der Nr. 28 erwähnten
wir eine Äußerung von Andre Breth zum Thema Regisseurstheater.
Hier nun eine Aussage von Dieter David Scholz:
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Zitat Kein Begriff ist derzeit unter Opernbesuchern wie - Regisseuren, Kritikern wie Publikum so in der Diskussion wie der des "Regietheaters". Dabei geht es letztlich um die Frage nach der "Werktreue". Wie weit darf ein Regisseur mit seiner Neudeutung einer Oper gehen? Was ist eigentlich ein Werk, und was bedeutet Treue gegenüber dem Werk? Diesen Fragen ist ein Symposium an der Universität Zürich vor zwei Jahren nachgegangen. Zur genaueren Klärung der vielbenutzten, aber uneindeutigen Begriffe hat Gerhard Brunner, Leiter des Züricher Universiätslehrgangs "Executive Master in Arts Administration" fünf Wissenschaftler, 4 Regisseure und 5 Kritiker bzw. Medienvertreten eingeladen. Ihre Beiträge sind bei Böhlau/Oldenbourg veröffentlicht worden. Gerhard Brunner und Sarah Zalfen haben sie als Buch herausgegeben. 224 Seiten. 29,80 Euro. Verdis "Rigoletto" auf dem Planeten der Affen, Mozarts "Entführung aus dem Serail" im Bordell oder Wagners "Lohengrin" im Klassenzimmer: Wer hätte nicht derlei Beispiele sogenannten "Regietheaters" immer wieder erlebt, Inszenierungen, die den Eindruck nahelegen, dass für viele Opernregisseure die Begriffe "Werk" und "Werktreue" keine Rolle mehr spielen. Die Oper scheint heute vor allem eine Spielwiese egomanischer Regisseure geworden zu sein, die sich selbst wichtiger nehmen als das "Werk". Verständlich, dass viele von ihnen den Begriff "Regietheater" rundweg ablehnen. Der Musikwissenschaftler Anselm Gerhard nennt "Werktreue" denn auch einen "Phantombegriff", auf den man besser verzichten solle, da ihm jede "Trennschärfe" fehle, "jede Möglichkeit, den vertrackten Widersprüchen und Aporien einer vom Historismus geprägten Kultur gerecht zu werden, die darauf beharrt, vor allem vergangene Werke in die Gegenwart einer heutigen Bühnenaufführung zu transformieren". Der Theaterwissenschaftler Sieghard Döhring macht die "Aufwertung des Szenischen in der Geschichte der Oper" verantwortlich dafür, dass Regie und Bühnenbild oftmals über Musik und Intention eines Werks gestellt werden. Und er fragt zurecht: Steht Regie tatsächlich immer im Dienst der "Wahrheit eines Werks"? So gegensätzlich sie waren: Bei Wieland Wagner oder Lucchino Visconti durfte man diese Frage wohl noch eindeutig bejahen. Aber heute? Salomonisch unterscheidet Döhring zwischen statischem und dynamischem Werkbegriff. "Ein dynamischer Werkbegriff verhelfe der Aufführung "neben dem Text zu ihrem ganz eigenen Recht". Döhring beklagt dennoch die zunehmende Abkehr vom Werkbegriff. Der Musik- und Theaterwissenschaftler Rainer Simon spricht in seinem Essay sogar von der vorherrschenden "Treulosigkeit" dem Werk gegenüber. Für Regisseur Peter Konwitschny bedeutet die Frage nach Werk und "Werktreue" die Alternative zwischen "totem oder lebendigem Theater". Stücke seien schließlich dazu da, "dass wir etwas an unserer Existenz verändern", so Konwitschny. Er hat es uns ja in seinen Inszenierungen, ich erinnere nur an seinen "Don Giovanni", exemplarisch vorgeführt, dass es ihm mehr um seine Existenz, seine Erotik, seine Weltsicht geht, statt um die des Komponisten bzw. Librettisten. Zu schweigen von der des Zuschauers. Ein für viele heutige Regisseure bezeichnender, arroganter Standpunkt. Der Dirigent und Musikologe Peter Gülke protestiert denn auch dagegen und erinnert daran, dass es doch so etwas wie die "Würde" des Werks gebe, den "Ankergrund unserer kulturellen Identität". Doch er ist ein einsamer Rufer in der Wüste. Auch Regisseur Christof Loy, der am Beispiel seiner Inszenierung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" Einblicke gibt in "Gefühls- und Gedankenprozesse" der szenischen Realisierung eines Werks", distanziert sich vom Begriff der Werktreue. "Was zähle, sei einzig die Aufführung in der Gegenwart". Die Regisseurin Tatjana Gürbaca macht deutlich - und sie belegt es mit Interviews, die sie mit Regie-studenten führte - dass für die jüngste Generation von Regisseuren "Werktreue" nicht nur ein zu vernachlässigender, sondern geradezu ein negativ besetzter Begriff sei, der keinerlei Berechtigung mehr habe. "Erlaubt ist, was gefällt" so liest man, "Umschreiben der Handlung, Kürzen, Hinzufügen, Umstellen, Parallelmontagen mit Film oder anderen Genres, andere Besetzungen und auch andere Instrumentierungen sind denkbar". Der kleinste gemeinsame Nenner sei, "das Stück ernst zu nehmen". Wenigstens das. Die Debatte um die Werktreue - so wird nach der Lektüre der 13 Beiträge und der 3 Diskussionsnotate deutlich, ist nicht nur eine "Scheindebatte", wie der Journalist Claus Spahn meint, sondern ein offenbar hoffnungsloser Diskurs einander konträr und unvereinbar gegenüberstehender Meinungen und Positionen. Die Kritikerin Christine Lemke-Matwey spricht es aus: Die Regisseure von heute, noch mehr die der Zukunft, wollen sich keinem "Kunst und Ausdruckswillen" mehr unterstellen lassen. Die Oper hat für sie keinen verbindlichen Kunstcharakter mehr. Deshalb gibt es für sie auch keinen verbindlichen Werkbegriff mehr. Schlimmer noch: Lemke-Matwey bilanziert, dass dem Theater "keine Relevanz, keine Wirkung mehr" zukomme. Deshalb werde diese "auch in den Werken nicht mehr aufgesucht". Nichts ist mehr sakrosankt, weder Text, noch Komposition. Ein deprimierendes Fazit. Im
abschließenden Kapitel des Buches - über geschütztes Werk und
Theaterrecht - rechtfertigt der Jurist Peter Mosiman die Abkehr vom
Werkbegriff mit dem juristischen Begriff von der
"Kunstfreiheit". Regisseure wie Dirigenten dürften für
sich in Anspruch nehmen, "dem Autor auf Augenhöhe zu begegnen".
Diese
Anmaßung der Gleichsetzung von totem
Autor und lebendigem Interpret, oftmals von Genie und
Nicht-Genie, sei juristisch abgesichert, wenn "Werk und Inszenierung
einen gemeinsamen Sinn ergeben". Nur dass man sich über den füglich
streiten kann. Und tote Autoren bzw. Komponisten können sich gegen
Vergewaltigung, Missbrauch und Schändung ihrer Werke nicht mehr wehren.
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Gioacchino Rossini
'Der
Barbier von Sevilla'
Giovanni Paisiello - vordem Hofkapellmeister der Kaiserin
Katharina II. von Russland,
danach beim König von Neapel, bis er von Napoleon I. nach Paris
geholt wurde - widmete sich dem 'Barbier' von Beaumarschais - dem Ur-Vater
dieser italienischen Oper.
Er soll sich nicht gegen eine neue Komposition durch Rossini gewehrt,
sondern eher noch Avancen gemacht haben:
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'Ich
zweifle keinesfalls, dass das glänzende Genie des jungen Rivalen dem
alten Thema neue Fröhlichkeit verleihen wird. |
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Zitat
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Es gibt eine Produktion, die in musikalischer
wie in szenischer Hinsicht nicht zu toppen ist.
Am 25. Dezember 1959 sendete das Bayerische Fernsehen die Inszenierung des
‘Barbier‘ von Herbert List aus dem Cuvilliés-Theater
in München.
Am Pult des Bayrischen Staatsorchesters stand Joseph Keilberth.
Die Sänger waren:
Figaro – Hermann Prey
Graf Almaviva – Fritz Wunderlich
Rosina – Erika Köth
Bartolo – Max Proepstl
Basilio – Hans Hotter
Marzelline – Ina Gehrein
Fiorillo – Karl Ostertag
Ein Offizier – Adolf Keil
Der Chor der Bayerischen Staatsoper
Das Orchester der Bayerischen Staatsoper
Foto: Deutsche Grammophon – Wunderlich Medien GbR
Es ist natürlich ein Fehler, sich tags
vor der Vorstellung in Hannover das Meisterwerk von 1959 aus dem Münchener
Cuvilliés-Theater
anzusehen um dann mitzuerleben wie man heutzutage das Meisterwerk Rossinis
spielt und mit Video Mätzchen an die Wand fährt.
Die Bühne in Hannover nach hinten verkleinert bis in die Mitte der neuen
Drehbühne, Kammerspielcharakter dadurch eher gegeben. Man erinnere sich an die
Cenerentola-Vorstellung in der Münchener Staatsoper mit dem Gastspiel der
teuersten Sängerin – Cecilia Bartoli. Die Bühne des großen Hauses hatte man auch
verkleinert, hierfür aber Samtvorhänge benutzt, die Akustik wesentlich
beeinflussten.
In Hannover hinten eine geschlossene Wandfläche, links eine Wand mit einer
Stiege hinauf zu einem Eintritt in einem Raum, daneben eine weitere Wandöffnung.
Unten in der Wand – vor der Treppe – eine Tür, daneben in die Wand eingelassen
eine Art von Briefkästen in der Form von überdimensionierten Rektalkapseln.
Während der Ouvertüre Auftritt Dr, Bartolo unten links durch die Tür. Er
hantiert an den ‘Briefkästen‘ herum, hängt sie um, schaut sich sein Machwerk von
untern an, springt wie ein Geißlein auf der Bühnen herum, dreht Pirouetten und
freut sich offensichtlich über irgendwas und geht nach rechts ab
Durch die gleiche Tür Auftritt eine ältere Dame, wohl Berta, die sich ebenfalls
an den Rektalkapseln zu schaffen macht, sie umhängt und so ein neues Sortierbild
schafft. Auch sie geht nach rechts ab.
Da erscheint eine junge Dame eben aus derselben Tür, aus der schon Dr. Bartolo
und Berta die Bühnen betraten. Sie setzt sich auf die Stiege und kritzelt etwas
auf einen Zettel, den sie dann in einer der Rektalkapseln links neben der Tür
steckt.
Von rechts Auftritt Dr. Bartolo, er geht zur Wand links und sortiert die
Rektalkapseln wieder neu, ändert also das, was die junge Dame da geordnet hat.
Geht mit ihr, die sich sträubt nach rechts ab.
Eingeblendet auf die Projektionsfläche hinten nun – noch immer während der
Ouvertüre, als Wenn man nicht einen Augenblick ohne visuelle Mätzchen die Musik
genießen könne – ein männliches Gesicht und ein weibliches eingeblendet. Er
grinst, sie blickt finster drein.
die beiden Portraits verlöschen, engelendet wird nun das Gesicht eines jungen
Mannes, der Grimassen schneidet.
Die Bühne dreht, links jetzt eine Wand mit heraushängenden Kästen.
Wogegen, wofür – ach, wüsste man’s.
Nr. 1. Introduktion
Auftritt Fiorillo von rechts, sein Gesicht frontal auf der Projektionsfläche zu
sehen, aufgezeichnet von einer Kamera links am Portal,
nachfolgend die Musikanten für das
Piano, pianissimo, redet kein Wort.
Freunde, hierher kommt, hier ist der Ort.1
Von hinten links Aufritt Almaviva, der nun nach rechts spielt, um von der rechts
am Portal befindlichen Kamera ‘eingefangen‘ und hinten auf der Projektionsfläche
von vorne abgebildet zu werden - für die Nr. 2 – Kavatine und Ensemble
Sieh schon die Morgenröte
der Welt entgegenlachen,
Von rechts schiebt sich aus der Wand ein freischwebender Ausleger, er wird
wieder zurückgezogen – vielleicht ein Fehler der Technik - jedenfalls weiß
keiner, was das soll. Wahrscheinlich nur, um ‘action‘ vorzutäuschen. Wohl auch
deswegen fuchteln die Musikanten mit den Händen in der Luft, dann hampeln sie um
den singenden Almaviva herum.
Fiorillo schiebt die Musikanten nach rechts vorne ab, denn das Ständchen hat
nichts gebracht. Auf dem Ausleger rechts ist niemand erschienen.
Dann beide nach links hinten ab für die
Nr. 3 - Kavatine
Bin das Faktotum der schönen Welt, ja ich!
Figaro von rechts gleich links vorne an die Rampe, um eine Großaufnahme seines
Gesichts von der linken Kamera auf rückwärtige Projektionsfläche zu ermöglichen.
Er reißt sich den Ärmel seines bodenlagen dunklen Kittels auf, küsst das
darunter sichtbarwerdende Tattoo – das Publikum jubelt.
Warum? Wofür?
Nr. 4 - Kanzone
Wollet Ihr meinen Namen jetzt
kennen,
sollen ihn meine Lippen Euch nennen.
von Figaro mit übertriebener Mimik und Gestik mitgemimt.
Nr. 5 – Duett
Strahlt auf mich der Blitz
des Goldes,
fühl' ich mich wie umgewandelt,
mit der Textstelle, die keinen Zweifel aufkommen lässt, wann das Stück spielt
FIGARO
Herr, Sie müssen sich verkleiden,
zum Exempel - als Soldat!
GRAF
Als Soldat?
FIGARO
Ja, Seriore!
GRAF
Bin ich Soldat, was tu' ich dann?
FIGARO
Heute kommen neue Truppen!
GRAF
Ja, und ihr Oberst ist mein Freund!
FIGARO
Herrlich geht's!
GRAF
Und weiter?
FIGARO
Ganz einfach - mit dem Einquartierbillette
finden Sie den Eingang frei! -
Nun, was sagen Euer Gnaden?
Dies der erste von den Kniffen!
Die Bühne dreht, es folgt
Nr. 6 - Kavatine
Frag' ich mein beklommen
Herz,
wer so süß es hat bewegt
Rosina hierfür die
Stiege – wie in der ersten Szene – hinauf und wieder herunten zum siebten
Auftritt mit Figaro
Guten Tag, schönes Fräulein!
Screenshot Nds. Staatsoper Hannover GmbH – Foto Sandra Then
Der nach rechts
vorne ab und hiernach Auftritt Bartolo von rechts hinten mit seinen Vorhaltungen
gegenüber Rosina. Die geht schmollend nach rechts hinten ab und auf Bortolo‘s
Berta
erscheint diese durch die Mitte mit einem kräftigen Nieser. Ob sie einen
Schnupfen hat oder schnupft, wird hier nicht klar. Eigentlich müsste sie eine
Schnupftabakdose bei sich haben, un daraus Prisen nehmen, dann wäre die Sache
klar.
Nun Auftritt Don Basilio von rechts hinten. Er tritt zu Bartolo in die Mitte der
Bühne für
die Nr. 7 – Arie
Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen
Weiter soll hier
nichts im Detail beschrieben werden. Man verschaffe sich selbst einen Eindruck
und gehe ins Theater.
Was bei der Inszenierung herauskommt, ist klar ersichtlich:
Es sind plakative Bilder, die den Zuschauer über die überdimensionale
Projektionsdarstellung anspringen und ihn platt machen.
Dabei berichtete doch die Hannoversche Allgemeine Zeitung:
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Zitat |
Screenshot Nds. Staatsoper Hannover GmbH – Foto
Sandra Then
Screenshot Nds. Staatsoper Hannover GmbH – Foto Sandra Then
Gesamtbild vom Zuschauerraum aus gesehen, ohne den hier eingefügten Rahmen
Szenenausschnitt
der Kamera
Screenshots Nds. Staatsoper Hannover GmbH – Fotos Sandra Then
Fazit:
Das Publikum jubelt – man will endlich wieder Spaß haben, egal
was, wie gezeigt wird und dass die Darsteller in der Umsetzung der Charaktere
vor den Kameras maßlos übertreiben.
Wenn denn auch noch der
Fußballclub Hannover 96 am Boden liegt
will man endlich die schreckliche Zeit des Herrn Puhlmann und die des Herrn Dr.
Klügl – auch noch mit einer Vertragsverlängerung– durch das Hinterzimmer des
Nds. Ministeriums für Wissenschaft und Kultur – vergessen.
Die NMZ aus Regensburg
kommentierte den ‘Barbier‘:
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Durch die Großaufnahmen der
Mitwirkenden könne man Zitat „vom Singen alles sehen, die Zunge, den Speichel, den Unterkiefer, die Zahnplomben“ Zitatende Quelle: Neue Musikzeitung – 19. Januar 2020 |
Und die NP Hannover meinte:
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Zitat … Doch obwohl diese Inszenierung insgesamt bestens unterhält und ziemlich sicher eine Besucherhit wird, kann man über ihre spezielle Ästhetik streiten. Denn die Vorstellungskraft des Betrachters blendet sie bis zu einem gewissen Grad aus, und zudem stellt sich die Frage, wie oft ein solcher Ansatz wiederholbar ist. Die Vorstellung, das Opernhaus könne sich auf Dauer immer mehr in einen Kinosaal verwandeln, schmeckt dann doch etwas eigenartig. Zitatende Quelle: Neue Presse Hannover – 20. Januar 2020 – Seite 14 |
Stefan Arndt schrieb:
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Zitat … In gestochen scharfer Nahaufnahme auf der Videowand am hinteren Bühnenende bleibt kein Wimpernschlag unbeobachtet. In den riesig vergrößerten Gesichtern, die hier meist zu sehen sind, spiegeln sich die kleinsten Gefühlsregungen. Übermächtige Bilder Allerding beherrschen diese oft intimen Bilder von der ersten Minute an übermächtig das Geschehen. Dass die Sänger, die auf der großen Leinwand erscheinen, zeitgleich leibhaftig auf der von Oliver Proske ordnungsgemäß mit ihren Türen und Balkonen versehenen Bühne stehen, erscheint dagegen unwichtig. Schließlich wenden sich die Akteure so gut wie nie frontal an das Publikum – sie singen von den Zuschauern weggedreht in eine der Seitenbühnen auf denen die Kameras installiert sind. Woher die Figuren eigentlich kommen und wohin sie nach den Arien gehen, kann man da schnell übersehen. Auf der Videowand sind sie immer schon da. Zitatende Quelle: Hannoversche Allgemeine – 20. Januar 2020 – Seite 23 |
Schlussbemerkung
Man muss sich einen Namen
machen!
Wer in welchem Berufsbereich auch immer Erfolg haben will,
muss sich einen Namen machen.
Geschieht dies durch Können, durch Wissen, durch Fleiß ist es hochachtbar und
führt zu sinnvollen Innovationen zum Nutzen der Gemeinschaft.
Wenn Kunst von Können kommt, ist es auch völlig rechtens sich einen Namen zu
machen. Umso schlimmer ist es aber, wenn selbstbesessene Scharlatane sich auf
Kosten des Steuerzahlers, der laut Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler
23.099 Euro Schulden auf seinen Schultern trägt.
Unter Missbrauch von ‘Freiheit der Kunst‘ Werke der Theater- und Opernliteratur
so verschandeln, dass das Publikum erst protestiert, was von den Regisseuren mit
wohl gefälligen Grinsen kommentiert wird – hat er sich doch mit dem Protest
einen Namen gemacht - und schließlich wegbleibt.
Es ist selbstverständlich, dass jede Epoche, beladen mit ihren spezifischen
Problemen der politischen Situation einen eigenen Blick auf die Werke der
Theaterliteratur hat. Diesen mit Intelligenz Sensibilität und Respekt aus den
großen Werken und ihrer Vielschichtigkeit heraus zu lesen und sichtbar zu
machen, ist Aufgabe der Interpretation.
Am Beispiel von Goethes Faust und seiner vielfältigen Interpretation können wir
ablesen wie viele Facetten ein großes Werk enthält, die je nach Seelenlage der
Zeit in den Vordergrund rücken.
Dasselbe gilt für die großen Sagen und religiösen Traditionen.
Dies sind Werte, die den wahrheitssuchenden Menschen halfen, die Rätsel des
Lebens in Bildern zu fassen.
Diese mit Spott und billigen Showeffekten zu übergießen, damit es sich gut
verkauft, ist energisch abzulehnen.
In der Hoffnung auf einen schönen Abend im Opernhaus sitzt ein Publikum im
Theater, schüttelt innerlich den Kopf über das Erlebte, traut sich aber nicht -
aus Respekt vor den Sängern und der Arbeit der Übrigen - energisch zur
protestieren.
So können die Stückezerstörer ungestört ihr Werk fortsetzen.
Wer am Sonntagmorgen im Bayerischen Fernsehen den Stammtisch sieht, kennt die
Schlussfrage nach Ärger oder Freude der Woche.
Innerhalb meiner Ausbildung an der Folkwanghochschule Essen hatte ich auch
Unterricht in der Tanzabteilung von Kurt Joos, den ich mit Begeisterung erlebt
habe und der mir ein ganzes langes Opernleben nützlich geblieben ist. Ich war
ein Jahrgang mit Pina Bausch, die ich heute noch in ihrer grüblerisch zärtlichen
Art bei ihrem Prüfungstanz sehe - sie hat sich leider hat sie sich zu Tode
geraucht.
Auch habe ich größte Hochachtung vor der unglaublich disziplinierten Tanzkunst,
war mit Tänzerinnen, Tänzern und Ballettmeistern befreundet und schwärmte damals
in München für den unvergesslichen, unvergleichlichen Heino Hallhuber, der sich
in der TV-Produktion: ‘Der Brandner Kaspar und das ewig Leben‘ als hinreißend
schöner und energischer Erzengel Michael unsterblich gemacht hat.
Nun zum Ärger:
Der neue Ballettmeister des Opernhauses Hannover kündigte ein Ballett an:
Nijinski‘. Wer kennt nicht die ‘Balletts Russes‘ unter ihrem Leiter Diaghilew
und dessen ungeheure Strahlkraft auf kreative Kräfte der Zeit.
Als Musik wurden für diesen Hannover’schen Abend angekündigt:
Frédéric Chopin, das Klavierkonzert Nr. 1 E Moll, Opus 11
und sein Klavierkonzert Nr. 2 F-Moll Opus 2. Dazu Claude Debussy: ‘Prélude à
l‘après-midi d’un faune‘ und Libanas ‘Russian Lallaby‘.
Am Klavier saß eine bezaubernde Narmin Najafli, spielte auch genauso bezaubernd
und das Staatsorchester war höchst sensibel unter der freundlich-wachen Leitung
von Valtterri Rauhalammi.
Im Hintergrund sahen wir als Projektion das kindliche Gesicht von Waslaw
Nijinski. Ein russischer Junge, weich, rund, kindlich. Das Programmheft bietet
eine Lebensgeschichte. Er, genial übersensibel, tragisch. Welch ein Stoff!
Und was sehen wir?
Brutale, hässliche Armgymnastik ohne Bezug auf das Thema. Ein bisschen
homoerotisches Geschmuse mit Diaghilew.
Und was hören wir?
Eklige Brüll- und Kotzlaute.
Debussys ‘Faun‘, bezaubernd gespielt vom Nds. Staatsorchester, steht vor meinen
Augen auf als er in Frankfurt von Falco Kapuste so getanzt wurde, dass jeder
Widerstand zwecklos war.
Ich mag nicht mehr auf die Bühne schauen. Das delikate Orchesterspiel ist viel
attraktiver. Ist das der Sinn eines Tanzabends?
Im Programmheft äußert sich der Choreograf:
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Zitat Zitatende |
Aber es gibt auch
Freuden.
Auch die hat mit Tanz zu tun. Hans Fredeweß, Tänzer und Choreograph, sammelt in
Hannover mit Unterstützung von Stadt- und Land, Kinder und Jugendliche aus
kulturell buntgemischten Schulen und erarbeitet mit ihnen Choreographien. Ziel
ist der Abbau von Ängsten und eingetrichterten Vorurteilen. Und so drehen,
kugeln, rutschen, hüpfen laufen Blonde, Schwarzhaarige, Weißhäutige,
Schwarzhäutige, Langmähnige, Kopftüchertragende, Dünne und Dicke, Ängstliche und
Kesse mit Spaß über die Bühne und die Eltern sind begeistert und stolz.
Na also, es geht doch!
Die zweite Freude bescherte mir die Gesangsklasse von Professor Dr. Marek Rzepka
an der HMTMH.
Leider war zu meiner Dienstzeit ‘Der eiserne Vorhang‘ noch so geschlossen, dass
nur wenige der großen Stimmen zu uns kamen. Aber heute kann ein fähiger
Gesangspädagogin aus einem Fundus herrlicher Stimmen profitieren, die noch nicht
von Rock und Pop Gekreisch versaut sind und im Osten überwintert haben.
Da er klug und sympathisch ist, gönne ich ihm den Triumph beim Publikum von
Herzen, unterstütze auch eine seiner stimmlich sprachlich und darstellerisch
begabten ‘Lerchen‘ mit großer Freude mit einer Patenschaft.
Bitte sehen es mir nach, dass diese Schlussbemerkung ziemlich persönlich
ausgefallen ist, aber grau ist alle Theorie und persönliches Erleben ist durch
nichts zu ersetzen.
Machen wir uns einen Namen und dann: Auf ins Jahr 2020!
ML Gilles
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RA Frank Wahner, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Hannover
RA Markus von Hohenhau, Fachanwalt für IT-Recht, Regensburg
RA Prof. Dr. Ernst Fricke, Fachanwalt für Bühnenrecht, München/Landshut
Wir verstehen diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik
willen, son-dern als Hinweis auf - nach unserer Auffassung - Geglücktes oder
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Fotos wurden Buch- und CD-Einbänden entnommen. Beiträge aus der Rubrik ‘Was
andere schrieben‘ stammen aus der Zeitschrift ‘Oper und Tanz‘ – Regensburg
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Textbeiträge u.a. von Marie-Louise Gilles, Ruth Tipton, Dieter Hansing, Peter
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Dieter Hansing