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Antonio García Gutiérrez
hatte mit seinem Drama El trovador (1836) die Grundlage für das spätere
Opernlibretto geschaffen. Die Handlung ist in Aragón zu Beginn des 15.
Jahrhunderts angesiedelt und verbindet historische Ereignisse mit den
für die Romantik charakteristischen Motiven von Liebe, Leidenschaft,
Rache, Familiengeheimnissen und tragischem Schicksal. Diese Konzeption
findet sich somit bereits in der literarischen Vorlage für Verdis
Troubadour.
Der historische Hintergrund des Dramas ist die aragonesische
Thronfolgekrise nach dem Tod König Martins I., der 1410 ohne legitime
Nachkommen verstarb. Mehrere Prätendenten erhoben Anspruch auf die Krone
Aragóns, und noch während der Verhandlungen, die 1412 im sogenannten
Kompromiss von Caspe zur Wahl Ferdinands I. führten, kam es zu
bewaffneten Auseinandersetzungen. Jakob II. von Urgell erkannte den
Schiedsspruch nicht an, stellte ein Söldnerheer auf und führte Krieg
gegen den neu gewählten König. Der daraus resultierende Bürgerkrieg, der
den politischen Hintergrund der Oper bildet, endete bereits 1413 mit der
Gefangennahme Jakobs von Urgell. Die Handlung von El trovador
beziehungsweise Il trovatore lässt sich daher auf die Jahre 1412 bis
1413 eingrenzen.
Vor diesem Hintergrund stehen sich der Graf von Luna und der Troubadour
Manrico als Gefolgsleute rivalisierender politischer Lager gegenüber.
Ihre Gegnerschaft beschränkt sich jedoch nicht auf den Konflikt um die
aragonesische Krone, sondern wird durch ihre gemeinsame Liebe zu Leonora
zusätzlich verschärft. Die Rivalität um ihre Gunst bildet einen
zentralen Handlungsmotor der Oper und verbindet die politische Ebene mit
der persönlichen Tragödie der Figuren.
Erst am Ende der Oper wird enthüllt, dass Luna und Manrico Brüder sind.
Der jüngere Bruder des Grafen, Garcia, soll als Kleinkind von einer
Zigeunerin verhext worden sein, woraufhin diese als Hexe auf dem
Scheiterhaufen verbrannt wurde. Aus Rache entführte ihre Tochter Azucena
das Kind mit der Absicht, es ebenfalls zu verbrennen. In einem Anfall
von Verwirrung warf sie jedoch versehentlich ihren eigenen Sohn ins
Feuer und zog den geraubten Garcia fortan unter dem Namen Manrico als
ihr eigenes Kind auf. Diese Enthüllung verleiht dem Konflikt zwischen
den beiden Männern eine zusätzliche tragische Dimension und macht die
Oper zu einem exemplarischen Werk romantischer Schicksalsdramaturgie.
Auch die Schauplätze der Handlung weisen teilweise konkrete historische
Bezüge auf. Die in der Oper erwähnte Feste Castellor wird häufig mit der
heute nur noch als Ruine erhaltenen Burg Castillo el Castellar
nordwestlich von Saragossa identifiziert. Damit erhält die Handlung eine
geografische Verankerung in jener Region, die während der aragonesischen
Thronfolgekrise tatsächlich Schauplatz militärischer
Auseinandersetzungen war.

Zur gleichen Zeit wie Verdi
beschäftige sich Richard Wagner mit dem Thema der Minnesänger.
Hierzu schuf er sich ein Libretto, das nur das Thema Liebe behandelt,
ein politischer Hintergrund wie bei Verdis Troubadour ist nicht gegeben.
Tannhäuser, Wagners 1845 in Dresden auf die Bühne gebrachter und damit
uraufgeführtes Werk, Titelträger seiner romantischen Oper vertritt die
von der Venus dargestellte leibliche Liebe, die gegenübergestellt der
von Wolfram von Eschenbach vertretenen und im Text zum Ausdruck
gebrachten "Dir hohe Liebe töne begeisternd mein Gesang" von Elisabeth
vertretenen platonischen, durchgeistigten Liebe.
Wolfram
Blick ich umher in diesem edlen Kreise
Welch hoher Anblick macht mein Herz erglühn!
So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise
Ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün
Und hold und tugendsam erblick ich Frauen
Lieblicher Blüten düftereichsten Kranz
Es wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen
Mein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz
Da blick ich auf zu einem nur der Sterne
Der an dem Himmel, der mich blendet, steht:
Es sammelt sich mein Geist aus jeder Ferne
Andächtig sinkt die Seele im Gebet
Und sieh! Mir zeiget sich ein Wunderbronnen
In den mein Geist voll hohen Staunens blickt:
Aus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen
Durch die mein Herz er namenlos erquickt
Und nimmer möcht ich diesen Bronnen trüben
Berühren nicht den Quell mit frevlem Mut:
In Anbetung möcht' ich mich opfernd üben
Vergiessen froh mein letztes Herzensblut
Ihr Edlen möcht' in diesen Worten lesen
Wie ich erkenn der Liebe reinstes Wesen! [...]
Quelle:
https://genius.com/Richard-wagner-blick-ich-umher-in-diesem-edlen-kreise-lyrics
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Tannhäuser
0 Wolfram, der du also sangest
Du hast die Liebe arg entstellt!
Wenn du in solchem Schmachten bangest
Versiegte wahrlich wohl die Welt
Zu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen
Blickt auf zum Himmel, blickt auf zu seinen Sternen!
Anbetung solchen Wundern zollt
Da ihr sie nicht begreifen sollt!
Doch was sich der Berührung beuget
Euch Herz und Sinnen nahe liegt
Was sich aus gleichem Stoff erzeuget
In weicher Formung an euch schmiegt
Ich nah' ihm kühn, dem Quell der Wonnen
In die kein Zagen je sich mischt
Denn unversiegbar ist der Bronnen
Wie mein Verlangen nie erlischt!
So, dass mein Sehnen ewig brenne
Lab an dem Quell ich ewig mich!
Und wisse, Wolfram, so erkenne
Der Liebe wahrstes Wesen ich! |
In seiner 1868 uraufgeführten einzigen musikalischen Komödie 'Die Meistersinger
von Nürnberg' nimmt er noch einmal den Gedanken des Meistergesangs auf,
bringt ihn aber nur in Verbindung zur weltlichen Liebe, der ihm sogar
ermöglicht, eine weltliche 'Braut zu erringen.
Der Vergleich zwischen Giuseppe Verdis Il trovatore und Richard Wagners Tannhäuser ist der klassische
Gegensatz zweier Opernwelten. Sie stehen beispielhaft für den
italienischen Belcanto und das deutsche Musikdrama.
- Inhalt & Kernbotschaft:
- Il trovatore
(1853): Ein hochemotionales Rache- und Liebesdrama im
mittelalterlichen Spanien. Es dominieren familiäre Konflikte,
Eifersucht, Hass und das Schicksal.
- Tannhäuser
(1845): Ein philosophischer Kampf zweier Welten. Wagner
verhandelt den Konflikt zwischen der sündigen, irdischen Liebe
(Venusberg) und der reinen, erlösenden Liebe (Elisabeth).
- Musikalischer Stil
- Verdi
Fokussiert sich auf die menschlichen Emotionen. Der Gesang steht
im Mittelpunkt, getragen von mitreißenden Melodien, markanten
Rhythmen und dramatischem Ausdruck.
- Wagner:
Strebt nach dem "Gesamtkunstwerk". Orchester und
Gesang verschmelzen. Die Musik ist monumental, expressiv und
nutzt Leitmotivtechnik, um innere psychologische Prozesse
darzustellen.
- Handlungsstruktur:
- Il trovatore
springt in sprunghaften, extrem dramatischen Erzählschritten
voran, in denen die Vergangenheit (der Fluch und die geraubten
Kinder) eine ständige Bedrohung darstellt.
- Tannhäuser
folgt einer kontinuierlichen, psychologisch tiefgehenden
Entwicklung von Erlösung und Schuld.
Fazit
Zitat
Richard Wagner und Giuseppe Verdi werden oft
als absolute musikalische Gegenpole dargestellt. Während
Wagner für Mythos und monumentalen Orchesterklang stand,
prägten Verdis Werke die europäische Romantik mit Fokus auf
menschliche Konflikte und Realismus. Die
Deutsche Oper Berlin
und die
Staatsoper Unter den Linden
pflegen beide das Erbe
beider Giganten.
In der Tat dieser angebliche Gegensatz
spaltete im 19. Jahrhundert die Opernwelt in zwei Lager: Die
Anhänger – die Wagnerianer und die Verehrer Verdis – standen
sich oft unversöhnlich gegenüber. Doch trotz dieser
Polarisierung waren sich die beiden Komponisten, die ja im
selben Jahr 1813 geboren wurden und sich nie persönlich
begegnet sind, in vielen künstlerischen Zielen ähnlicher,
als ihre Zeitgenossen wahrhaben wollten.
Die Idee der "musikalischen Antipoden"
fußt auf zwei sehr unterschiedlichen Kunstauffassungen:
-
Richard Wagner
sah die Oper als revolutionäres Gesamtkunstwerk, in dem
Dichtkunst, Musik und Malerei verschmelzen. Seine
Musikdramen behandeln thesenhafte, mythische Stoffe und
nutzen weit auserzählte, groß besetzte Klangwelten
(Leitmotivtechnik)
-
Giuseppe Verdi
fokussierte sich auf das Individuum, auf packende
Geschichten über Liebe, Verrat und Macht. Seine Figuren
sind realistischer, emotional zerrissener und vom
Zeitgeschehen geprägt. Im Zentrum steht bei ihm stets
die menschliche Stimme und die dramatische Kraft der
Melodie.
Zitatende
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/wagner-oder-verdi-1-100.html
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Um 'Missverständnisse' zu vermeiden:
Als Zeitungs- / Theater-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten
Eintrittskarten aus dem freien Verkauf verstehe ich
diese Besprechungen und Kommentare nicht als
Kritik um der Kritik willen,
sondern als Hinweis auf - nach
meiner Auffassung - Geglücktes oder Misslungenes.
Neben Sachaussagen enthalten diese Texte auch Überspitztes und
Satire.
Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5,
Grundgesetz, in Anspruch.
Dieter Hansing
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