Zur Meinungsfreiheit westlicher Gesellschaften zählt
das Recht zur missverständlichen Überzeichnung.
04.01.2010
- dradio.de
Announcement
Theater
Regensburg
Nora verlässt ihren Mann. Mit Recht. Denn ihre scheinbar glückliche Ehe mit Helmer, mit dem sie drei Kinder hat, hält einer Bewährungsprobe nicht stand. Nora hat sich aufgeopfert für Helmer, hat heimlich Geld beschafft, als er schwerkrank war und sein Leben von einem teuren Aufenthalt im Süden abhing. Deshalb hat sie auf einem Schuldschein die Unterschrift ihres sterbenden Vaters gefälscht. Durch anstrengende Nebenarbeit, von der Helmer nichts ahnte, konnte Nora die Schuldsumme inzwischen bis auf einen kleinen Rest zurückzahlen. Als Helmer zum Bankdirektor avanciert, wird er der Vorgesetzte von Noras Gläubiger, dem verkommenen Advokaten Krogstad, den er wegen eines vor Jahren begangenen Deliktes kündigen will. Krogstad nutzt die Verfehlung Noras, um sie zu erpressen: Sie soll ihren Mann bewegen, ihn nicht aus seiner Stellung bei der Bank zu entlassen.
Nora aber bittet Helmer vergeblich. Sie sieht keine Möglichkeit, sich ihrem Mann offen anzuvertrauen. Während sie in auswegloser Verzweiflung an Selbstmord denkt, macht Krogstad seine Drohung wahr und informiert Helmer über Noras Unterschriftsfälschung. Helmer verurteilt seine Frau gnadenlos und beschimpft sie voller Entrüstung: sie habe ihm Schande gemacht und sein Leben zerstört. Er kann ihr die Schuld, die sie aus Liebe zu ihm auf sich geladen hat, nicht verzeihen. Bürgerliche Konvention und Ehre stehen für ihn höher als Noras Liebe. Als sich das Blatt schließlich wendet und der Erpresser auf gutes Zureden seiner Jugendfreundin hin den verhängnisvollen Schuldschein zurückschickt, hat Nora sich gründlich gewandelt. Schonungslos ehrlich rechnet sie mit ihrem Mann ab. Jetzt muss sie ihren eigenen Weg gehen – hinaus aus dem Puppenheim, in dem sie für Helmer nur ein Spielzeug war, aber keine gleichberechtigte Partnerin.
Besetzung
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Torsten Helmer |
Michael Haake |
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Nora |
Silke Heise |
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Christine Linde |
Silvia Rhode |
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Dr. Niels Rank |
Michael Heuberger |
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Lars Krogstad |
Hubert Schedlbauer |
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Kindermädchen |
NN |
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Dienstmann |
NN |
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Übernahme
am
7.9.2008
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Das
Schauspiel
‘Nora’ geht
aller
Wahrscheinlichkeit
nach auf eine
wahre
Begebenheit
zurück, die
Ibsen
dramatisierte.
Seit 1868 wohnte
Henrik Ibsen mit
seiner Familie
in Dresden,
wohin er die
junge
Schriftstellerin
Laura Petersen
einlud, die 1869
mit einer
Erzählung Brands
Töchter - einer
Fortführung von
Ibsens
dramatischem
Gedicht ‘Brand’
- und die sie
ihm gewidmet
hatte,
debütierte.
1873 heiratete
Laura Petersen
den dänischen
Lehrer Victor
Kieler, einen
nach außen hoch
angesehenen, im
Familienleben
aber
cholerischen
Menschen, der
vor allem in
Geldangelegenheit
in seiner
aufbrausenden
Art,
unberechenbar
war und der
später an einer
Lungenkrankheit
litt, die nur in
warmem
Mittelmeerklima
kuriert werden
konnte.
Um die Reise zu
ermöglichen,
nahm Laura
Kieler Kredite -
ohne Wissen des
Ehemannes - mit
Bürgen auf, die
sie dann nicht
zurückzahlen
konnte. Auch der
Bürge fiel aus
und sorgte sich
um seinen Ruf.
Laura Kieler
wandte sich
Hilfe suchend an
Frau Ibsen, sie
möge auf Henrick
Ibsen einwirken,
dass ein dem
Brief
beigefügtes
Manuskript bei
einem größeren
Verlag in
Dänemark
aufgenommen
werde.
Ibsen lehnte ab,
da das Material
nur eine
‘Flüchtigkeitsarbeit’
darstelle und
ihrem Ansehen
schade, sie
solle sich an
ihren Mann
wenden.
Trotz der
Situation, dass
eine Frau in
Dänemark zu der
Zeit nicht
geschäftsfähig
war, also
Geldgeschäfte,
Kindererziehungsmaßnahmen
allein nicht
durchführen
durfte,
unterschrieb
Laura Kieler -
wieder ohne das
Wissen von
Victor Kieler -
einen Wechsel,
der zu Protest
ging.
Sie wurde in
eine
Nervenheilanstalt
eingewiesen, das
Kind ihr
weggenommen.
Zwei Jahre
später wurde sie
zu ihrem Mann
entlassen.
Am 21. Dezember
1879 hatte ‘Ein
Puppenheim’
Premiere am
königlich
Theater in
Stockholm.
1890 erbat Laura
Kieler eine
Ehrenerklärung
von Ibsen, dass
sie nicht die
Vorlage für ‘Ein
Puppenheim’ sei,
denn es war
vielen in der
literarischen
Welt die
Ähnlichkeit
zwischen
dargestellten
und lebenden
Personen
aufgefallen.
Ibsen
verweigerte
diese mit dem
Hinweis, eine
Erklärung, dass
sie nicht Nora
sei, wäre
sinnlos und
lächerlich, weil
er nie das
Gegenteil
behauptet habe.
(nach Kinck)
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Das
unerwartet
und
ungewohnt
bestimmte
Auftreten
Nora’s
am Ende
des
Stückes,
da sie
Mann und
Kinder
kurz
entschlossen
verlässt,
wollte
man dem
deutschen
Publikum
nicht
zumuten,
auch um
zu
dokumentieren,
es
stünde
der Frau
nicht
zu,
selbst
zu
entscheiden,
was sie
tue.
Am
Flensburger
Theater,
dem Ort
der
deutschen
Erstaufführung
Anfang
1880,
wurde
der
Schluss
vom
dortigen
Dramaturgen
abgeschwächt,
Nora
kehrt
danach
zur
Familie
zurück.
Auch
Kiel und
Wien
spielten
die
reduzierte
form,
obwohl
Ibsen
das
Wiener
Theater
mit
Heinrich
Laube
als
Intendant
gebeten
hatte,
seine
Originalversion
zu
aufzuführen.
Da es
sich
einbürgerte,
mal
diese,
mal jene
Fassung
des
Werks vorzustellen,
unternahm
es
Ibsen,
einen
eigenen
‘versöhlichen’
Schluss
als so genannte
‘Berliner
Fassung’
zu
schreiben,
damit
sein
Werk
nicht
von
jedermann
nach
Gutdünken
verändert
werden
konnte,
zumal es
keine
Urheberrechtsverträge
zwischen
Deutschland
und
Skandinavien
gab.
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Das
Unterwerfungsprinzip
der Frau bezogen
auf den Mann war
in Europa
allenthalben bis
in die 60er
Jahre des
letzten
Jahrhunderts
gültig.
Vornehmlich die
katholische
Kirche fußte auf
dem Über- und
Unterordnungsprinzip
von Frau und
Mann. Sie
stützte sich auf
die Bibel und
führte fort, was
Paulus an die
Epheser (Eph.
5,24) schrieb,
wie die Gemeinde
Christo untertan
, seinen auch
die Weiber den
Männern untertan
in allen Dingen.
Emanzipation,
als Bürgerin, ja
- aber aus
kirchlicher
Sicht, nein.
Somit müsste
Helmer sich für
eine der beiden
Möglichkeiten in
Bezug auf Nora
entscheiden -
was er nicht
kann. Allerdings
sind ihm
offensichtlich
die bürgerlichen
Aspekte
wichtiger, denn
es geht ihm
letztlich darum,
nach außen hin
die Reste des
Ansehens zu
wahren.
Ibsen griff auch
in Bezug auf die
Männergestalten
seiner Werke das
Problem der
Unwahrheit auf,
als er seinen
Peer das eigene
Leben erfindet
und dann
erzählt, dass er
es selber
glaubt.
Die Frauen
griffen zur
Lüge, um sich
einen Freiraum
zu schaffen.
Nora rettet sich
aus prekären
Situationen,
indem sie die
Unwahrheit sagt:
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(Reclam Nr.
15360 -
Übersetzung
Linders /
Revision Keel)
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Das Theater
Regensburg, eine
Anstalt des
öffentlichen
Rechts, ein
Kommunalunternehmen
der Stadt
Regensburg, mit
Millionen
finanziert,
vertreten durch
den Intendanten
Ernö Weil ist
ganz
offensichtlich
nicht in der
Lage, ein Update
der
Internetseite
des Theaters zu
bewerkstelligen.
Das Internet
trägt das Image
des Hauses und
der Stadt in die
Welt.
Herrn Weil ist
es wohl egal,
wie man über das
von ihm
vertretene Haus
und letztlich
über ihn denkt.
Am Abend der
Premiere zu
'Nora' weist die
Internetseite
die Besetzung
der Rollen
'Kindermädchen'
und 'Dienstmann'
ein 'NN' aus.
Vielleicht hat
Herr Weil es
erst zur
Vorstellung -
die er mit
seiner Gattin,
Kammersängerin
Mechthild
Gessendorf, eine
im
Theaterbereich
somit nicht ganz
unerfahrene
Dame, besuchte -
gemerkt, dass
die Rollen
gestrichen waren
und diese
Tatsache an
seine
Schauspieldramaturgie
nicht
rechtzeitig
weitergegeben.
Screenshot
01.10.2008
http://www.theaterregensburg.de/

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"Bei ihr stimmt was nicht"
Susanne
Ellinghaus gestaltet dem regieführenden Herrn Oberspielleiter
Schauspiel, Michael Bleiziffer, ein
kühles, reserviertes Interior
wie es in tausenden von Haushalten
heute anzutreffen ist.
Mit schnörkelloser Sitzgruppe und
Schrankwand in Schleiflack mit Trinkgläsern vollgefüllt, die Fläche
der Schrankvorderfront für Projektionen mit Szenen 'aus der heilen
Welt' der Familie Helmer bietet und unmissverständlich dokumentiert.
Diese Nora in der Greifenhagen/Karasek-Übersetzung (die Herrschaften
wollen schließlich an Ibsen etwas verdienen) spielt heute und nicht
1879.
Damit beginnt die Sache schon von Anfang an,
am Publikum vorbeizulaufen, denn es ist
heute nicht mehr vermittelbar, dass sich
eine junge Frau im mittleren Europa
freiwillig einem Mann derart unterordnet,
lügt, im geschäftlichen Außenbereich Fehler macht und erst zum Ende
des Stückes das Nichtvermögen ihres Selbst erkennt und abrupt das
Feld räumt.
Die am Premierenabend im Regensburger Haidplatztheater anwesenden
Zuschauer fanden den Zugang zum Stück nicht - konnten es nicht, denn
das Verhalten der Nora war derart unglaubwürdig, dass
es die Problematik des Stückes nicht erfasst, statt dessen klingelnde Handies
abstellt, kichert, unmotiviert laut lacht, Bonbons aus Knisterpapier
auspackt, auf die Uhr schaut, sich in Permanenz zueinander neigt und
unterhält.
Hinzu kommt, dass - weil nicht ausreichend vorbereitet - die
wenigsten wussten, dass es sich hier um ein zeitkritisches Stück
handelt - sie gingen wohl davon aus, das auf der Bühne Gezeigte sei
alles ein nicht nachvollziehbarer Spuk und damit wohl eine Komödie.
Dass Ibsen die Situation der Frau im 19. Jahrhundert schildert und
mit diesem Werk gerade heute dem Publikum vorgeführt werden kann,
dass der Weg der Emanzipation der Frau ein langer, steiniger und
eigentlich immer noch nicht abgeschlossener ist, konnte mit dieser
Bleiziffer-Darstellung nicht realisiert werden.
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Bereits der
erste Auftritt
bringt das
Publikum zum
Lachen. Nora mit
Tüten mehr als
bepackt. Sie hat
für Weihnachten
eingekauft, Geld
könnte man sich
ja leihen, wenn
es knapp werde.
Helmer hält ihr
entgegen, er
fühle sich
unfrei mit Geld
auf Pump. Die
Einkäufe -
Dinosaurierbücher,
Matchboxautos,
Puppe - werden
'aufgetischt'.
Wie sehr Helmer
an seiner Nora
vorbei lebt,
wird hier schon
deutlich, als er
gleich zu Beginn
des Stückes sie
erst unmittelbar
vor dem Fest
fragt, was sie
sich denn
eigentlich so zu
Weihnachten
wünsche. Sie,
das 'kleine
verlogene
Biest', das
wieder einmal
gesündigt habe -
geraucht habe
sie.
Nora lügt -
belügt sich und
die Umwelt,
macht sich
laufend etwas
vor, hat nach
acht Jahren Ehe
mit drei Kindern
sich immer noch
nicht erkannt.
Immerhin deckt
sie ihrer nun
plötzlich in die
Stadt
zurückkehrenden
Jugendfreundin
Christine Linde
auf, dass sie
gewisse
finanzielle
'Transaktionen'
getätigt habe.
Dass diese
dubios waren,
erkennt sie
wohl, ist sich
aber der
Tragweite des
Zustandekommens
nicht bewusst.
In Zukunft
jedenfalls habe
sie keine Sorgen
mehr, denn ihr
Mann sei ja nun
dann bald
Bankdirektor und
verdiene viel
Geld - sie sieht
wohl die
Möglichkeit, die
Rückzahlungen
des Kredits
leichter
bewerkstelligen
zu können.
Später wolle sie
die Sache
vielleicht
aufklären, wenn
sie ihm nicht
mehr vortanzen
könne und nicht
mehr die Doofe
spiele müsse.
Hier liegt ein
weiteres Problem
in der
Aktualisierung
des Werkes.
Sicherlich gibt
es Menschen, die
nicht wissen
oder nicht
wissen wollen,
dass die
Fälschung einer
Unterschrift
eine Straftat
bedeutet - egal
aus welchen
Beweggründen sie
begangen wird.
Dass in der
heutigen Zeit
aber eine Frau
so naiv sein
soll, die
Unterschrift für
eine Bürgschaft
zu fälschen,
darüber hinaus
noch das Datum
der Unterschrift
nach dem Tod des
Bürgschaftgebers
einzusetzen,
grenzt - es muss
schon gesagt
werden - an
ausgesprochene
Dämlichkeit.
Dies ist
gerade noch für
das 19. Jahrhundert nachvollziehbar,
wenn eine Frau vom
Vater de jure in
die 'Leitung'
durch den
Ehemann
übergeben wurde
- stirbt dieser
ist der Bruder
der Witwe
verantwortlich -
sie war in den
wenigsten Fällen
geschäftsmäßig
so geschult, als
dass sie die
Tragweite ihres
Tun erkannt
haben könnte.
Nora hat
außerdem keinen
Überblick, was
sie aus dem
Kredit bereits
zurückgezahlt
hat - das mag
mit dem heutigen
Kreditkartensystem
auch noch
möglich sein,
den Überblick zu
verlieren.
Helmer lebt an
seiner Frau
vorbei, so dass
derartige
'Entgleisungen'
möglich sind.
Das Stück gibt
vor, er habe
nicht wissen
dürfen, woher
das Geld für
seine
Erholungsreise
in den Süden
tatsächlich
stammte, er
hätte sich von
ihr nicht helfen
lassen wollen.
Heutzutage doch
wohl kaum
fassbar, es
werden 160 000
für ein Jahr in
Italien mit drei
Personen
notwendig, dann
auch verbraucht
und der Herr des
Hauses -
bezeichnenderweise ein 'Bänker'
(heute ein
Schimpfwort) -
weiß nicht, wie
und woher diese
Summe für einen
derartig langen
Auslandsaufenthalt
auf sein Konto
kommt.
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Nora ist
wahrlich alles andere als ein zarter, bunter Kolibri, als den
Helmer seine Frau tituliert. Bleiziffer ist nicht in der Lage,
die Dynamik, die von Silke Heise auf
die Bühne gebracht wird, zu steuern und zu reglementieren.
Dies bedeutet nicht, dass sie nicht auch ruhige Momente in ihrer
Verzweiflung ausspielen kann, aber diese im Übrigen permanente
Überdrehung, die auch nicht aus einer Aufregung aus dem eigenen
Wissen um ihre eigenen Fehler abgeleitet werden kann, ist nicht
nachvollziehbar und verfehlt die eigentlich zu erzielende Wirkung
beim Publikum.
Die Darstellerin verfällt in ein albernes, übertriebenes,
geradezu hysterisches, zum Teil textunverständliches Gekicher -
Nora: "da plapper ich so vor mich hin" - Gekreisch und Herumgehample
- extrem das Getobe beim Auftritt im 3. Akt - was vom Publikum
amüsiert zur Kenntnis genommen wird.
Es kann nicht nachvollziehen, dass eine alle übrigen Darsteller
figürlich überragende, die meiste Zeit daher barfuß oder auf Socken
agierende, Frau, voller Elan, schnellem Denken - was auf Intelligenz
ließen lässt - sich derartig gibt und damit neben der Rolle einer
unbedarften Sentimentalen steht.
Hier zeigt sich - und es war dies zu erwarten als bekannt wurde, die
hocherfahrene und bestqualifizierte Leitung des Theaters Regensburg
habe die Nora mit Frau Heise besetzt - dass dies nicht gut gehen könne
und dass man der Darstellerin keinen Gefallen tun werde.
Sie ist nicht in der Lage, sich so zurückzunehmen, dass eine 'noch-immer-nicht-erwachsen-Gewordene'
deutlich wird.
Es gehört sehr viel Talent dazu, sich aus einer Heldin auf die
muntere Naive, die Doofe - Frau Linde: "du bist ein Kind" -
herunterzuspielen.
Sträflich, Stücke auf den Spielplan zu nehmen, die man nicht
besetzen kann, wenn man dies nicht 'fachübergreifend', also 'gegen
den Typ' besetzend zu retten gedenkt.
Michael Haake hat - wie nicht erwünscht
- seine Schwierigkeiten neben Silke Heise, der damaligen Penthesilea, den toughen Typ zu spielen. Der Achill war schon problematisch, hier
gelingt es ihm zumindest, dem Helmer die Überlegenheit des aktiven
Berufstätigen der Nora gegenüber zu geben - ein fast ständig
mitgeführter Laptop, auch als Steuerungselement für Projektion und
Ton, soll dies wohl unterstreichen.
Helmers Entscheidung, er müsse Krogstad kündigen, da der das einmal
vereinbarte intime 'Du' schamlos ausnutze, zeigt wie unsicher dieser
Mann ist, er zittert, Dominanz, Autorität wird auf diese Weise kaum deutlich,
er sieht überall Schwierigkeiten, Probleme, die ihn zu Fall bringen
könnten.
Nora verlässt ihn, da 'das Wunderbare' nicht eintrat, er spricht
ihr, ob ihres Verhaltens, Geld ohne sein Wissen aufgenommen zu
haben, die Kinder ab - vor jedem Familiengericht würde er heute
damit scheitern - sie dürfe im Haus bleiben, alles müsse vertuscht
werden.
Jubelnd vernichtet er dann Krogstads Mitteilung mit dem
Schuldschein. Offen
bleibt, ob die geliehene Summe nun vollständig zurückgezahlt wurde
oder der Kreditgeber auf die Restzahlung verzichtet.
Helmer reduziert seine Reaktion auf den Abgang der Nora, er kann das wohl
nicht so ohne Weiteres fassen. Sie begegnen sich noch einmal, laufen
aufeinander zu, haben sich aber nichts zu sagen und gehen
auseinander.
Christine Linde - gespielt von Silvia Rhode
- ist die Abgeklärte, Vernünftige, die eine Möglichkeit sucht, ihren
Pflegetrieb auszuleben zu können und sich ganz schnell des Loser's
Krogstad bemächtigt.
'Ruhig und besonnen' steht sie neben der aufgeregten Nora im Leben,
weiß um Grenzen und mahnt Krogstad, den Brief an Helmer nicht
zurückzunehmen, man könne sich den verlogenen Ton in diesem Hause
nicht vorstellen, Helmer müsse die ganze Wahrheit erfahren, Nora's
Heimlichtuerei müsse endlich ein Ende haben.
Nora und Helmer müssten nun miteinander reden.
Hubert Schedlbauer will als Lars
Krogstad nach geschäftlichen Fehlleistungen , zurück in die
Gesellschaft, Nora soll ihm helfen, dass Helmer als neuer
Bankdirektor ihm nicht kündigt.
Er setzt ihr zu, sie erfährt von ihm, dass man auch nicht aus Liebe
mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt kommen darf.
Er kann das Einschleimen, Druck ausüben deutlich machen, dass Nora
in Panik gerät und dann meint, sich doch noch alles schönreden zu
können.
Der unter dem 'Liebesgeständnis' der Frau Linde zustande kommende
plötzliche Zusammenbruch seiner harten Haltung, ist schon vom Stück
her kaum nachzuvollziehen und ebenso kaum glaubwürdig darzustellen -
Flucht in Tränen soll dann den Wandel dem Zuschauer verdeutlichen.
Michael Heuberger kann den Zuschauern
den sterbenskranken Dr. Rank nicht vermitteln - er trippelt ohne
irgendwelche körperliche Einschränkung, Schwäche, wie immer über die
Bühne - Liebe zu Nora bleibt außen vor. Glänzend allerdings wie er
da mit in jeder Hand eine Zigarette balancierend auf der Couch
sitzt. Das nebenbei als Busfahrer Kurt unterwegs sein, der jede
Kurve kriegt, ist dem Nimbus eines Ausnahmeschauspielers abträglich.
Das Publikum gelangweilt, reagiert entsprechend, honoriert
allenfalls die Gedächtnisleistung mit Applaus.
Da dies bemerkt wird,
befeuert das auf Einreichkarten fast vollständig erschienene
Rest-Ensemble des Schauspiels den Beifall.
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veröffentliche ich auf dieser privaten Homepage meine
Meinung. Ich
verstehe die Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der
Kritik willen, sondern als Hinweis auf nach meiner Auffassung zu
Geglücktem oder Misslungenem. Neben Sachaussagen enthalten die
Texte auch Überspitztes und Satire. Für diese nehme ich den
Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch. In die
Texte baue ich gelegentlich Fehler ein, um Kommentare
herauszufordern. Dieter Hansing
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