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04.01.2010 - dradio.de

 


Thema des Tages
29. März 2026

kurz kommentiert


'Penthesilea'

   ... von Pascal Dusapin

 

 

 

.... am 14. März 2026 in Deutschland erstaufgeführt und u.a. am 29.3.2026 wiederholt, nachdem es zehn Jahre nach der Uraufführung in Brüssel für die deutsche Erstaufführung in Hannover - hier dann mit großem szenischen und akustischen Aufwand dargeboten - ablagerte.

Die schon bei Kleist problematische Story der Amazone Penthesilea mit dem ihr verbotenen Liebhaber Achill erinnert u.a. an die Tragödie Norma ou l’infanticide von Alexandre Soumet, die 1831 – kurz nachdem Kleist sein Werk 1808 als Schauspiel Goethe vorgelegt hatte - als Oper von Vincento Bellini an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde.
Hier das verbotene Verhältnis der Priesterin Norma mit dem römischen Feldherrn Pollione.

Bei Kleist’s Schauspiel gelingt es gerade noch, dieses fatale Verhältnis der Amazone Penthesilea zum Krieger Achill deutlich zu machen. Jedoch ergibt sich in Hannover bei der Oper Penthesilea weder für Herrn Dusapin als Komponist, noch seiner Frau Librettistin Häckel  ein roter Faden zur Darstellung der Gegebenheiten.

 

Prolog (Prothoe, Chor). Die Amazone Prothoe erinnert ihre Königin Penthesilea daran, dass sie nur den Mann erwählen dürfe, der ihr im Kampf entgegentrete. Gleichzeitig warnt sie Penthesilea vor den Fallstricken der Liebe. Der Chor weist auf den vom Wind herangetragenen Schlachtenlärm hin.

Szene 1 (Achilles, Odysseus, Bote). Voller Hass auf Penthesilea betrachtet Odysseus eine Verwundung seines Freundes Achilles. Er versucht, ihn vom weiteren Kampf abzuhalten. Der ist jedoch völlig besessen davon, die Amazonen zu vernichten, nennt Odysseus und die anderen Griechen „Weicheier“ und schwört, Penthesilea sterbend durch den Staub zu schleifen. Als ein Bote angsterfüllt deren Nahen verkündet, eilt Achilles ihr entgegen. Odysseus hält dies für Wahnsinn.

Szene 2 (Penthesilea, Prothoe, Botin). Obwohl die Amazonen in der Schlacht gesiegt haben, ist Penthesilea noch nicht zufrieden. Sie will noch einmal ins Feld ziehen und den verhassten Achilles zu ihren Füßen im Staub liegen sehen. Prothoe versucht vergeblich, sie zu beschwichtigen. Da meldet ein Bote die Ankunft des Gegners, und Penthesilea fordert ihre Gefährtin auf, ihr zu folgen. Prothoe schwört: „Bis in die Hölle!“

Zwischenspiel (Chor, Odysseus). Der Chor schildert den Stolz und Rätselhaftigkeit der Amazonenkönigin. Odysseus vergleicht sie mit einer hungrigen Wölfin. Die Amazonen ihrerseits sind wie geblendet vom Glanz des Achilles.

Szene 3 (Priesterin, eine Amazone, Chor). Die Oberpriesterin beobachtet besorgt Penthesileas Kampfvorbereitungen. Sie ist der Ansicht, dass es einer Königin nicht zustehe, ihren Gegner selbst zu wählen. Eine der Amazonen mutmaßt, Penthesilea sei von Amors Pfeil getroffen worden. Die Amazonen beobachten den Kampf aus der Ferne. Penthesilea wird von ihrem Pferd geworfen und ist Achilles ausgeliefert. Er tötet sie jedoch nicht, sondern hebt sie in seinen Armen empor. Prothoe entreißt sie ihm. Achilles wirft seine Waffen fort. Die beiden Frauen machen sich jammervoll auf den Heimweg.

Szene 4. (Penthesilea, Priesterin, Prothoe, griechische Krieger hinter der Szene, Amazonen). Aus Wut darüber, dass sie Achilles’ Liebe auf dem Schlachtfeld gewinnen muss, hetzt Penthesilea ihre Hunde auf ihn. Prothoe und die Priesterin beklagen die Besessenheit ihrer Königin und flehen sie an, sich zu retten. Penthesilea will sich eher von Achilles töten lassen als unfähig zu sein, einen Mann in sich verliebt zu machen. Als die Rufe der Griechen hörbar werden, fürchten Prothoe und die Priesterin, Penthesilea zu verlieren. Prothoe schlägt eine Waffenpause vor, damit sie wieder zur Besinnung findet. Penthesilea übergibt sich jedoch jetzt völlig ihren Fantasien. Sie will Berge übereinander wälzen und auf dem Gipfel stehend Achilles zu sich ziehen. Dann bricht sie zusammen. Prothoe befiehlt den Amazonen, die Griechen anzugreifen, ohne aber Achilles zu töten. Die Priesterin zieht sich zurück.

Szene 5 (Achilles, Amazonen). Achilles verhöhnt die angreifenden Frauen, die der Übermacht der Griechen erliegen. Eine Amazone fällt. Die übrigen fliehen in Panik. Achilles ergreift Penthesilea und fordert Odysseus auf, die anderen Amazonen zu verfolgen. Odysseus wünscht ihm Glück.

Szene 6 (Achilles, Prothoe, Penthesilea). Achilles und Prothoe sorgen sich um die bewusstlose Penthesilea. Achilles erklärt, dass er sie zu seiner Königin machen wolle. Als sie die Augen aufschlägt, fordert Prothoe ihn auf, sich zurückzuziehen, da Penthesilea die Schande nicht ertragen könnte. Penthesilea erinnert sich an die Schlacht wie an einen Traum. Prothoe beruhigt sie und zeigt ihr dann Achilles, angeblich ihren entwaffneten Gefangenen. Der wirft sich ihr zu Füßen und erklärt ihr seine Absichten. Penthesilea gerät vor Glück in Ekstase. Sie schmeichelt Achilles, und beide bekennen einander ihre Liebe. Da kehren die Griechen zurück, und Achilles muss zugeben, dass nicht er ihr Gefangener ist, sondern sie selbst besiegt wurde und ihm folgen muss. Penthesilea ist erschüttert.

Szene 7 (Achilles, Odysseus, Penthesilea). Der Kampf bricht erneut aus, und Odysseus warnt seinen Freund, dass jetzt die Amazonen im Vorteil seien. Sie hätten „Penthesilea“ zu ihrem Schlachtruf erkoren. Achilles’ Kampfeslust erwacht wieder. Er befiehlt, Penthesilea in das griechische Lager zu bringen. Entsetzt fleht sie ihn an, stattdessen ihr unter die Eichen zu folgen. Achilles lehnt ab. Beide sehen keinen Ausweg mehr: Achilles ist wie versteinert, und Penthesilea gerät ins Stottern. Odysseus mahnt seinen Freund zum Rückzug und zieht ihn mit sich fort.

Szene 8 (Penthesilea, Priesterin, Prothoe, Amazonen). Die Amazonen triumphieren, werden aber von ihrer Königin zurechtgewiesen. Sie habe sich Achilles’ als Gefangene ergeben und sei gesetzeswidrig befreit worden. Die von diesem Verhalten enttäuschte Priesterin spricht sie frei und fordert sie auf, den Krieg jetzt zu beenden und ihnen die Heimkehr zu gestatten. Penthesilea bittet Prothoe, bei ihr zu bleiben. Sie fühlt sich schuldig an dem Geschehenen und will nur noch sterben, „einen Schacht graben, kalt wie Erz“, und in diesen hinabsteigen.

Szene 9 (Penthesilea, Prothoe, ein Bote). Ein Bote überbringt Penthesilea eine Duellforderung Achilles’. Penthesilea kann nicht glauben, dass er, der von ihrer körperlichen Schwäche weiß, dazu in der Lage sei. Obwohl Prothoe ihr rät, den „Herzlosen“ zu vergessen, beschließt Penthesilea, sich ihm zu stellen. Sie beschwört den Gott des Krieges, ruft ihre Hunde zu sich und richtet ihren Bogen lachend auf Prothoe. Diese bricht vor Angst zusammen. Penthesilea schreit den Namen „Achilles“ hinaus.

Zwischenspiel (elektronisches Crescendo von pppp bis f, 20–25 Sekunden).

Szene 10 (Achilles, Odysseus, Chor, ein Bote). Achilles reflektiert seine widerstreitenden Gefühle für Penthesilea. Odysseus ist entsetzt, als er von seiner Duellforderung erfährt. Achilles erklärt, dass die Traditionen der Amazonen es verlangten, dass Penthesilea ihn im Kampf besiege, bevor es eine Liebesnacht geben könne. Odysseus wird wütend, doch Achilles hört ihm kaum zu. Da verkündet ein Bote, dass Penthesilea die Herausforderung angenommen habe und mit ihren Hunden auf dem Weg sei. Achilles glaubt nicht, dass Penthesilea ihn wirklich töten wolle. Er begibt sich zum Kampfplatz, während der Chor die Schrecken des Krieges besingt. Ein Pfeil durchbohrt Achilles.

Zwischenspiel (Elektronik).

Szene 11 (Penthesilea, Prothoe, Priesterin, Chor). Penthesilea nähert sich langsam der Leiche. Die entsetzte Priesterin verflucht sie, wirft ihr ihren Schleier vor die Füße und fordert Prothoe auf, sie fortzubringen. Penthesilea schaut sich um, nimmt den Pfeil und beginnt, ihn zu putzen. Der Chor der Amazonen beschreibt verwundert ihre Handlungen. Prothoe ist zutiefst gerührt. Sie spricht Penthesilea mit zärtlichen Worten zu, bestätigt ihren Sieg. Penthesilea fühlt sich mit einem Mal vergnügt und selig. Da erblickt sie den toten Achilles, betrachtet seine Wunden und verlangt zu wissen, wer „den Toten tötete“ und ihn so zurichtete. Die Priesterin entgegnet, es sei ihr eigener Pfeil gewesen. Anschließend habe sie sich mit ihren Hunden auf ihn geworfen, ihn geschlagen und selbst zugebissen. Penthesilea kann dies nicht glauben. Nur langsam dämmert ihr, was geschehen ist. Sie bittet den Toten um Vergebung, löst ihre Verbindung mit den Amazonen und erklärt, dass sie jetzt diesem Mann folgen wolle. Dann übergibt sie Prothoe ihren Bogen und ihre Pfeile. Sie ist bereit für den Tod. In Gedanken formt sie aus der „Glut des Jammers“, dem „Gift der Reue“ und dem „Amboss der Hoffnung“ einen Dolch, in den sie sich stürzen will.

Epilog. Penthesilea bricht über Achilles’ Leiche zusammen. Der Chor wiederholt die Worte „Jammer, Reue, Hoffnung“.

Zitatende
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Penthesilea_(Dusapin)
 


Das Publikum ist völlig lost, vermag es doch nicht, beim Aufzeigen der Handlung szenische Bindungen oder Zäsuren zu erkennen und ihnen zu folgen, da es durch die einförmige Kostümierung wie die Ausleuchtung und das Benebeln des Bühnenraums – bis auf die Schlussszene – die, für die Zuschauer planlosen Bewegungsabläufe der Einzelpersonen und Gruppen keinen Fortlauf erkennen kann.

Eine gewisse Dramatik ist durch die Auftritte der Hunde mit deren Führerin zu erkennen. Das ist aber zu wenig für einen solchen szenischen wie musikalischen Aufwand, der für die Darstellung des Werkes in Hannover betrieben wurde.


Stefan Arndt schrieb in der HAZ vom 16.3.2026:


Die Musik hat etwas von den Hunden, die wohl die Attraktion der neuen Produktion an der Staatsoper Hannover sind: sie knurrt und zerrt an der Leine.
 


Regisseur Stephan Mettin hatte Hühner auf der Hannover'schen Opernbühne bei seiner legendären Produktion von 'Viva la Mamma'.
Bei Taboris 'Mein Kampf' gab es in Regensburg am Theater am Haidplatz auch Hühner, für deren Auftreten sich das Theater bei Frau Insinger bedankte.

So ist es!
Kaum werden Tiere ins Spiel eingewoben, jubelt das Publikum und wenn die für die Hannover'sche Oper engagierten Hunde auch nur bellen und Stoffe zerfetzen als dass sie den sehr schmal ‘bekörperten‘ Achill zerfleischen.
Müsste die Rolle nicht mit einem stämmigen Helden- bzw. Charakterbariton besetzt sein, als mit einem – auch in den Bewegungsabläufen wie z.B. beim Aufsetzen des Helms und den völlig albernen Liegestützübungen - buffonesk wirkenden ‘Barbier von Troja‘?

Dieser Auftritt der kläffenden Köter könnte das hier meist in schwach ausgeleuchtetem 'dämpfig Gedünst' spielende Stück elegant und mit einem Aplomb enden, ohne dass es mit dem Nachspiel unnötig verlängert und mit dem Auftritt der drei Damen belastet wird, die optisch und in ihrem Gehabe unverkennbar mit den Bewegungsabläufen der Einzelpersonen und Gruppen mit den US-amerikanischen 'Golden Girls' in Verbindung gebracht werden.



Foto: Nds. Staatsoper Hannover

Durch dieses Zerdehnen hat das Stück ‘Längen, gefährliche Längen. Man lässt sie weg!‘

Und trotz alledem:
Eine beachtliche Leistung im Graben, auf der Bühne, in der Technik.

Zehn Jahre hat es gedauert, von der Uraufführung bis zur deutschen Erstaufführung.
Wann wird man das Werk an einem anderen Theater wiedersehen?
 

 

 

 

 

 

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Als Zeitungs- / Theater-Abonnent und Abnehmer von voll bezahlten Eintrittskarten aus dem freien Verkauf verstehe ich diese Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik
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Hierfür nehme ich den Kunstvorbehalt nach Artikel 5, Grundgesetz, in Anspruch.

Dieter Hansing